Mark Ronson - Version

Mark Ronson- Version

Sony BMG
VÖ: 22.06.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Rock DJ

Kaugummi (rosa), zerknüllte Kassenzettel, blass geregnete Zigarettenkippen, Kaugummi (weiß), abgestürzte Hamburger-Innereien, flatternde Bonbonpapierchen, Taschentücher (benutzt), mit Füßen getretene Werbeflyer - der Schlund der Straße ist eine Art Gnadenhof für Zivilisationsabfall jedweder Art. Mit viel Glück findet man sogar ein Centstück. In New York ist das natürlich ganz anders: Als Entschädigung für die Blickkontakt verweigernden Passanten liegen dort nämlich Tonträger auf der Straße. Zumindest manchmal. Mark Ronson fand eines, als er 16 war und beschloss mal eben, DJ zu werden.

Während der Durchschnitts-Teenie am eiernden Plattenteller irgendeiner sturmfreien Bude endete, avancierte Ronson zum gefragten Celebrity-DJ: Er beschallte Privatfeten von P. Diddy und Jay-Z, legte auf exklusiven Gucci-Partys in Mailand auf und hielt jüngst die Hochzeitsgesellschaft Cruise/Holmes bei Laune. Nebenbei gründete er das Label Allido Records und produzierte die kommerzielle Pop-Elite seiner Heimat Großbritannien - Amy Winehouse, Lily Allen und Robbie Williams. Alle drei auch freundschaftsdienstlich als Gastvokalisten auf "Version" vertreten.

Ronsons vor vier Jahren veröffentlichtes Debüt "Here comes the fuzz" bot ebenfalls Anlass zum exzessiven Namedropping: Auf der Hitsingle "Ooh wee" duettierten Nate Dogg und Ghostface Killah, des weiteren gaben sich Weezer-Frontmann Rivers Cuomo, The Roots, Sean Paul und Nikka Costa das Mikrofon in die Hand. Was bleibt da noch fürs Zweitwerk? Na klar: Bekannte Künstler singen bekannte Songs anderer bekannter Künstler. Und Mark Ronson gibt den Dompteur, Arrangeur und Multiinstrumentalisten. "Version" setzt konsequent die mit Amy Winehouses "Back to black" begonnene Motown-Modernisierung fort. In den Hauptrollen: ein omnipräsentes Bläser-Trio, aufbrausende Percussion und ein erstaunlich live klingender Studiosound.

Coldplays "God put a smile upon your face" wird zur zwielichtigen Kriminalfilmmusik umgekrempelt, kommt dabei ganz ohne Text aus, und geht elegant in ein von Lily Allen verniedlichtes "Oh my God" über. Wo bei den Kaiser Chiefs die Gitarren hysterisch rotierten, pusten hier Trompete, Tenor- und Baritonsaxofon Seifenblasen ins lauwarme Lüftchen. Dafür interpretiert der australische R'n'B-Sänger Daniel Merriweather - der sich bei einem Gnarls-Barkley-sound-a-like-Wettbewerb große Chancen ausrechnen dürfte - "Stop me if you think you've heard this one before" von den Smiths mehr als ordentlich und kriegt sogar noch die Kurve zu "You keep me hangin' on" von den Supremes. Dennoch ist es vor allem Ronsons cleveres Arrangement, dem jenes "Stop me" seinen Charterfolg zu verdanken hat: ein betörender Soulgroove und ein stürmisches, semi-dramatisch gestimmtes Streichorchester.

Michael Tighe, den man bislang hauptsächlich als Jeff Buckleys letzten Gitarristen kannte, nennt sich ausnahmsweise mal Tiggers und singt inmitten von halluzinierenden Bläsern, säuselnden Background-Grazien und einem posthum dazugesampelten Ol' Dirty Bastard eine herrlich kirre HipHop-Fassung von Britney Spears' "Toxic". Die drei Kurzinstrumentals "Inversion", "Diversion" und "Outversion" wären hingegen nicht nötig gewesen, ebenso die Funk-Störung "Pretty green" - im Original von The Jam, hier von einer verschärften Nelly Furtado namens Santo Gold versemmelt.

Über den Versuch des Phantom-Planet-Sängers Alex Greenwald an Radioheads "Just" soll an dieser Stelle auch lieber geschwiegen werden. Denn es gibt weitaus Erfreulicheres: Maximo Park und Kasabian sind auch in neuer Klangkulisse ein Erlebnis, Nachwuchs-Scharlatan Robbie Williams knöpft sich souverän "The only one I know" vor, und Amy Winehouse interpretiert mit wunderbar swingendem Sixties-Charme "Valerie" von den Zutons. Für dieses Album würde es sich durchaus lohnen, sich zu bücken.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Stop me (feat. Daniel Merriweather)
  • Toxic (feat. Tiggers and Ol' Dirty Bastard)
  • Valerie (feat. Amy Winehouse)

Tracklist

  1. God put a smile upon your face (feat. The Daptone Horns)
  2. Oh my god (feat. Lily Allen)
  3. Stop me (feat. Daniel Merriweather)
  4. Toxic (feat. Tiggers and Ol' Dirty Bastard)
  5. Valerie (feat. Amy Winehouse)
  6. Apply some pressure (feat. Paul Smith)
  7. Inversion
  8. Pretty green (feat. Santo Gold)
  9. Just (feat. Phantom Planet)
  10. Amy (feat. Kenna)
  11. The only one I know (feat. Robbie Williams)
  12. Diversion
  13. LSF (feat. Kasabian)
  14. Outversion

Gesamtspielzeit: 46:38 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
nono
2008-03-28 21:43:01 Uhr
die cd ist der hammer man muss einfach reinhören!
KaMZ
2008-01-14 12:15:19 Uhr
Oh My God mit Lily Allen ist einfach großartig. Da will ich gar nicht das Original hören, so gut ist das. Vor allem auch das lustige Video.
??????
2007-12-01 18:35:56 Uhr
was hat mark ronson denn bitte mit radiohead zusammen erarbeitet?
Dan
2007-11-30 22:14:10 Uhr

Mittlerweile ein angesehener Mann...
...
2007-11-30 21:42:37 Uhr
Mark Ronson arbeitete mit:

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Lily Allen, Amy Winehouse, Sean Paul, Kasabian, Robbie Williams, Kaiser Chiefs, Christina Aguilera, Maroon 5, Britney Spears,Ol' Dirty Bastard,Radiohead, Bob Dylan, Maxïmo Park, Nikka Costa, Ghostface Killah, Nate Dogg, Trife Da God & Saigon, Mary J. Blige, Tweet,

und die Liste berühmter Künstler geht endlos weiter
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Ich finde die songs richtig klasse.Hinter der Single "Stop Me" verbirgt sich der Smiths-Klassiker "Stop Me If You Think You've Heard This One Before". Daniel Merriweather gibt der Nummer mit seiner Stimme einen wunderbar souligen Touch, hält sich aber bei allem Herzschmerz doch so weit zurück, dass die knapp 20 beteiligten Streicher im Hintergrund angemessen zur Geltung kommen.
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