Kelly Clarkson - My december

Kelly Clarkson- My december

RCA / Sony BMG
VÖ: 22.06.2007

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Die Wühlmaus

Amerika. Ein Land. Einige Möglichkeiten. Was zum Beispiel die Lebensgeschichte einer gewissen Kelly Clarkson aus Texas zeigt. Die zwischen Tellerwaschen und Platzanweisen eine Karriere als Sängerin auf der Straße liegen fand. Wie auch immer die offizielle Version des märchenhaften Aufstiegs der Chartstürmerin lauten mag: Bei "American Idol", der amerikanischen Ausgabe von "Deutschland sucht den Superstar", versenkte die energetische Brünette mit Charisma, Talent und großem Willen alles, was bei drei den Mund aufmachte. Mittlerweile beißt sie sich seit fünf Jahren erfolgreich im internationalen Musikgeschäft fest. Das reicht zur Irritation.

Zumindest in den Augen der deutschen Weltanschauung. Überfliegt man kurz die glorreichen Gewinner der deutschen Staffeln, wird einem Angst und Bange. Alex und Elli. Tobias und Mark. Kraut und Rüben. Schwach und Matikus. Selbstverständlich musste es das amerikanische Format sein, das der deutschen Version den Garaus macht und Lügen straft. Die Qualität statt Idiotie aus dieser Steilvorlage formt. Und das ist gut so. Oder will sich jemand Dieter Bohlen als Popveteran des gelobten Abendlandes vorstellen? Das kleinere Übel jedenfalls veröffentlicht nun sein drittes Album. Grund genug, genauer hinzuhören.

"My december" ist selbstredend nicht der Auslöser der großen Heiterkeit. Und auch kein besonders geschmackvoller Tonträger für den Weißwein zum Dessert. Vielmehr intoniert Clarkson die ihr von Jimmy Messer auf den Leib geschriebenen Rocksongs, die mal balladesk im Pathos wühlen und mal plastisch die Power-Akkorde durch den Wolf drehen. Das Schlagzeug hört sich an wie nichts Gutes, und besonders die Arrangements schmecken eher nach Schwefel als Schwarzpulver. Doch ist da noch dieses winzige Fünkchen Gelassenheit.

Und das hält die Laune auf Trab. Denn die Stimme von Clarkson, die sich locker durch vier Oktaven wälzt, macht beim Zuhören solch einen Spaß, dass man das Drumherum fast vergessen könnte. Mal schreit sie, mal wimmert sie. Mal fleht sie, mal stürzt sie. Es scheint, als wäre diese Platte für die stimmlich gesegnete Clarkson ein Spaziergang. Als wüsste sie nicht, dass die halbe Menschheit in der nahen Zukunft ihre Stimme in- und auswendig charakterisieren könnte. Dass ein jeder Radiobesitzer den Namen "Kelly Clarkson" im Schlaf schmerzvoll hervordrückt. Das ist nämlich dann doch ein wenig zu viel des Guten.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Be still
  • Irvine

Tracklist

  1. Never again
  2. One minute
  3. Hole
  4. Don't waste your time
  5. Judas
  6. Haunted
  7. Be still
  8. Maybe
  9. How I feel
  10. Yeah
  11. Can I have a kiss
  12. Irvine

Gesamtspielzeit: 38.33 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Leatherface
2007-06-17 21:18:54 Uhr
Hmm...Ich hab mal wieder ne andere tracklist als in der rezension. der mit abstand beste song sober scheint auf dem rezensionexemeplar gar nicht drauf zu sein. der pusht die platte gleich nochmal hoch auf die 5/10.
Armin
2007-06-13 20:56:42 Uhr
Hallo zusammen,
eine vollkommen verwandelte Kelly Clarkson wagt diesen Sommer den Schritt, ein Album mit dem so ganz jenseits der Jahreszeit angesiedeltenTitel "My December" zu veröffentlichen und kehrt damit erstmals ihre rockige Seite nach außen. Die neue Kelly zeigt sich authentisch wie nie zuvor und scheut sich nicht, emotionale, persönliche Details von sich preiszugeben. Ihre erste Single "Never Again" erklomm bereits Platz 19 der Singlecharts.

