The Sea And Cake - Everybody

The Sea And Cake- Everybody

Thrill Jockey / Rough Trade
VÖ: 11.05.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Milchschaumschlürfer

Harald Schmidt gucken. Oder die 44. Wiederholung einer alten "King Of Queens"-Folge, vornehmlich die mit der Schimmelfirma. Eine Kurzgeschichte lesen. Eine Kurzgeschichte schreiben. Oder gleich das halbstündige Workout aus der neuen Men's Health durchprobieren. Die Sommerreifen aufziehen (es wird Zeit!). 30 Minuten lang Steaks braten. Die Jojo-Skills verfeinern. Outlook Express beim Komprimieren von E-Mails zusehen. Oder doch am besten noch mal umdrehen.

Natürlich könnte man ewig so weitermachen. Man könnte es aber auch einsehen: Wer mal 30 Minuten Zeit hat, kann sie gar nicht effektiver verplempern, als mit der neuen Platte von The Sea And Cake. Vor hunderten von Jahren ist diese Band aus dem Schoß der Chicagoer Post-Rock-Szene direkt in ein Ermüdungsbecken gefallen und seitdem in immer klarere Popsong-Richtungen gedriftet. "Everybody" ist ihr siebtes Album, wie immer sind darauf zehn Songs, und alles an ihnen ist butterweich, milchschaumcremig und softeissüß. Sam Prekop, Eric Claridge (beide Shrimp Boat), Archer Prewitt (The Coctails) und John McEntire (Tortoise, Gastr Del Sol) haben mit ihrer persönlichen kleinen Supergruppe immer schon ein Traditionsbewusstsein gepflegt, das sich solch abenteuerlustige Musiker nur selten leisten. Auf "Everybody" nun kommt man nicht mehr drum herum, sie "sophisticated" zu nennen.

Glitzernd perlen die Noten vom Gitarrengriffbrett, teilnahmslos schlendert das Schlagzeug hinterher, sachte tupft sich der Bass die Stirn trocken. "Everbody" stellt seine Gemütlichkeit und Lahmarschigkeit so offensichtlich zur Schau, dass man sie der Platte kaum mehr anhängen kann - zumal sie es auch drauf hat, diesen Eindruck mit kleinen Extrakniffen zu manipulieren. "Transparent" etwa, das klingt, wie es heißt und damit exemplarisch für das ganze Album steht, wird von einem zweiten Schlagzeug aus der Platte geleitet. Und "Crossing line" mit seiner Fuzzgitarre wird gar so aufbrausend, wie man es von einem Liegestuhl aus werden kann. Es bleibt auch dann dabei, dass "Everbody" niemals mehr ist, als die angenehmste Art und Weise, um sich eine gute halbe Stunde lang gepflegt zu langweilen. Aber es kann ja auch eine gute Sache sein, die Zeit zur Abwechslung mal totzustreicheln.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Up on crutches
  • Crossing line

Tracklist

  1. Up on crutches
  2. Too strong
  3. Crossing line
  4. Middlenight
  5. Coconut
  6. Exact to me
  7. Lightning
  8. Introducing
  9. Left on
  10. Transparent

Gesamtspielzeit: 36:51 min.

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