Dub Pistols - Speakers & tweeters

Dub Pistols- Speakers & tweeters

Sunday Best / Rough Trade
VÖ: 18.05.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Kugelhagel

"The Dub Pistols control the shit / Blade is the vocalist / This is the year of the apocalypse." Mit dieser Kampfansage starten die Dub Pistols in ihr drittes Album. Und damit in einen Abschnitt der Bandgeschichte, in der getrost das Häkchen bei "Ziel erreicht" stehen darf. Schon auf den beiden Vorgängern, "Point blank" (1998) und "Six million ways to live" (2001) wusste das Londoner Septett recht innovativ dem europäischen Big-Beat-Sound einen frischen Stempel aufzudrücken. Mit "Speakers & tweeters" perfektionieren die Dub Pistols, die eben entgegen ihres Bandnamens auch Jazz, HipHop, Electro und natürlich Ska miteinander verrühren, ihr äußerst delikates Gemisch. Sollte man nach sechs Jahren Würzen aber auch mal voraussetzen können, oder? Selten zuvor jedenfalls hat es die Band geschafft, in einer ähnlich homogenen Art die Stile zu vermischen wie im ungemein sphärischen "Speed of light" oder dem funky Partytrack "Running from the thoughts". Jamiroquai würde für einen solchen Groove heute vermutlich töten.

Es verwundert aber auch nicht weiter, dass es jedem der 13 Tracks gelingt, aus allerlei Stilen einen satten Rausch aufsteigen zu lassen. Schließlich darf bei diesem Sechser jeder seinen ganz eigenen Stil in den Vordergrund stellen, obwohl Dub Pistols ursprünglich lediglich der Name eines Duos war. Das könnte das große Ganze zu vielfaltig erscheinen lassen, denn stets waren verschiedene Hände an den Tracks zu Werke. Somit fiele es kaum auf, wenn ein gewitzter DJ mal eben das ganze Album durchlaufen ließe. Zu "Open" kann man sich prima wunderschöne Tänzerinnen mit langen Haaren und Beinen in kurzen, aber unfassbar teuren Kleidern vorstellen, wohingegen "You'll never find" sogar Jah persönlich ein Kopfnicken abringen könnte. Außerdem tragen die Dub Pistols ihre Anzüge nicht umsonst. Das stylische "Gangsters" stürzt mit Megaphon und Krawatte in den Kampf und gibt den Twotone-Soundtrack zu neuen London Riots ab. Was hingegen auf "Speakers & tweeters" kaum noch vertreten ist, ist der Dub selbst. Doch das macht nichts, denn auch so ist die Band schon etwas zu breit gefächert.

Durch die Vielfalt versäumt es der Siebener leider hin und wieder, einem Track die nötige Tiefe und Qualität zu verleihen, so dass manchmal nur gutes Mittelmaß rauskommt. Das völlig unnötige "Cruise control", welches in 50Cent-Manier die fettig eingeölten Musekln präsentiert, hat wiederum kaum eine Daseinsberechtigung. Andererseits hat das Album mit all seinen Vokalisten eine positive anzurechnende Konstante. Ungemein starker Rap steht qualitätstechnisch auf einer Stufe mit souligem Gesang und dem Reggae-Toasting. Gerade das lässt über kleinere Mankos hinwegsehen, zumal man die feingliedrige und komplex klingende Produktion selnst dann noch raushört. Insofern geht "Speakers & tweeters" kein Deut an Clubtauglichkeit verloren. Im Gegenteil, mit ziemlicher Sicherheit werden sich viele DJs aller Couleur hier bedienen. Man rücke schon einmal die Krawatte gerade.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • Speed of light
  • Open

Tracklist

  1. Speed of light
  2. Peaches
  3. Speakers and tweeters
  4. Running from the thoughts
  5. Rapture
  6. Cruise Control
  7. Open
  8. You'll never find
  9. Gangsters
  10. Something to trust
  11. Mach 10
  12. Stronger
  13. Gave you time

Gesamtspielzeit: 48:59 min.

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