Kelly Clarksons Debütalbum "Breakaway" peakte in Deutschland auf Platz 4 der Media Control Charts, enthielt mit "Since U Been Gone" und "Because Of You" gleich zwei Top 10 Singles und erreichte Platinstatus. Weltweit verkaufte sich das Album mehr als elf Millionen mal. Mit "My December" beweist das US-amerikanische Energiebündel allen Musikfans da draußen , dass sie ihre komplette musikalische Bandbreite noch lange nicht gezeigt hat. Kelly Clarkson weiß genau, was sie will, hat sich als gesangliches Ausnahmetalent inzwischen etabliert und bestimmt heute zielsicher selbst, wo die musikalische Reise hin geht:
"Ich habe gelernt, dass wir genau das machen sollten, was uns glücklich macht und unsere Geschichten erzählen, ohne ständig darüber nachzudenken, ob wir nun auf Platz eins sind und Millionen von Platten verkaufen."
Jeder der vierzehn neuen Songs wurde von Kelly entweder geschrieben oder zumindest mitverfasst - so wie es die 25-jährige bereits bei früheren Liedern wie z.B. "Because of You", "Behind These Hazel Eyes" und "Walk Away" mit großem Erfolg getan hatte. Bei drei Songs des Albums war zudem Punkrock-Legende Mike Watt (Iggy And The Stooges, Minuteman) mit von der Partie.

Egal, ob fröhliche oder traurige Songs "das Album ist insgesamt ziemlich auf-die-Zwölf", erklärt Kelly angesichts der Rock’n’Roll-Brechstange, die sie u.a. bei der ersten Single "Never Again" und dem Albumtrack "Hole" auspackt. Für sie ist "My December" sowohl Abschluss einer Ära als auch Beginn einer neuen. Und diese neue Zeitrechnung wird mit dem unüberhörbar emotionalen "Never Again" eingeläutet, das die Geschichte einer Beziehung erzählt, die vor die Hunde geht. Weiteres Highlight ist u.a. der Song "Sober" - ein Titel über das Überleben und das Überwinden einer Sucht, wenn auch die Versuchung noch so groß ist. Als "Hidden Bonus Track" enthält "My December" das bluesig-näselnde "Chivas", mit dem Kelly Erinnerungen an den Janis-Joplin-Klassiker "Mercedes Benz" weckt - ein frivoler Trinksong mit humorvollem Unterton:
"Ich wollte, dass das Album mit einem positiven Gefühl endet. Es gibt sicherlich Momente, in denen man denkt, dass man nie und nimmer drüber hinweg kommt, aber man schafft es doch immer wieder. Wir brauchen ganz einfach diese Art von Sarkasmus."

"My December", das von David Kahne (Bangles, Sublime, Paul McCartney, The Strokes u.a.) zusammen mit ihren Tourband-Mitgliedern Jimmy Messer und Jason Halbert produziert wurde,
ist das musikalische Tagebuch der vergangenen zwei Jahre im Leben von Kelly Clarkson, in dessen Verlauf sie u.a. zwei Preise bei der Grammy-Verleihung im Staples Center in Los Angeles überreicht bekam, außerdem vier "American Music Awards", drei "MTV Video Music Awards", einen "People’s Choice Award" und unglaubliche elf "Billboard Music Awards" abräumte.
"My December" ist ein Wendepunkt in Kelly Clarksons Karriere, ein drittes Album, das sich sämtlichen Erwartungen entzieht und eine Künstlerin zeigt, die zu sich selbst findet und dabei ihren ganz eigenen, kraftvollen Gesangsstil weiterentwickelt.


Ab dem 22.06. im Handel
Kai-Ollie
2007-06-12 12:58:22 Uhr
Und ich dachte, ich müsste mich mit der Peinlichkeit, Kelly Clarkson zu mögen, verstecken. Tja. Zum Glück ist das dann aber doch nicht allein mein Problem.
zote
2007-06-11 22:11:47 Uhr
Was mich angeht, die Sängerin mit den meisten peinlichen Lieblingssongs.Ja, mir haben die Singles gut gefallen.Andere Songs von ihr kenne ich aber auch nicht.Vor allem dieses "Since you been gone" konnte ich dann doch immer nicht weg schalten.
tja,
2007-06-11 22:02:51 Uhr
und das ist alleine dein problem, kai-ollie.
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