Karpatenhund - Karpatenhund #3

Karpatenhund- Karpatenhund #3

Virgin / EMI
VÖ: 11.05.2007

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Teenage kicks

Im Sommer 2004 ahnt noch niemand, dass Locas In Love mit "Saurus" eines der erfreulichsten deutschsprachigen Alben des Jahres 2007 aufnehmen würden. Der Plattenvertrag mit Virgin ist zu diesem Zeitpunkt ungefähr so weit entfernt wie Köln-Porz von Kuala Lumpur. Björn, Stefanie, Jan Niklas und Mauri jobben zwecks Aufbesserung der Bandkasse auf der Sportbootmesse in Düsseldorf und bekommen berufungsbedingt große Ohren, als dort ein Überraschungskonzert eines "internationalen Stargastes" angekündigt wird. Der Auftritt des vermeintlichen Weltstars erweist sich dann eher als ernüchternd. Und das, obwohl es sich um David Hasselhoff handelt. Direkt vor der Bühne lernen die Vier aber wenigstens die ebenfalls messejobbende Abiturientin und Jungschauspielerin Claire Oelkers kennen und beschließen spontan, mit ihr eine Zweitband zu gründen.

Wobei: Karpatenhund ist nicht einfach eine Zweitband, Karpatenhund ist Konzeptkunst. Kunterbunter Sorglos-Pop mit Indie-Appeal, Schulmädchen-Charme und Abstauber-Refrains. So durchschaubar, wie die gläserne Karpatenhund-Skulptur, um die es in der berühmten "???"-Folge geht, nach der sich die Fünf benannt haben. Es ist gut möglich, dass die Messe-Story gar nicht wahr, sondern nur Teil eines ausgefuchsten Masterplans ist. Der übrigens auch vorsah, sich innerhalb eines Jahres einen Major-Plattenvertrag zu angeln. Sonderlich indie-kredibel ist das natürlich nicht - aber wer möchte es den guten Locas In Love schon verübeln, sich just for fun and finance eine zweite Heimat zu gönnen?

Die nette Top-50-Single "Gegen den Rest" dürfte Frühabendfernseher als Titelsong der Serie "Türkisch für Anfänger" bekannt sein. Oder auch schon als Weezers "Photograph" mit englischem Text und minimal anderer Füllung. Für die rotzige Fortgeschrittenen-Gitarre ist übrigens der amerikanische Produzent Peter Katis (Interpol, The National, Clem Snide) verantwortlich. Und der hat nicht nur mal eben kurz in die Saiten gegriffen, sondern während des Abmischens von "Saurus" nebenbei auch gleich das Karpatenhund-Debüt gemixt. Tadellos. Womit man allerdings durchaus ein Problem haben könnte, ist Claires gezuckerte Girlie-Stimme, die sich auch gerne mal jauchzend überschlägt, wie man es zuletzt bei Schlagersängerin Nicki gehört hat. Spätestens ab Lied Nummer fünf ist klar, dass es sich hier um einen clever und humorvoll kalkulierten Teenie-Soundtrack handelt: "Und wenn Du jetzt gehst / Geh vorsichtig und leise / Damit meine Eltern Dich nicht hören." Erwachsenen-Unterhaltung können die Kölner dann doch irgendwie besser.

Aber der Karpatenhund weiß, was er will: Stramm und zielorientiert marschiert der Bass direkt in Sekunde eins los, um dem Klärungsbedarf von "Ist es das, was Du wolltest" den Rücken zu stärken. Tiefergründige Fragen werden in den folgenden 45 Minuten zwar nicht erörtert und auch keine wirklich originellen musikalischen Antworten gegeben, dafür aber in einer ganz bezaubernden Glockenspiel-Synthiepop-Symbiose "Ich will, dass Du bleibst" verkündet. Auch wenn so manches zu süß, zu grell oder zu schablonenhaft geraten ist: Das zart gehauchte "Stunts" ist schon herzerfrischend: "Wir wollten nie ein Fernsehfilm werden / Sondern immer ein Kinofilm sein." Endlich hat David Hasselhoff mal wieder eine bedeutende Nebenrolle gespielt.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Gegen den Rest
  • Ich will, dass Du bleibst
  • Stunts

Tracklist

  1. Ist es das, was Du wolltest
  2. Zusammen verschwinden
  3. Gegen den Rest
  4. Nicht wirklich glücklich
  5. Ich will, dass Du bleibst
  6. Tag, der nicht vergeht
  7. Szene 1
  8. Kein Wort mehr
  9. Eigentlich wollte ich mich nicht mehr verlieben
  10. Stunts
  11. Für immer
  12. Oh ja

Gesamtspielzeit: 45:45 min.

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