Scorpions - Humanity - hour 1

Scorpions- Humanity - hour 1

Sony BMG
VÖ: 25.05.2007

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Fünf nach zwölf

Mutig sind die Scorpions ja. Da werden die Herrschaften nicht nur, aber auch für das letzte Album "Unbreakable" in Grund und Boden gehämmert. Kollege Gerhardt rückt unter Schmerzen nur deshalb 1/10 heraus, weil Negativ-Wertungen nicht zugelassen sind. Und dann treten die Hannoveraner 2006 in der Höhle des Löwen auf. Nämlich in Wacken. In Wacken! Doch was passiert? Die Band wird nicht etwa im Hagel sämtlicher Kuhfladen der holsteinischen Provinz von der Bühne geprügelt, sondern nagelt mit alten Bandkollegen wie Uli Jon Roth und Michael Schenker einen Set auf die Bretter, dass der Matsch der Konzertwiese massenweise durch heruntergefallene Unterkiefer garniert wird.

Okay, Strohfeuer, Aufbäumen, mag man da denken. Tatsächlich fliegt die CD nach wenigen Sekunden wieder aus dem Player. Diesmal aber mitnichten als stummer Protest der Lese-Einheit, sondern weil der Rezensent kopfschüttelnd auf die "Eject"-Taste gehämmert hat. Haben doch die Label-Pappnasen die falsche Promo geschickt. Denn wieso braten hier heruntergestimmte Gitarren? Ähm, nee. Da steht tatsächlich "Scorpions" auf dem Label. Doch aus den Lautsprechern dröhnt Rock. R.O.C.K! "Additional guitars by John 5", verrät das Booklet. Tatsächlich der Marilyn-Manson-Klampfer. Hat wohl beim Chef noch nicht genug Horror, hahaha. Die Lästerei soll allerdings schnell ein Ende haben, denn "Hour 1" ist in der Tat ein deftiges Pfund Rock geworden und hat in etwa so viel Schmackes wie die letzten drei Alben zusammen. Schon mal lecker!

Oder nehmen wir mal "The game of life". Einen derartigen Ohrwurm hat es bei den Scorpions seit "Crazy world" nicht mehr gegeben. Maximal 30 Sekunden, und der Hardrock-Freund summt anerkennend mit. Und bei "321" muss wieder einmal das Booklet herhalten. Diesmal, um sich zu überzeugen, dass hier tatsächlich Rudolf Schenker und Matthias Jabs alleine fröhlich donnernde Riffs produzieren. Dazwischen allerdings jede Menge Songs, die eher zwiespältig zu beurteilen sind. Um eines vorab klarzustellen: Jeder einzelne verdammte Song ist besser als alles, was von den Scorpions an unsäglichem Müll in den letzten 15 Jahren auf den Markt geschleudert wurde. Doch allzuoft tänzeln die Herren - und das liegt nicht zuletzt an Desmond "Ich mische mich in alles ein" Child - auf einem zu schmalen Grat. Denn je nach Laune sind Songs wie "The future never dies" oder "We will rise again" oder das selten dämlich betitelte "You're lovin' me to death" mal cheesy, mal catchy. In der Summe aber leider doch ein bisschen zu Käse.

Am Ende sind es das schmissige "Humanity" oder "The cross", denen noch einmal das Etikett "überzeugend" angeheftet werden darf. Sollte jemand der Meinung sein, dass sich der Gesang bei "The cross" mächtig nach Billy Corgan anhört, dann könnte das daran liegen, dass es sich tatsächlich um Corgan handelt. Alleine die Tatsache, dass solche Kaliber an Gastmusikern auf "Humanity - hour 1" präsent sind, zeigt, dass die Scorpions irgendwie doch noch da sind. Auch wenn der Anteil an Füllmaterial höher ist als üblicherweise toleriert, ist dieses Album mal eben das einsame Highlight der letzten 15 Jahre Bandgeschichte. Sagen wir's mit Einstein: Alles ist relativ.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • The game of life
  • 321
  • The cross

Tracklist

  1. Hour 1
  2. The game of life
  3. We were born to fly
  4. The future never dies
  5. You're lovin' me to death
  6. 321
  7. Love will keep us alive
  8. We will rise again
  9. Your last song
  10. Love is war
  11. The cross
  12. Humanity

Gesamtspielzeit: 49:00 min.

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