Fridge - The sun

Fridge- The sun

Domino / Rough Trade
VÖ: 08.06.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

So happy together

Als die alteingesessene Chicagoer Combo The Sea And Cake vor wenigen Wochen und nach vier Jahren Pause ihr neuestes Album "Everybody" auf dem Markt platzierte, war das mehr als überraschend. Wieso denn bitte zurückkehren, wenn es auf Solopfaden erheblich besser läuft? Archer Prewitt und Sam Prekop, Hauptprotagonisten der Experimentenstreichler aus der Windy City, wissen wohl am besten, was gemeint ist. Das gleiche Spiel in ähnlichen Gefilden wurde nun im feinen Londoner Stadtteil Putney gespielt. Dort fanden sich nach sechs Jahren Pause die Musiker Kieran Hebden, Adem Ilhan und Sam Jeffers ein, um mit "The sun" das fünfte vollwertige Album der Postrock-Truppe Fridge auf Platte zu bannen.

Die "Oho"-Rufe werden wohl noch lauter erschallen als im 5.000 Meilen entfernten Chicago, denn wer dreist ist, könnte behaupten, der neu gefundene Zusammenschluss sei vergebene Liebesmüh und nostalgiebegründetes Aufbäumen. Sowohl Kieran Hebden, der sich mit free-jazzigen Soloprojekten, gelungenen Produzententätigkeiten und seinem elektro-akustischen Lieblingsbaby Four Tet gleich mehrere eigene Baustellen erarbeitet hat, als auch Adem Ihan, der mit "Homesongs" zum Schlafzimmer-Folker mutiert ist, haben neue Wege betreten, sich weiterentwickelt - und das mitunter erfolgreich. Inspiriert von den vielen Fühlern in fachfremden Bereichen ist den Engländern (die übrigens 1999 die Tourband für Badly Drawn Boy mimten) mit "The sun" eine spannende Reduktion gelungen. Dominierten auf dem vorletzten Album "The happiness" anno 2001 in die Länge gezogene Ambientflächen mit elektronischen Verfremdungen das einschlägige Bild, ist die Gegenwart gespickt mit prägnanter Elektroakustik, freien Jazz-Experimenten und einem desillusionierten, folkloristischen Grundbau.

Die Drums schneiden sich ins Fleisch, spielen ihren Rhythmus in Rausch und Entrücktheit. Eine Flöte und ein Glockenspiel suggerieren Harmonie. Percussion und elektronisches Feedback zerschreddern den Hintergrund, bahnen sich gedankenverloren mit extremer Hingabe ihren Weg zur Schlüsselfigur. Der Titelsong lebt durch die Momentaufnahme und mangelnde Arrangements. Keine Verfälschung, keine Nachbearbeitung. Eine kunstvolle Installation in minutiöser Trance bebt im Hier und Jetzt. Die effektarme Destruktion überträgt sich ohne Mittelsmann. Ohne Übergang landet man im Freejazz. "Clocks" verliert sich in minimalistischer Erleuchtung, stärkt sich an ihrer Strukturfreiheit und verfällt in raumfüllenden Postrock. Akustisch verzückende Rückkopplungen, die in der Folge zur Melodie finden, bestimmen "Our place is this". "Eyelide" flammt höllisch auf, "Comets" zerstört den Fluss in Unterkühlung, "Oram" hypnotisiert bedächtig. "The sun" ist keine Rückkehr, die auf Nachhaltigkeit abzielt. Ein avantgardistisches Projekt von kurzer Dauer, belebt durch uneingeschränkte Libertät und direkte Emotionalität. Weg von den festgefahrenen Strukturen eines immer mehr zu Standards und Manierismen versackenden Genres. Fridge haben sich neu erfunden, ohne sich zu erfinden.

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • The sun
  • Clocks
  • Oram

Tracklist

  1. The sun
  2. Clocks
  3. Our place is this
  4. Drums of life
  5. Eyelide
  6. Oram
  7. Comets
  8. Insects
  9. Lost time
  10. Years and years and years...

Gesamtspielzeit: 47:10 min.

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