Abwärts - Rom

Abwärts- Rom

Cargo
VÖ: 08.06.2007

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Sonderzug zur Inspiration

Die doppelte Abgrenzung zur bundesrepublikanischen Terrorhysterie und zum Integrationsirrsinn der NDW. Der ebenso herrische wie grundmelancholische Kommentar zur Wiedervereinigung, der zielsicher gegen die Einheitswut auf beiden Mauerseiten abgegeben wurde. Der erste Irakkrieg, der ihren Standpunkt zu Metallica-Riffs trieb, die ebenso gerade dabei waren, eine weltumspannende Macht zu werden - Abwärts stellten sich stets vielen Fronten, blieben wachsam, unversöhnlich und kampferprobt. Dennoch war ihr Niedergang, als Institution und schließlich auch als Band, irgendwann nicht mehr aufzuhalten. Es schien, als hätten selbst sie der Abfinder-Mentalität der Neunziger kaum noch etwas entgegenzusetzen. Still und heimlich hangelten sie sich noch einige Jahre an ihrem Bandnamen entlang, um schließlich anzukommen. Abwärts? Untergegangen!

Abwärts also. Die zeitlosen Nachbohrer. Die immerwährenden Schwarzmaler. Die stets Unzufriedenen. Und Frank Z., ewiger Miesepeter, Laut- und Wahrsprecher des Wahnsinns der Vernunft. 2004 kehrten sie unter tatkräftiger Mithilfe von Arzt Rodrigo Gonzales mit "Nuprop" wieder. Die Zeit schien reif, die Federn wurden gespitzt: Mit R.A.F. und Polizeistaat groß geworden, durften sich Abwärts zwischen Schily und Schäuble so jung fühlen, wie schon lange nicht mehr. Und auch zur Kernschmelze der neuen NDW dürften sie sich gebrauchen lassen. Mia. mal ordentlich den nostalgisch-nationalen Po versohlen? Wer, wenn nicht sie? Wenn nicht jetzt, wann denn dann?

Somit gäbe es auch für "Rom" sicherlich mehr Themen als genug. Doch Z.s schon immer zwischen linkischer Klarheit und elliptischer Gedankenbeschleunigung pendelnde Texte wirken heuer seltsam saft- und kraftlos, scheinen die Geschwindigkeit verloren zu haben. Dazu spielen Abwärts eine Musik, die so alt ist wie sie selbst. Knappe, von Industrialschüben durchzuckte Punkklopfer unternehmen alles, um gut angefressen zu wirken, bewirken aber oft nur eine schaurige Niedergeschlagenheit.

Einige Highlights sind dennoch schnell gefunden. So schlenkert "Rom"s Refrain in Richtung einer Melancholie, wie sie "Ich seh die Schiffe den Fluß herunterfahren" zu einem Klassiker haben werden lassen. "Du bringst mich nicht runter" findet Erholung in Powerpop, "Der gute Mensch" ist ein abgekochter Disco-Punk, der ebensoviel Humor wie Dramatik vor New Yorks Proberäumen auskübelt. "Lucky fucky" schickt "Computerstaat" im Ärzte-Kostüm zur Stunksitzung 2007. Auf "Voller Angst" findet Z. beinahe zu alter lyrischer Stärke zurück. Und "Cheesy shit show" bügelt gar wieder aus, was "Alles was ich seh" an Daily-Talk-Plattitüden hinterlassen hat. Schön soweit, der Rest aber ist Mittelmaß.

Dennoch haben Abwärts auch auf "Rom" komischerweise wieder vieles richtig gemacht. Denn einem wie Z. war es schon immer egal, wie er sich den Erwartungen quer legte. Hauptsache, er schaffte es. Das Larifari von "Rom" ist da bloß eine weitere willkommene Waffe im Kampf gegen das aus verfälschten Informationshappen zusammengeklebte Kauderwelsch, das Z. schon immer als dringlichstes Zivilisationsparadoxon gebrandmarkt hat. Eine beharrliche Parodie, in der sich Abwärts derart eng an ihren Gegenstand anschmiegen, dass ein gegenseitiges Verschlucken gefährlich nahe scheint. Doch sich raus gehalten und den Zug genommen haben sie halt noch nie.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Der gute Mensch
  • Lucky fucky
  • Cheesy shit show

Tracklist

  1. Intro
  2. Alles was ich seh
  3. Rom
  4. Die neue Zeit
  5. Caprifishin'
  6. Du bringst mich nicht runter
  7. Die neue Zeit
  8. Spürst Du nicht den Trieb
  9. Millionenkiller
  10. Lucky fucky
  11. Verlassen
  12. Voller Angst
  13. Cheesy shit show
  14. Das ist die Kraft

Gesamtspielzeit: 47:39 min.

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