Various Artists - Move against G8

Various Artists- Move against G8

Skycap / Rough Trade
VÖ: 04.05.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Immer in Bewegung bleiben

Alle Jahre wieder scheint Deutschland in den Fokus der Weltöffentlichkeit zu geraten: 2005 die Papstwahl, 2006 als Gastgeber der Fußball-WM und nun 2007 der G8-Gipfel in Heiligendamm. Aber klar, diesmal liegen die Reaktionen etwas anders. Während Uns Benedikt und die Klinsmänner ohne große Probleme kollektive Freudentaumel bei der Bevölkerung auslösen konnten, sorgt das Treffen der Regierungschefs der acht größten Industrienationen bei politisierten Teilen der Bevölkerung eher für mürrisches Zähneknirschen.

Proteste und Demonstrationen sind daher schon fest geplant, und nun erscheint mit "Move against G8" auch noch die passende musikalische Untermalung dazu. 19 mehr oder minder namenhafte Artisten aus dem vornehmlich deutschen Rock/Pop-, HipHop- und Ska/Reaggea-Bereich haben dafür je eines ihrer Lieder zur Verfügung gestellt. Zum einen natürlich, um etwas Geld für die Kulturveranstaltungen heranzuschaffen. Aber ebenso, um den Nichteinverstandenen den musikalischen Segen zu geben und die Diskussion über G8 etwas mehr in die Mitte der Gesellschaft hineinzutragen. Theoretische Kapitalismuskritik und an Managerhäusern zerplatzte Farbbeutel wirken bei vielen nun einmal weniger attraktiv als Kettcar und Wir sind Helden.

Gerade diese beiden Bands stechen unter den bekannten Beiträgen auch heraus: Kettcar, da mit ihrem Song ein agressiver Vorbote aufs kommende dritte Album geliefert wird. Judith Holofernes und die ihrigen wegen einer schön blechigen Demo-Version von "Gekommen um zu bleiben". Sonst gibts von Blumfeld über Tomte, Gentleman, dem notorischem Jan Delay und dem noch viel notorischeren Toten Hosen nur bereits gehörte Songs, bestenfalls im Livegewand. Oder, wie bei Tocotronics "Aber hier Leben, nein danke", im Remix von Jan Müllers Sideprojekt Das Bierbeben, was dem Lied aber nicht unbedingt gut tut. Besitzer der "Gegen den Strich"-Single kennen das Ergebnis sowieso bereits.

Raritätenjäger werden also mit "Move against G8" kaum glücklich werden. Mehr Spaß machen aber sowieso Beiträge von den weniger geläufigen Künstlern. Bernadette la Hengst schrubbelt auf ganz bezaubernde Art für die Kunst des Faulseins, Reggae-Künstler Nosliw und Rapper Mad Maxamom liefern gesellschaftliche Totalkritik und Rainer von Vielen lassen in einer seltsamen HipHop-Plugger-Melange die Beine schwingen. Die breite Mischung macht's also. Und mit den G8-Protesten symphatisierende Menschen werden sich durch die kämpferischen Texte sowieso bestätigt fühlen. Vielleicht wird ja nun auch das rote Fähnchen morgendlich stets mit einem neuen Soundtrack gehisst werden.

(Tobias Wallusch)

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Highlights

  • Nie mehr vor Mittag (Bernadette la Hengst)
  • Tanz deine Revolution (Rainer von Vielen)
  • Absage Nr.1 (Mad Maxamom)

Tracklist

  1. Alles vorstellen (Keine Guillotine weit und breit) (Kettcar)
  2. Es hat sich nix geändert (Nosliw)
  3. Nie mehr vor Mittag (Bernadette la Hengst)
  4. Leaders (Sillywalks Movement feat. Taffari + Turbulence)
  5. Diktatur der Angepassten (Blumfeld)
  6. Norden der Welt (Tomte)
  7. Du schreibst Geschichte (Live @ Radio Fritz)(Madsen)
  8. Müde (Afrob feat. Lisi)
  9. Morale (Irie Révoltés)
  10. Söhne Stammheims (Jan Delay)
  11. Plastic Turkey (Fermin Muguruza)
  12. Tanz deine Revolution (Rainer von Vielen)
  13. Pushed again (Live @ Rock am Ring 2002) (Die Toten Hosen)
  14. Colère noir (La Phaze)
  15. Caan hold us down (Gentleman feat. Barrington Levy & Daddy Rings)
  16. Aber hier leben, nein danke (Bierbeben Remix) (Tocotronic)
  17. Absage Nr. 1(Mad Maxamom)
  18. Hand in Hand (Akustik-Version) (Finkenauer)
  19. Gekommen, um zu bleiben (Demo-Version) (Wir Sind Helden)

Gesamtspielzeit: 70:06 min.

Referenzen

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