Absynthe Minded - There is nothing

Absynthe Minded- There is nothing

Universal
VÖ: 29.05.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Die Schattenboxer

Aus einem Schatten herauszutreten, das ist nie eine einfache Angelegenheit. Schon gar nicht, wenn dieser Schatten von dEUS stammt. Diese Erfahrung machen Absynthe Minded mit "There is nothing" nun zum dritten Mal. Das belgischeQuintett, welches es bereits mit "Acquired taste" und "New day" zu zwei verdammt starken Platten gebracht hatte, fand stets seine Anerkennung und viel Lob. Schade allerdings, dass der Kreis der Eingeweihten einen nicht allzu weiten Radius hatte. Das hing vermutlich damit zusammen, dass man einem so kleinen Land wie Belgien nicht gleich zwei so großartige Bands zutrauen konnte. "There is nothing" soll nun aber endgültig das Eis zum Schmelzen bringen, um jeden Preis. Zu dumm, dass sich die Band um Mastermind Bert Ostyn da ein wenig verkalkuliert hat. Keine Frage, auch der neue Output erreicht ein ungemein hohes Niveau. Aber wie soll das reichen, wenn das Vorgängeralbum Hürden mit Titeln wie "Fortune" oder "Wash" aufgestellt hat?

Natürlich muss "There is nothing" als selbstständiges Werk betrachtet werden, aber wenn nun zu dem Schatten von dEUS auch noch der eigene hinzukommt, dann wird es eng. Diese Zweifel kann zumindest der Opener jedoch kurzfristig fortjagen. "Plane song" drückt kraftvoll mit seinem Zauberkasten-Riff Richtung Himmel und reiht sich damit locker neben Kashmirs "The cynic" ein. Wäre ja schön, wenn es derart kräftig weiterginge, doch leider bewirkt "Ask me anything" mit seinem Groove nur einen schalen Geschmack von Trash und fehlgeleitetem Anachronismus. Abysnthe Minded waren ohnehin nur dann großartig, wenn sie sich auf kompromisslosen Indierock in seiner Definition konzentriert haben. "I wanna forget" weiß dort ebenfalls nicht anzuknüpfen. Langweiliger Radiopop ist das und einem selbst Furcht und Bange. Geht es jetzt schrittweise abwärts auf "There is nothing"?

"Stuck in reverse" fischt zwar in fremden Gewässern, kriegt den Hörer aber doch mal wieder an die Angel. Druckvoller Strukturaufbau lässt erkennen, dass Absynthe Minded ein Album erschaffen wollten, welches ein ums andere Mal herausfordern soll. Der Plan ging nicht auf. Aber immerhin kriegt man mal wieder eine Violine zu hören, diese wird im Vergleich zum Vorgänger nämlich weitaus spärlicher gestreut. Dafür durfte sich das Keyboard über Dauereinsatz freuen. Was jedoch beim wiederum großartigen Titeltrack eingesetzt wurde, ob Keyboard oder Violine, wird das Geheimnis der Band bleiben. Zugegeben, ein bißchen zu weit über den Zaun zu den Nachbarn von dEUS rübergelunzt, und dennoch wird wieder der Beweis erbracht, dass Absynthe Minded noch immer eine klasse Band sind. Um so ärgerlich also, dass "There is nothing" nicht die versprochene Eisenstange zum artistischen Durchbruch ist. Die Belgier muss das nicht weiter stören. Denn eine Strandliege in der Sonne haben sie sich nun endgültig reserviert.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • Plane song
  • There is nothing

Tracklist

  1. Plane song
  2. Ask me anything
  3. I'll be all right
  4. I wanna forget
  5. Stuck in reverse
  6. It's all around you
  7. Nowhere to go
  8. There is nothing
  9. Let's be radical
  10. Your backdoor
  11. Attitude gratitude
  12. A great height
  13. Silent song

Gesamtspielzeit: 52:18 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
klostein
2008-09-24 14:46:40 Uhr
Ware gestern in Bayreuth, Live der absolute Wahnsinn...da waren sogar die etwas öden "There Is Nothing"-Songs wirklich Granaten! Und die neuen Songs sind wieder deutlich schräger und grooviger, soweit ich das beurteilen kann.
Experimentell, Strahl Satz, Abfall und kein Stern
2007-07-04 11:07:28 Uhr
Am besten find ich das Cover. Yoshitomo Nara ist einfach super. Der Musik kann ich rein garnichts Besonderes abgewinnen, vielleicht wäre das bei den vorhergehenden Alben anders?
curtbali
2007-06-16 19:23:03 Uhr
Mit "Schade" schließe ich ab, weil ich mir von der Band mehr erhofft hatte. Die ersten beiden Alben waren sehr, sehr vielversprechende Vorboten einer tollen Band, da bedaure ich es, dass ausgerechnet das dritte Album ihr vielleicht uninspiriertestes ist.
betty
2007-06-16 18:50:50 Uhr
Ich weiß nicht genau was ihr erwartet habt. Das es nicht mehr den Überraschungseffekt wie das Debut hat, war klar.

Am tollsten finde ich die Aussage
"Gut finde ich auch auf der Neuen das Meiste, aber für mehr reicht's nicht. Schade."

Kann man sich nicht gut zufrieden geben?!
Ich meine ich das Album auch "nur" gut, aber ich würde meine Bewertung keineswegs mit "Schade" beenden.

Tolle Band, schöner Sound... endlich mal ein paar neue Lieder.
shrink
2007-06-16 14:59:09 Uhr
Eben, there is auf jeden Fall schonmal der tolle plane song
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