Maria Mena - Apparently unaffected

Maria Mena- Apparently unaffected

Sony BMG
VÖ: 20.04.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Weiße Magie

Sie kann schon Nerven kosten, die Veröffentlichungspolitik einiger Plattenfirmen. Globalisierung? Gibt's fast überall. Virentourismus, der Sack Reis in China oder der Flügelschlag am Amazonas? Mag sein. Aber auf dem Musikmarkt fehlt jene Globalisierung immer genau dann, wenn man sie mal brauchen könnte. Wie bei Maria Mena. Die 21jährige veröffentlichte "Apparently unaffected" bereits 2005 in ihrer norwegischen Heimat als ihr drittes Top-Ten-Album, ließ Resteuropa aber außen vor. Dafür erhielten die USA 2004 mit "White turns blue" einen Sammelband, der weltexklusiv aus Menas ersten beiden Alben geklackermatscht wurde. So hat man es also, global gedacht, bei "Apparently unaffected" mit dem steinalten Nachfolger eines Albums zu tun, das es eigentlich nie gegeben hat. Und von der Geschichte wahrscheinlich schon bald wieder überholt werden wird.

Genau diese Verwirrung passt andererseits aber schon wieder recht gut zur Musik auf "Apparently unaffected", die einen leicht schizophrenen Tanz auf dem Drahtseil des Formatradios vollführt, bei dem so mancher Song nur durch einen kleinen Kniff am Abschmieren gehindert wird. Und einen deshalb immer wieder rätseln lässt, warum man nach zwischenzeitlichem Sekundenschlaf oftmals in einem um ein paar entscheidende Nuancen anderen und dadurch viel, viel besseren Song aufwacht.

So tut "Nevermind me" zunächst wie eine selten okaye Heather-Nova-Blaupause, reizt dann aber seine Klaviermelodie derart locker aus, dass man beschämt auf diesen ersten Eindruck runterguckt. "Miss you love" reichen einige dahingebrockte Twin-Peaks-Gitarrentakte, um einen recht durchschnittlichen Tränendrücker doch noch ganz nach oben zu fahren. Und auch "Boytoy baby" ist nur so lange etwas albern, bis die Streicherfiguren an genau die Phase von Siouxsie And The Banshees erinnern, in der sie sich im Sushi-Dauerrausch aus orientalischen Kammerorchestern so manches Pop-Kleinod zurecht delirierten. Ebenso ergeht es dem Funk von "These shoes", dessen Beliebigkeit sich zu einem Refrain öffnet, der kurz und knackig seine Strophe überholt. "Long time coming" steigert sich hingegen behutsam in einen psychotischen Sirengesang und "Internal dialogue" düstert beharrlich vor sich hin, um in einer Mogwai-Gitarrenfigur zu versinken. Und dann war da ja noch der Airplay-Megahit "Just hold me" mit seinem Freeclimbing-Refrain.

Wenn schließlich "Calm under the waves" derart Rotz und Wasser heult, als hätte Mena sich bereits gestern vorgenommen, morgen alle Hoffnung fahren zu lassen, ist dies ein weiterer Beleg für die etwas krumme Emotionalität, die "Apparently unaffected" an das Heute legt. Denn all diese Drehungen haben in der Tat den Effekt, dass man auch die sie umlauernden Parts mit anderen Ohren kennen lernt. So hat Mena ihr Drahtseil zwar immer noch in gefälschtem 3D auf der Hauptverkehrsstraße aufgemalt. Doch ihr Tanz ist deshalb nicht weniger anmutig. Wie auch "Apparently unaffected" zwar keine wirkliche Artistik, dafür aber ein gelungenerer Zaubertrick ist. Ein akustisches Blendwerk also, von dem man sich aber gerne zum Narren halten lässt.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Miss you love
  • Long time coming
  • Calm under the waves

Tracklist

  1. Internal dialogue
  2. This bottle of wine
  3. Miss you love
  4. Boytoy baby
  5. If you'll stay in my past (part I)
  6. He's hurting me
  7. Just hold me
  8. Long time coming
  9. If you'll stay in my past (part II)
  10. Nevermind me
  11. These shoes
  12. Our battles
  13. Calm under the waves
  14. If you'll stay in my past (part III)

Gesamtspielzeit: 37:19 min.

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