Tiger Army - Music from regions beyond

Tiger Army- Music from regions beyond

Hellcat / SPV
VÖ: 01.06.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Frontnaturen

Internationale Polit-Eliten werden in ein kleines Kaff irgendwo in Ostdeutschland verfrachtet. Abgeschottet von der Außenwelt, welche von ihnen regiert wird, schmieden sie Pläne, und geben der Menschheit eine neue Richtung, ob sie es will oder nicht. Einige (nicht so) wenige werden sich die Kapuzen über den Kopf streifen und mit erhobenen Fäusten am Zaun der Macht rütteln. Dass die Veröffentlichung von "Music from regions beyond" nahezu zeitgleich mit dem G8-Gipfel in Heiligendamm stattfindet, ist vielleicht kein Zufall. Das vierte Album und gleichzeitig das erste, welches nicht von eigener Hand aufgenommen wurde, zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass es vermutlich bislang den besten Output im Gesamtwerk der Kalifornier darstellt, es ist auch ihr konsequentestes Nicht-Psychobilly-Album.

Dies mag Jerry Finn zu verdanken sein, der zuvor bereits illustren Größen wie AFI, Rancid und gar dem Mozzer höchstpersönlich (welcher Tiger Army in den Staaten in sein Vorprogramm einlud) seine fachgerechten Producer-Dienste zu Verfügung gestellt hat. Dabei sind dann großartige und nicht ganz so fest im traditionellen Rockabilly verankerte Gemeinheiten wie "Ghosts of memory" oder das mit Davey Havok (AFI) aufgenommene "Afterworld" entstanden, welches auch gleich prima den Titeltrack aller G8-Gegner '07 darstellen könnte. Keine Frage, "Music from regions beyond" macht wenige Kompromisse und Zugeständnisse, was schnell ins Ohr geht, kann auch leicht eine Platzwunde hinterlassen, die dann mit mehreren Stichen genäht werden muss. Was Tiger Army bislang ausgezeichnet hat, war das Vermögen, die hohen Livequalitäten auch auf ihre Alben transportieren zu können. Auch auf dem neuen Album ist dies zweifelsohne geglückt.

Auf keinem der Vorgänger hatte man derart das Gefühl, sämtliche Songs seien live eingespielt worden. Ein weiteres Indiz dafür, dass die Entscheidung, sich einen Producer zu leisten, eine gute war. "As the cold rain falls" weiß mit einem völlig neuen Sound zu überraschen, Joy Divisions und The Cure stehen Pate für Tiger Armys ersten New-Wave-Song, und zur Verblüffung aller funktioniert dieser Track einwandfrei. Das mag vermutlich putzig aussehen, wenn der ganzkörpertättowierte Sänger Nick 13 auf der Bühne in vollster Psychobilly-Montur den Robert Smith mimt, dürfte der Show aber keineswegs abträglich sein.

Darauf folgt "Hechizo de amor", eine spanische Ballade, die irgendwo zwischen Gypsy Kings und Tarantino einen Sitz reserviert und "Music from regions beyond" endgültig zu einer Überraschung macht. Der Albumtitel kann demnach ernster genommen werden, als das sonst oft der Fall ist. Keine Frage, Tiger Army haben ein weiteres Mal über viele fremde Tellerränder geschielt. Dass die Helden von Social Distortion mal wieder bei einem Drittel aller Songs Pate standen - geschenkt! Denn wenn Tiger Army schon keine Wände einreißen können: Für einen Zaun reicht es allemal.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • Afterworld
  • Ghosts of memory

Tracklist

  1. Prelude: Signal return
  2. Hotprowl
  3. Afterworld
  4. Forever fades away
  5. Ghosts of memory
  6. LunaTone
  7. Pain
  8. As the cold rain falls
  9. Hechizo de amor
  10. Spring forward
  11. Where the moss slowly grows

Gesamtspielzeit: 36:55 min.

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  • Tiger Army (39 Beiträge / Letzter am 13.06.2017 - 06:46 Uhr)

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