Larrikin Love - The freedom spark

Larrikin Love- The freedom spark

Infectious / Inkubator / Soulfood
VÖ: 25.05.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Im blauen Auge des Hurrikans

Wie oft schon wurde sie verflucht? Wie oft haben Fans hierzulande monatelang in die Röhre gekuckt und zähneknirschend Import-Zuschläge berappt, während andernorts die gleichen berauschenden Scheiben bereits offiziell die Massen verzückten? Schleppende Veröffentlichungspolitik ist immer wieder Anlass für enttäuschten Groll von Musikliebhabern. Und einmal mehr hat sie eine seltsame Blüte getrieben: Während Larrikin Love ihr hochoriginelles Debüt in England schon September vergangenen Jahres in die Regale der Plattenläden brachten, gibt es das gute Teil bei uns erst fast ein Dreivierteljahr später. Und ist damit eine posthume Veröffentlichung geworden, denn das quirlige Quartett aus Twickenham hat sich drei Wochen vorher aufgelöst. Doppelt schade. Denn erfrischender als ihre Indierock-Wundertüte "The freedom spark" rumpelten nur wenige Alben der letzten Zeit von der Insel.

Kaum mehr als eine halbe Stunde dauert das Einfallsfeuerwerk der verrückten Vier, die sich mal als verwegene Bohèmes, dann wieder als waldbewohnende Hobbits ohne Fußbehaarung inszeniert haben. Und darin passiert eine Menge Spannendes. Mit Schmiss, Charme und Witz schnappen sie sich Schwung und Rotz der Libertines, klatschen ihn wie einen Froschkönig gegen die Wand und tunken ihn in der Folge in andere musikalische Farbtöpfe wie Punk, Ska, Rockabilly, Polka, Bluegrass, Calypso, osteuropäische Folklore oder Reggae. Mitten in ihr brodelndes, vorwärts preschendes Groovegebräu mischen sich in munterem Wechsel Mandolinen, Ukulelen und Trompeten, und Rob Skipper von den Holloways fiedelt sich dazu auf seiner Geige die Seele aus dem Leib. Klingt anstrengend, wirr und allzu bunt gewürfelt? Ist es indes mitnichten. Larrikin Love haben einen Vogel, ja. Aber einen enorm sympathischen. Und "The freedom spark" macht vor allem eine Menge Spaß.

Ihre überschäumender Spielfreude wird selbst manche fußlahme Trantüte aus der Selbstversunkenheit reißen. Die Melodien besaufen sich an ihrer eigenen Euphorie und schnurren, selbst wenn das Album längst verklungen ist, noch immer wieder vergnügt durchs Innenohr. Und auch die verschrobene Poesie von Edward Larrikin macht die Scheibe zu einem skurrilen Vergnügen. In "Happy as Annie" berichtet er zu quietschvergnügten Bluegrass-Ska-Punk-Rhythmen zynisch über den bitteren Fund einer Mädchenleiche im Wald. In "Six queens" erzählt er von seinen heimlichen Sehnsüchten, in Frauenkörper zu schlüpfen und das Covergirl eines Hochglanzmagazins zu werden, mit Mascara in der Blutbahn, kirschroten Lippen und Geheimnissen, dezent in den Fishnet-Strumpfhosen versteckt. In "Downing Street kindling" wird mancher englischen Selbstverliebtheit die ironische Fratze im Spiegel gezeigt. Während Tony Blair sein Fett wegbekommt, wird die Heimat zur Hölle stilisiert und allen aktuellen Hypes die gelb-rote Karte gezeigt: "England has nothing more to offer me / Everything that I adore came well before 1984."

Glutbefeuert preschen Larrikin Love von Song zu Song und reihen gerade in der ersten Hälfte der Scheibe Hit an Hit. Neben unzähligen spinnerten Ideen und mitreißenden Songs haben sie für "Well, love does furnish a life" mit Jamie T und Lauren Doss (Mechanical Bride) zudem zwei hochkarätige Gäste für den Background-Gesang gewinnen können. Dass in der zweiten Hälfte des Albums die Schlagzahl ein klein wenig heruntergefahren wird und die Songs das brodelnde Hitgewitter des Anfangs nicht bis ans Ende fortführen können, stört keinen großen Geist. Denn auch hier finden sich immer noch jede Menge kruder Einfälle, cleverer Wendungen und versponnener Arrangements. England hat zweifelsohne nach wie vor eine Menge zu bieten, gerade musikalisch. Schade, dass Larrikin Love inzwischen nicht mehr dazu gehören. Tröstlich bei allem, dass "The freedom spark" es doch noch in hiesige Plattenregale geschafft hat. Besser spät als nie.

(Ole Cordsen)

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Highlights

  • Six queens
  • Edwould
  • Downing street kindling
  • Happy as Annie

Tracklist

  1. The spark
  2. Six queens
  3. Edwould
  4. Downing street kindling
  5. Happy as Annie
  6. Meet me by the getaway car
  7. At the feet of Ré
  8. Well, love does furnish a life
  9. On Sussex downs
  10. Burning coast

Gesamtspielzeit: 33:47 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Pusher
2011-05-24 12:47:59 Uhr
Ist auch 'ne super Platte. Schade, dass die so in Vergessenheit geraten ist...
..,-
2011-05-24 12:37:07 Uhr
gefällt!
Pusher
2011-05-24 10:59:06 Uhr
*push*
Ken
2007-06-18 00:29:48 Uhr
Ich hätte der Platte einen Punkt mehr gegönnt, aber die Besprechung ist wirklich gelungen. Kompliment.
Florian
2007-05-22 20:36:13 Uhr
Auf der offiziellen HP wurde es wohl schon am 4.5. bekanntgegeben:

Larrikin Love have announced today that they have split up. The band would like to thank all their fans for their support and love over the last two years and assure them that all is amicable between the four members.
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