Shapes + Sizes - Split lips, winning hips, a shiner

Shapes + Sizes- Split lips, winning hips, a shiner

Asthmatic Kitty / Cargo
VÖ: 18.05.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Sexy Sporthits

Jimi Hendrix war der letzte Gitarrist, der sein Instrument nicht nur gespielt, sondern regelrecht um den Verstand gevögelt hat. Er könnte es schreien lassen, er konnte es weinen lassen, und er konnte es die ganze Nacht. Jeder, der seitdem versucht hat, dieses ästhetisch stets korrekte Hochleistungsficken nachzustellen, sah dabei bestenfalls aus wie ein gut trainierter Pornostar. Jeder bis auf Shapes + Sizes. Diese Band kriegt das nicht nur ohne blaue Flecken hin, sie treibt das Konzept auch noch auf die Spitze, indem sie es zum weitgehend hemmungsfreien Gruppensex ausweitet. Auf "Split lips, winning hips, a shiner" darf jeder mit jedem und alles mit allem. Einiges, was dabei passiert, wäre im Iran oder in Utah wohl gegen das Gesetz, aber wenn Stimme und Gitarre hier zum ersten Mal in vereinter Heulsusigkeit abtauchen, spielt das ehrlich keine Rolle mehr. Handschellen wären eh gerade geil.

Kalt abgeduscht und zurück aus der Leerzeile fällt der Blick indes auf die harten Fakten: Vier Männer aus Vancouver haben sich diese Platte in völliger Gleichberechtigung bezüglich des Singens und Schreibens ausgedacht. Ihr Trick ist, sich nahe am Popsong zu halten, ihn aber gleichzeitig immer zur Diskussion freizugeben. Shapes + Sizes hinterfragen ihre Lieder mindestens genauso häufig, wie sie sie unterlaufen, indem sie vornehmlich mit Dingen spielen, von denen sie keine Ahnung haben. Mit einem Banjo in "The taste in my mouth" zum Beispiel, schnell zur Seite gedrängt von einer Blaskapelle inklusive Tuba, die sich anhört, als hätte Sufjan Stevens' Orchester ein großes Wettsaufen verloren. Oder das kurz als Akustiknummer angedachte "Teller/Seller", dem eine elektrische Gitarre entsprechend beleidigt dazwischenknurrt. Nichts lässt sich ausschließen - hier gilt das sogar im wörtlichen Sinn.

"Split lips, winning hips, a shiner" hat leider nicht die Luft für die vollen 50 Minuten, die es sich vornimmt, kann aber manche Länge durch seine Schneebesengitarren und schamlos hilflosen Zusatzinstrumente ausgleichen. Die gar nicht mehr unterschwellige Aggressivität, mit der einem "Highlife (I had been duped)" übers Gesicht fährt, passt hier natürlich genauso gut rein wie das Gepfeife am Ende von "The horse's mouthy mouth" oder der schwere Ausnahmefehler, an dem die Holzbläser aus "The long indifference" zugrunde gehen. Die Songtitel zu so was stehen natürlich in verkritzelter Schreibschrift auf dem CD-Rücken, das Cover zeigt ein Häufchen Sperrmüll, und die äußerst ausgeschlafene Band sieht aus, als wäre sie noch nie von einem Wecker geweckt worden. In den Äußerlichkeiten also sind Shapes + Sizes konsequent. Das Innendrin aber könnte gar nicht ungeradliniger verlaufen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Alone/Alive
  • The taste in my mouth
  • Highlife (I had been duped)
  • Vicory in war

Tracklist

  1. Alone/Alive
  2. Head movin'
  3. Geese
  4. The taste in my mouth
  5. Teller/Seller
  6. Grassy corner, a sunset
  7. Highlife (I had been duped)
  8. Can't stop this (sinking) feeling
  9. The horse's mouthy mouth
  10. The long indifference
  11. Canvas skies muslin trees
  12. Victory in war
  13. Piggy
  14. One, two three

Gesamtspielzeit: 51:06 min.

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User Beitrag
Dän
2007-05-10 11:50:46 Uhr
Sieht ganz gut aus, ja. ;)
jose-passillas
2007-05-10 00:49:05 Uhr
Ich denke doch, dass man mit einer Rezension rechnen kann. ;-)
Dän
2007-05-05 12:53:44 Uhr
Also ich mag die Platte auch sehr. Erinnert mich an eine nicht ganz so durchgeknallte Version der Unicorns. Album kommt am 18.05. raus.
jose-passillas
2007-05-05 12:20:54 Uhr
Ach meno!
Selber schuld!
jose-passillas
2007-05-03 23:10:16 Uhr
Hört euch doch bitte mal was an! Es lohnt sich wirklich. "Island's Gone Bad" ist für mich einer der stärksten Songs, die ich in diesem Jahr gehört habe. Traurig, sympathisch, wunderschön!
Reinhören jetzt!
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