Loney, Dear - Loney, noir

Loney, Dear- Loney, noir

Labels / EMI
VÖ: 18.05.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Learning by hearing

Meschuggene Ambivalenz. Wir feiern, was wir fürchten. Wir verneigen uns vor verhuschter Melancholie und verkennen, dass das Damoklesschwert der Depression sich Zentimeter für Zentimeter tiefer senkt. Nichts anderes als eine strikte Beschäftigungstherapie spränge für Emil Svanängen heraus, wenn der Boden der Tatsachen ihn mit seinem breit geöffneten Maul verschlingen und alle Berauschtheit im Keim ersticken würde. Natürlich ist der Frontmann von Loney, Dear weit davon entfernt, seine leidenschaftlichen Lyriken auf einer Tagung kalkulierender Psychoanalytiker zum Besten zu geben. Aber sollte dies jemals der Fall sein, niemand würde klatschen oder sich eine Träne aus dem Auge wischen. Ein Kopfschütteln, ein Bleistiftkratzen auf dem Analyseblock, das Zücken der weißgewaschenen Zwangsjacke und ein fester Druck mit dem fetten Plem-Plem-Stempel. Diagnose: "Da muss was getan werden!".

Man mag dem Rezensenten verzeihen, wenn er einer Überdosis strukturiertem Alltagsleben unserer Leistungsgesellschaft ausgesetzt war. Die Konservatismen werden sofort beiseite gelegt, es soll nicht wieder vorkommen. Schließlich ist das Pop! Überhaupt, sich den Leiden des jungen Svanängen entziehen, der sich nicht selten als "fool" kategorisiert, heißt, mit aller Kraft einem Vulkanausbruch an Emotionen unbeteiligt gegenüberzustehen und seinen Meister in Ignoranz zu schneidern. So wie Lou Barlow einst sang: "Weakness is the secret of the strength", scheint sich auch der Schwede Svanängen diesem Motto in allen seinen Zügen untergeben zu haben. Schon "Sologne", das wie "Loney, noir" weit verspätet im restlichen Europa Einzug hielt, offenbarte ein traktiertes, durchwühltes Innenleben.

So nicht anders auf "Loney, noir", auf dem sich das Wohnzimmer erneut als Tatort demaskiert. Wer den anfänglichen Klängen des vierten Albums von Loney, Dear lauscht, wie der kleinlaute Hoffnungsschimmer "Sinister in a state of hope" Schritt für Schritt in unverwüstliches Verlangen mündet, Svänangens glockenhelles Organ sich zur Bee-Gees-Schmerzgrenze empor hebt und eine berauschte Instrumentenflut die Hörbahnen erschlägt, ist Zeuge anarchischen Bombasts, der auf knapp 25qm² seine Entstehung fand. "I want your arms around me like lovers do / And I’m never gonna let you down / Never gonna let you down." Auch das herzergreifende Liebesbekenntnis und die spontane Lebensflucht "I am John" verliert kurzerhand die Beherrschung, wechselt von akustischer zu elektrischer Instrumentierung. Harmonisierende Glockenspiele und Bläser geben ihre besänftigenden Rollen auf und steigen mit ein in die emotionsgeladene Narrenfreiheit. Svänagnen weiß zu variieren und zu arrangieren, so dass "Loney, noir" nicht zu einem bescheuerten Reigen an aufdringlicher Durchgeknalltheit verkommt. "No one can win" und "The meter marks OK" werden mit Orgeldröhnen und sanftem Saitenzupfen am Boden gehalten und die spanische Gitarre hält in jedem Falle den großspurigen Anstürmen stand.

Schließlich ist es er der anmutige Tanz "I will call you lover again", der das Bindeglied zwischen Laut und Leise herstellt und den Autor in all seinen Schwächen entschleiert. Atemlos, sprachlos, wunderschön. Der Wunsch nach Reife und erwachsen werden, nach Selbstbewusstsein und Selbsttätigkeit. "Loney, Noir" ist eine bewundernswerte Achse der Renitenz, im Kampf gegen die Melodienführung in Moll, gegen Selbstmitleid und lebensechte Einschränkungen. Fortweg mit der skandinavischen Tristesse, goodbye teenage angst. Eine Selbsttherapie.

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • I am John
  • Saturday waits
  • I will call you lover again

Tracklist

  1. Sinister in a state of hope
  2. I am John
  3. Saturday waits
  4. Hard days 1,2,3,4
  5. I am the odd one
  6. No one can win
  7. I will call you lover again
  8. Carrying a stone
  9. The meter marks OK
  10. And I won't cause anything at all

Gesamtspielzeit: 33:59 min.

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User Beitrag
The MACHINA of God
2012-01-05 22:04:31 Uhr
Jungs, ich glaube, heute ist es passiert. "I am John" war der Auslöser.
The Triumph of Our Tired Eyes
2011-12-06 16:36:58 Uhr
Gehe davon aus, ja. Irgendwas mit Joel:)
The MACHINA of God
2011-12-06 16:35:06 Uhr
Da müsst ich noch eine von dir haben, oder?
The Triumph of Our Tired Eyes
2011-12-06 16:32:55 Uhr
Ha, ich werde gefaket:)

Sorry, haber aber leider weder noch. Höchstens Email käme in Frage.
The Triumph of Our Tired Eyes
2011-12-06 16:31:25 Uhr
Kann dir den Link zu meinem Gayromeo-Profil geben....
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