Chemical Brothers - We are the night

Chemical Brothers- We are the night

Virgin / EMI
VÖ: 29.06.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das eigene Loch

Selten war ein Album unmissverständlicher betitelt. Der Titel, den sich die Chemical Brothers da zurecht gelegt haben, klärt von vorneherein sämtliche Verhältnisse und lässt keinen Spielraum für Interpretationen."We are the night". Man lasse das mal besser so stehen. Das nun sechste Album des britischen Duos hat dabei keine leichte Aufgabe; man nehme den beiden die fehlende Scham also bitte nicht übel. Zum einen wäre da die nicht ganz simple Aufgabe an die Nr.-1-Platzierungen der vier vorangehenden Alben im UK heranzukommen und vor allem all diejenigen, die durch "Push the button" mit seinem Riesenhit "Galvanize" auf die Chemical Brothers gestoßen sind, endgültig an sich zu binden. Dazu bedarf es vor allem zweier Zutaten: zum einen Hits und zum anderen Mixtauglichkeit. Mit anderen Worten heißt das, möglichst DJ-freundliche Tracks hinzubekommen. Nun, diese Aufgabe ist ohne weiteres geglückt, fallen doch sämtliche Tracks auf "We are the night" alles andere als zugekleistert und hochkomplex aus. Ganz im Gegenteil: Jeder Track für sich ist noch unbestreitbar Chemical Brothers, allerdings haben sämtliche der zwölf Nummern mit dem Big Beat von einst nichts mehr zu tun.

Exemplarisch hierfür wäre die zukünftige Single "All rights reversed", die die Klaxons im als Feature droppt und gleichzeitig auch genauso modischen Brit-Sound darstellt wie die Klaxons selbst. Dass die Nummer jedoch ein wenig schwach auf der Brust ausfällt, ist nicht ganz ungewollt, denn wie bereits erwähnt sind die Zeiten der ohrenbetäubenden Bässe vorbei. Der Pop hält unter allen möglichen neuen Namen, Tarnungen und Masken Einzug in die Tanzhallen der Clubs beider Hemisphären, auch "We are the night" wird ähnlich wie sein Vorgänger in hohem Maße an dieser immer deutlicher werdenden Entwicklung beteiligt sein. Daran können auch Langweiler wie "Do it again" nichts ändern. Da kann auch die unglaubliche Ähnlichkeit zum letzten Output von niemand anderem als Justin Timberlake/Timbaland nicht das Geringste ändern. Ebenso wundern muss man sich über "Das Spiegel", jedoch sind die Gründe hier andere. Was der Name ja schon in etwa andeutet, schlägt sich auch im Sound nieder. Im vielleicht besten Track des Albums huldigt das Duo nicht nur unüberhörbar alten deutschen Einflüssen, sondern schmeißt auch noch jede Menge Gummibärchen und anderen Süßkram in den Krautsalat, so dass am Ende etwas jenseits von Genrezugehörigkeit und Schubladenwerk entsteht: Chemical-Brothers-Sound.

Ja, "We are the night" tritt wie alle Alben zuvor definitiv den Beweis an. Die beiden Briten gehören ohne Frage zur internationalen Elite in der Elektromusik und ziehen dadurch auch die schicken Gäste. "Push the button", welches sich neben Kele Okereke auch noch Q-Tip, Tim Burgess von den Charlatans und die gesamten Magic Numbers aud die Schultern hievte, hat gegenüber "We are the night" mit Midlake (sic!) und den bereits genannten Klaxons die Nase zwar vorne, jedoch tut das dem neuen Output keinen Abbruch. Was man vielleicht erst nach mehreren Durchläufen raushört, sind vor allem gegen Endes des Albums die vielen Zitate und Hommagen, die überall zwischen all den Beats, Hi-Hats und Sequenzern versteckt sind. Vor allem den Achtzigern wird ausgiebig gehuldigt. So ist der Titel also gemeint: ein Potpourri aus 27 Jahren Spätunterhaltung. Das ist mal eine gute Nacht.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • Das Spiegel
  • The pills won't help you know (feat. Midlake)

Tracklist

  1. No path to follow
  2. We are the night
  3. All rights reversed (feat. Klaxons)
  4. Saturate
  5. Do it again (feat. Ali Love)
  6. Das Spiegel
  7. The salmon dance (feat. Fatlip)
  8. Burst generator
  9. A modern midnight conversation
  10. Battle scars (feat. Willy Mason)
  11. Harpoons
  12. The pills won't help you know (feat. Midlake)

Gesamtspielzeit: 59:50 min.

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