The Broken Family Band - Hello love

The Broken Family Band- Hello love

Track And Field / Rough Trade
VÖ: 13.07.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Herz der Helligkeit

Weniger Violent Femmes, dafür mehr Weezer. Auf diese Formel ließe sich "Hello love", das mittlerweile vierte Album der Broken Family Band, bringen. Schlug das hervorragende "Welcome home, loser" noch eine transatlantische Americana-Luftbrücke, so ging es zuletzt mit "Balls" und geht es nun auch auf "Hello love" ein wenig schroffer zur Sache. Was Sänger Steve Adams bereits zu der augenzwinkernden Vermutung hinriss, dass seine Band stetig auf Brüllcore zusteuern dürfte. Noch ist "Hello love" allerdings ein Powerpop-Tarot-Deck, bei dem L'Amoureux immer wieder kichernd unter dem Tisch weitergereicht werden. Und dem seine Vorbilder bestenfalls den Liebestrank reichen dürfen.

So würden Weezer die zugleich feine und irgendwie profane Ironie, die "Love your man, love your woman" durchzieht, niemals ausarbeiten können, ohne an ihren Grundfesten eine Menge Schaden anzurichten. Auch ein Song wie "Julian" sprüht vor Hingabe und Einsatzfreude, webt die etwas spleenigen Ideen aber tief genug ein, um sie ohne große Auffälligkeiten nach Hause zu schunkeln. "So many lovers" und "Give and take" präsentieren popfolkloristische Duettgesänge inklusive Wimmertrompeten, die sich Violent Femmes wohl niemals (zu)getraut hätten. "Hey captain!" findet hingegen urplötzlich Gefallen an riesigen Soundgemälden, "Don't change" pustet "Every breath you take" in einen stolpernden The-Delgados-Refrain. Und "Leaps" ist ein wahrer Gigant an guter Laune, der zudem noch voranstakst, als wolle er den nächstbesten Wolkenkratzer eng an die Brust knuddeln, um mit ihm im Walzertakt durch die Straßenzüge zu hüpfen.

Obwohl die Broken Family Band nun bei all dem noch nicht einmal ein Schmunzeln erahnen lässt, ist selbst in den trübsten Momenten ihrer Musik stets eine durchgreifende Leichtigkeit zugegen. Das macht "Hello love" zu einer modernen Don Quijoterie, die ihr ewig scheiterndes Kämpfertum mit einem Schulterzucken abgleicht. So einigt sich eine der vielen starken Zeilen von Adams auch auf folgenden Tretmühlenbefund: "I hate these songs / They're just love reduced to couplets / As if the verses sum up love / Like love needs a chorus to make it real."

Trotzdem geht es auf "Hello love" nicht etwa um das Herausarbeiten einer Liebesessenz, die ansonsten in so mancher musikalischen Verballhornung nur deformiert vorhanden wäre. Vielmehr baut das Album akribisch Windmühlen auseinander, betrachtet sich jedes Schräubchen ganz genau, trällert dazu ein Lied und hat beim Zusammenbau doch immer wieder die Lacher auf seiner Seite. Spätestens "Seven sisters" macht das mehr als deutlich, wenn aus einer typischen Abschlussballadeske ein überkandidelter Indierock-Krächzer hervorbricht, bevor sich das Album mit zweideutigen Schmatzgeräuschen verabschiedet. Wer hätte das gedacht: Liebe kann mehr sein als Musik gewordene Kummerkästen oder Lobpreisungen. Sie kann eine Menge Spaß machen. Wenn das mal nicht mindestens die Erkenntnis des Jahrtausends ist.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Leaps
  • Julian
  • Hey captain!

Tracklist

  1. Leaps
  2. Love your man, love your woman
  3. So many lovers
  4. Julian
  5. Don't change your mind
  6. Dancing on the 4th floor
  7. You get me
  8. Hey captain!
  9. Give and take
  10. Little justice
  11. Seven sisters

Gesamtspielzeit: 48:33 min.