Lavender Diamond - Imagine our love

Lavender Diamond- Imagine our love

Rough Trade / Sanctuary / Rough Trade
VÖ: 01.06.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Blauauge

"What a world we’re living in together, you and me – and all of us – we’d like to ask you all to please come with us, come together, to imagine our new world." Huch, ist es denn zu fassen? Diese Begrüßung trieft und schreit ja lauthals nach verzichtbarem Friede, Freude, Eierkuchen. War man doch bei der Überzeugung angelangt, dass die blühenden und vernebelten Ansichten der Spät-Sechziger so langsam ausgestorben sind, tragen sie nun wieder ihre bonbonbunten Früchte im Popbusiness. Das reich verzierte und phantasievoll illustrierte Booklet von "Imagine our love", erstes Album von Lavender Diamond (nach zwei Demosammlungen), hält noch mehr von diesen naiven Hippie-Keimlingen bereit, die Kapitalismus und Individualismus für den Moment der Tonträgerkontrolle den Schneid abkaufen. "We are creating this togehter in love." Nun gut, analytische Sauertopfmiene ist jetzt mal passé, Herz offen, Kopf zu - fangen wir an, lieber, lieber Leser und stürzen uns gemeinsam auf "Imagine our love".

Bevor nun aber der Raum von bunten Blumenkränzen und Ringeltänzen im Kreis erfüllt ist, muss dem behaarlichen Gemeinschaftssinn Einhalt geboten werden. "When will I love again?" ist die erste Frage, die Frontfrau Becky Stark mit ihrer ausdrucksstarken Stimme in "Oh no" stellt. Optimistisch klingt anders. Flehentlich wiederholt sie ihre Unsicherheit. Die drei Mannen an akustischer Gitarre, Percussions und raumgreifendem Piano treten dynamisch und zielstrebend der klagenden Ausweglosigkeit entgegen. Bebärtete 60ties-Schöngeister auf psychedelischen Drogen hört man nicht. Neuzeitliche Schwermut gibt den Ton an, mit einem Bündel an Hoffnung. Ohne Ermüdungserscheinungen und Verschlossenheit.

"The garden rose" sinkt noch eine Stufe tiefer, verhüllt sich mit schwarzgefärbten Schleiern und ergibt sich hypnotischer Langsamkeit. "I'll never sing a love song, for a love that isn't true." Die formidablen Low könnten hier am Werk sein, wäre alles nicht so lieblich und so hymnenhaft, so hell erleuchtet von Starks zartem Stimmchen, den subtilen Orchesterarrangements und dem fein eingearbeiteten Funken Folk. Spätestens dann, wenn der wärmende Refrain Einzug hält, möchte man, geschwächt vom Alltagszirkus, in ihren Armen liegen und den blühenden Gartenrosen nachtrauern. Inspiriert von tiefverwurzelter Religion und weltverbessernden Idealen beschränkt sich Starks in ihren Songs auf einzelne, sich selbst erklärende Sätze, statt komplizierten Zusammenhängen. "I'll never lie again" heißt es immer aufs Neue in der gleichnamigen, rythmisch abgehackten Selbstreflexion, die mit jedem Schritt in eine melodische Befreiung mündet.

Lavender Diamond sind weit davon entfernt, ihre Songs mit Bitterkeit und Eiseskälte zu teilen. "Imagine our love" ist geprägt von glasklarer Schönheit und perfekt arrangierten Romantizismen. Die Amerika- und Europatour mit den Decemberists hat sie gar dazu inspiriert mit "Open your heart" und "Here comes the one" zwei mitreißende Popsongs zu verfassen. Ihr Steckenpferd bleibt aber die kleine Träne am Nachmittag, die Sorgenfalte vor dem zu Bett gehen - mit Gedanken und Gefühlen an das Große und Ganze. In der Hoffnung, dass "Imagine our love" ein wenig die Welt verbessert. "Peace for ever and ever and now."

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • The garden rose
  • I'll never lie again
  • Here comes one

Tracklist

  1. Oh no
  2. The garden rose
  3. Open your heart
  4. Side of the lord
  5. I'll never lie again
  6. Dance until tomorrow
  7. Like an arrow
  8. My shadow is a monday
  9. Bring me a song
  10. Here comes one
  11. Find a way
  12. When you wake for certain

Gesamtspielzeit: 51:01 min.

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User Beitrag
The Triumph of Our Tired Eyes
2007-06-04 10:29:53 Uhr
Wundervolle Musik!
Kelly
2007-03-29 20:43:32 Uhr
You Broke My Heart ist wahrhaft hervorragend! Ein flehender Ohrwurm. Schön.
JeffistheMan!
2007-02-15 14:22:11 Uhr
Selten jemanden so lange am Stück strahlen sehen, wie die Sängerin am Montag.
Wie ich die Musik finde, weiß ich noch nicht.
Aber die Sängerin: seltsam bis niedlich
reinvan
2007-02-15 13:47:20 Uhr
geradezu ekelhaft. hier wir versucht, auf dilettantische art auf den new(weird)-folk-zug aufzuspringen. die sängerin ist eine schlimme newsom kopie und die songs die tiefe einer regenpfütze.
conorocko
2007-02-15 09:06:21 Uhr
Nicht schlecht. 7/10
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