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Shannon Wright - Let in the light

Shannon Wright- Let in the light

Quarterstick / Unter Schafen / Al!ve
VÖ: 25.05.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Morgen danach

Shannon Wright ist reich gesegnet: mit halbprominenter musikalischer Vergangenheit (Crowsdell), mit multiinstrumentaler Versiertheit bei gleichzeitigem Bekenntnis zu möglichst großer musikalischer Nachdrücklichkeit, zudem umschwärmt von mitspielenden Hochkarätern aus den Ecken Low, Shipping News, Rachel's, Shellac, Calexico oder zuletzt Yann Tiersen. Wahrlich, die Zunft meint es gut mit ihr. Da nun aber Fluch und Segen meist enger zusammenliegen, als einem gemeinhin lieb sein kann, erzeugten ihre ersten Alben stets ebensoviel Spannung wie leicht versalzene Naja-Effekte. Emphatisch, ja, und interessant, doch stets auch irgendwie schwindsüchtig, sich selbst, und damit den Zuhörer, ermattend.

Auf ihrem Letztwerk "Over the sun" trat Wright eben dieser Ambivalenz zum ersten Mal mit geballter Faust entgegen. Düster bis stockdunkel, voller Aggressivität, mit ebensoviel melodiöser Klarheit wie rhythmischer Komplexität ausgestattet und vergoldet durch die rasiermesserscharfe Albini-Soundkante, geriet "Over the sun" zu einer scheinbar notwendigen Kneipenschlägerei mit der eigenen Vergangenheit. Live ohnehin eine Urgewalt, die mit einem einzigen Ton ganze Welten verschlucken kann, agierte Wright nicht länger als Kriegsberichterstatterin ihres Wahnsinns, sondern stellte sich mitten rein und teilte nach Kräften aus. Mit "Let in the light" besieht sie sich nun das hinterlassene Elend und zieht ein wenig die Vorhänge ihrer Songspelunken beiseite, um eine klareren Blick zu erhaschen.

Entsprechend regieren auf "Let in the light" eher gedämpft durchatmende Klavierstücke. So beweinen "You baffle me" und "They'll kill the actor in the end" die Hot Spots innerer und äußerer Verzweiflung zwar nicht gerade zu dampfenden Teetassen, aber auch eine mit Whiskeygläsern und Bierhumpen zugeparkte Bar fängt diese sehr fein abgedunkelte Melancholie nicht mehr ansprechend auf. Ebenso rutschen "Idle hands", "When the sun shone down" oder das seine Nirvana-Akkorde präzise auseinanderbauende "Don't you doubt me" zwar immer noch mit mächtig Hummeln im Hintern herum, bleiben schließlich aber doch lieber auf ihren vier Buchstaben sitzen, statt sich für die fällige Kaschemmenkeile aufzurappeln. Und auch "Steadfast and true" wird erst ganz zum Schluss zu Highspeed-Klavier-Synkopen mit anschwellender Halsader hochgefahren.

Den Grund für diese neue Gesetztheit liefert aber ausgerechnet das durch ein unwiderstehliches Power-Riff wachgerüttelte "St. Pete". "I wish God would make things clear / 'Cause there's no fight left in me", heißt es hier. Dennoch ist der Rauch auf "Let in the Light" nicht verflogen, noch immer hört man die Spuren der Schlacht allüberall. Doch statt immer nur nachzutreten, bückt sich Wright heuer auch mal hinab, um zu trösten oder ein Kleenex zu reichen. So wird sie zwar nie den Mutter-Teresa-Preis erhalten. Doch bei einer derart unbändigen Kraft kann man über das bisschen Milde nur heilfroh sein.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • St. Pete
  • When the light shone down
  • Steadfast and true

Tracklist

  1. Defy this love
  2. St. Pete
  3. You baffle me
  4. Idle hands
  5. When the light shone down
  6. Don't you doubt me
  7. In the morning
  8. Steadfast and true
  9. They'll kill the actor in the end
  10. Louise
  11. Everybody's got their own part to play

Gesamtspielzeit: 34:05 min.

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