Markus Apitius - Los Angeles

Markus Apitius- Los Angeles

Art Of Choice / M-System
VÖ: 01.06.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Tanz der Teufel

Orgie? Delirium? Druiden? Für sein zweites Album wählt Markus Apitius ein ziemlich mysteriöses Cover aus. Noch mal hinschauen. Zelebrierte Nacktheit? Teufelsanbetung? Flaschendrehen? Es ist irritierend, dass ausgerechnet der wohlüberlegte Apitius mit einer Fotographie von George DuBose (B-52s, Ramones) die Wirkung seiner neusten musikalischen Kreationen visuell untermauern will. Schafft man es jedoch, sich der hypnotischen Wirkung des Artworks zu entziehen und der Musik Aufmerksamkeit zu schenken, legt sich der Schleier. Man zündet Kerzen an, schließt sich der Runde an.

Der Taumel zwischen Wahnsinn und Genie wird für "Los Angeles" im Pop losgetreten. Es wäre zwar vermessen zu erklären, "Heaven of ice" hätte sogar den Beatles gut zu Gesicht gestanden, jedoch kann man sich dieser ideenreichen, orchestralen und eingängigen Hymne nur zwanghaft entziehen. Auch das nachfolgende "Ghost on Abbot Kinney", eine wundervolle Brian-Eno-Idee, die nicht vom Meister erdacht wurde, bricht das Ventil der Tränendrüsen. Das ist ergreifend und schlichtweg großartig.

"Why not wait until October / When afternoons will kiss the dark?" Wenn der Niederländer diesen Satz in sein Mikrophon spricht, mit seiner Gitarre in ein düsteres und morbides Stoßgebet namens "Hide & seek" einstimmt, Peter Gabriel mit "Goodbye" hochleben und für David Bowie das quirlige "Keep your doors shut" erklingen lässt, wankt tatsächlich dieses Weltbild. Wo hat dieser Mann nur so lange gesteckt? Wo bitte geht's zur nächsten Welttournee? Der warme Rausch wird jäh durch "Peer pressure" und das anschließende "Pearl" unterbrochen. Eine kunterbunte LSD-Achterbahnfahrt, die Syd Barrett Gänsehaut beschert hätte.

In Apitius-Manier gibt es auch auf "Los Angeles" keine halben Sachen. Da spielt das Klavier eine perfekt eingepasste Pianopartitur, da zirpt eine harmonisch genial ausgetüftelte Gitarre im Hintergrund herum, während Apitius seiner Stimme teilweise opereske Variationen abverlangt. Ein Mann mit so viel schöner Musik im Gepäck, einem solchen Ideenreichtum und Weitblick. Wo dieser Mann solange war? In der Kölner Fußgängerzone. Und hoffentlich bald in den CD-Regalen aller Popmusik-Entdecker. Das sollte man sich nicht entgehen lassen.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Heaven of ice
  • Peer pressure
  • Sleeping - Waiting

Tracklist

  1. Heaven of ice
  2. Ghost of Abbot Kinney
  3. Adore you
  4. Keep your doors shut
  5. The village
  6. Bowl of salesmen
  7. Hide & seek
  8. Goodbye
  9. Peer pressure
  10. Pearl
  11. Beautiful dream
  12. Carry me over the water
  13. Sleeping - waiting
  14. Sirens call

Gesamtspielzeit: 42:40 min.

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