Stereophonics - Just enough education to perform

Stereophonics- Just enough education to perform

V2 / Zomba
VÖ: 09.04.2001

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Drei vom Bügelbrett

Stereophonics - Vor zwei Jahren ließ man sich diese dreizehn Buchstaben auf der Zunge zergehen und freute sich über ruppige Melodien und schwelgerische Melancholie. Die drei Waliser zogen durch die Lande und hinterließen mit Songs wie "Not up to you" oder "Hurry up and wait" feuchte Augen, während "The bartender and the thief" die freundlichen Rüpel aufs Beste bediente. Statt ausgetüftelten Arrangements setzte man auf simple Riffs und einfache Melodien, die gerade wegen ihrer Bodenständigkeit genau da wirkten, wo sie sollten. Was aber machen Musiker, die bereits bei bestens besuchten Touren in Japan, Australien, Kanada und den Vereinigten Staaten den süßen Duft des Erfolges schmecken konnten? Richtig, sie schreiben nachdenkliche Songs über den eigenen Erfolg und nehmen sie dank der gemachten Kohle mit einer Horde von Mitmusikern auf. Mädels für den Background-Gesang, Fender Rhodes für die Atmosphäre, Mundharmonika für die Authentizität, Streicher für den Schmalz? Kein Problem, man hat's ja.

Die vorab ausgekoppelte Hymne "Mr. Writer" beweist, daß eine Breitwand-Produktion durchaus funktionieren kann. Über zurückgelehntem Beat und düsteren Harmonien schießt Jones augenzwinkernde Pfeile in Richtung der schreibenden Zunft. "You've just enough in my own view / Education to perform / I'd like to shoot you all." Bitte schön, so gefällt uns das. Dummerweise steht das zusätzliche Augenmerk, das man auch beim Rest des Albums aufs Arrangements gelegt hat, der Eingängigkeit der Songs im Weg. Aufgeblasen statt aufregend wirken Stücke wie "Have a nice day" plötzlich genau so, wie es dieser Titel schon befürchten läßt: Viel zu nett und zu brav plätschert es hier aus den Boxen. Künstlerische Reife nennen so etwas die einen. Von Weiterentwicklung sprechen die anderen. Aber sind die viel zu oft entkoffeinierten Songs und die fast schon als keimfrei zu bezeichnende Produktion wirklich ein Zeichen von Größe?

Der Titel "Just enough education to perform" - sicherlich als pures Understatement gemeint - enthält nämlich eine unerfreuliche Wahrheit: Wer schon nur mit drei Akkorden ambitionierte Songs zu schreiben versucht, sollte zusehen, daß die großen Gesten moderner Studioproduktion nicht die Gefühle, die im Kleinen liegen, zuschüttet und plättet. Wem nützt das heiße Bügeleisen in der Produktion, wenn die Stärke der walisischen Dreckwäsche bislang darin lag, daß Kelly Jones kratzige Stimme über die knittrigen Songs gelegt wurde? Wen berühren abgeschliffene Ecken und sorgsam gefaltete Kanten, wenn es gerade die sympathische Widerborstigkeit war, die Alben wie "Word gets around" und "Performance and cocktail" zu Freudenfesten für Leute machte, die ganz einfach mal wieder simpel gestrickten Rock genießen wollten? Die Antworten verlieren sich im Schonwaschgang. Der Dampf, der früher in der Musik der Stereophonics zu finden war, steckt jetzt in einem Bügeleisen. Nun, dann kann man natürlich auch gleich die Bügelwäsche erledigen.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Mr. Writer

Tracklist

  1. Vegas two times
  2. Lying in the sun
  3. Mr. Writer
  4. Step on my old size nines
  5. Have a nice day
  6. Nice to be out
  7. Watch them fly sundays
  8. Everyday I think of money
  9. Maybe
  10. Caravan holiday
  11. Rooftop

Gesamtspielzeit: 45:45 min.

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