Dream Theater - Systematic chaos

Dream Theater- Systematic  chaos

Roadrunner / Warner
VÖ: 01.06.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

In alle Winde

Was gab es nicht für Diskussionen um "Octavarium", das letzten Studioalbum von Dream Theater. "Banal!" riefen die einen, "Meisterwerk!" die anderen. Abseits aller emotionalen Diskussionen zeigte sich allerdings im Nachhinein, dass letzteres Etikett eigentlich nur zwei Songs angeheftet werden durfte, die dann allerdings fast die Hälfte der Spielzeit in Beschlag nahmen. Eines der meist diskutierten Alben der New Yorker, so viel steht mal fest. Fakt ist, dass "Systematic chaos" dann doch eher skeptisch erwartet wurde. Die seinerzeit gestellte Frage "Quo vadis, Dream Theater?" ließ sich nicht wirklich abschütteln.

Die Antwort darauf wird dem gespannten Hörer allerdings mit dem neunminütigen "In the presence of enemies part 1" schneller und vehementer um die Ohren gehauen, als Mike Portnoy die Doublebass treten kann. Denn bereits in den ersten paar Minuten versprühen Dream Theater bereits mehr Spielfreude als auf "Octavarium" zusammen, nimmt man mal den damaligen Titeltrack aus. Doch wir sind im Jetzt und schauen wie erwähnt auf den Opener. Neun Minuten also, mit langem Instrumental-Intro. Als Schlusstrack folgt Part 2. Hm, da war doch mal was? Tatsächlich drängen sich Parallelen zu Pink Floyds "Shine on you crazy diamond" auf. Die Windgeräusche am Ende von Teil 1 und am Anfang von Teil 2 bekräftigen dieses Zitat..

Nach "Forsaken", welches problemlos auf "Images and words" Platz gefunden hätte, dann die nächste Überraschung: James LaBrie singt zu donnernden Riffs wie James Hetfield. Im Dialog dazu knarzt Mike Portnoy die Backing Vocals. Das klingt zunächst wie eben Metallica, bisweilen wie Corrosion Of Conformity, und man darf jetzt schon auf die entsprechenden hitzigen Diskussionen gespannt sein. Auf jeden Fall ist "Constant motion" nicht nur die erste Single, sondern seit langem mal wieder ein Fixpunkt, ein Ausrufezeichen, welches die Aufmerksamkeit förmlich an sich zieht. John Petrucci und Jordan Rudess solieren wie nach einer Familienpackung Ecstasy. Geballer? Sicherlich. Gefrickel, bis der Arzt kommt? Definitiv. Aber auf allerhöchstem Niveau. Und vor lauter Suchen nach neuen Feinheiten wird doch glatt vergessen, die Matte zu schütteln.

Überraschungen, Teil 3. Denn "The dark eternal night" könnte in der Tat von Pantera stammen, so verzerrt werden die Vocals von LaBrie und Portnoy herausgebellt. Das allerdings nur die ersten paar Minuten, denn danach hat Jordan Rudess den nächsten Auftritt. Inklusive Saloon-Klavier. Aber wo hört das Keyboard auf, wo beginnt Petruccis Gitarre? Mehr denn je zeigen sich die beiden Herren als perfekt eingespielte Einheit. Was vor 35 Jahren Ritchie Blackmore und Jon Lord waren, sind im 21. Jahrhundert Petrucci und Rudess. Ohne Worte.

Und so kann die Abfeierei weiter gehen. Mit "Repentance", dem bislang besten Teil von Portnoys "Alcoholics anonymous"-Zyklus, und Spoken-Word-Samples von unbekannten Laiendarstellern namens Mikael Åkerfeldt oder Steven Wilson. Oder aber beim tanzbaren(!), aber dennoch bitterbösen "Prophets of war": jeder Song eine Wundertüte. Tanzpartner - lies: hörbare Ideengeber - sind im übrigen wieder einmal Muse. Nicht zuletzt deshalb legen Dream Theater mit "Systematic chaos" erneut ein Album vor, das Diskussionen provozieren wird. Nur ist diesmal so manches anders. Es setzt Spielfreude wie zu besten Zeiten, und vor allem haben die Songs wieder Seele. Das im Albumtitel angedrohte Chaos bleibt also aus. Im Gegenteil: Irgendwann, nach vielen Durchläufen, wird alles klar. So wie die Tatsache, dass diese Platte ein absolutes Highlight im nicht eben schwachen Backkatalog der New Yorker darstellt.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • In the presence of enemies part 1
  • The dark eternal night
  • Repentance
  • In the presence of enemies part 2

Tracklist

  1. In the presence of enemies part 1
  2. Forsaken
  3. Constant motion
  4. The dark eternal night
  5. Repentance
  6. Prophets of war
  7. The ministry of lost souls
  8. In the presence of enemies part 2

Gesamtspielzeit: 78:44 min.

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