Wilco - Sky blue sky

Wilco- Sky blue sky

Nonesuch / Warner
VÖ: 11.05.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Und es war Sommer

"I survived / That's good enough for now." Was Jeff Tweedy da im Titelstück von "Sky blue sky" so lakonisch vom Stapel lässt, könnte man beinahe mit Resignation verwechseln. Doch das menschliche Drama zu überstehen, das sich durch das letzte Wilco-Meisterwerk "A ghost is born" zog und dessen Größe möglicherweise erst ermöglichte, ist durchaus etwas, worauf Tweedy stolz sein kann. Zum Glück weiß er das längst und kokettiert lediglich ein wenig. Mit den Zeilen "Maybe the sun will shine today / The clouds will blow away" beginnt das sechste Album von Wilco denn auch zaghaft optimistisch. Und tatsächlich weht wenig später in "You are my face" eine Gitarre herüber, die wie die sanfte Nachmittagssonne klingt.

Schnell spürt man, wie sehr sich hier eine Band gefunden hat. Und ohne die vermeintlich unterminierende Produktion von Jim O'Rourke, der diesmal nur ein paar feine Streicher arrangierte, lenkt nichts mehr von Tweedys meisterlichen Songs ab. Fast simpel konstruiert scheinen sie. Wilco schütteln sich die Akkorde so befreit aus dem Ärmel, dass man sich wie bei einer lockeren Trainingseinheit im Proberaum fühlt. So viel Entspannung lenkt ab: Denn längst wird heimlich an den Grundfesten der Lieder gerüttelt. Nicht mit Stilbrüchen und Samplegewirr. Sondern mit raffiniert eingemogelten Beinahenaheliegendem und anderen Nachbarschaftsgeschenken.

Da baumeln Fußangeln so harmlos durch die Harmonien, dass man sie kaum unterbewusst mitbekommt. Im einen Moment erinnert "You are my face" noch an ein kleines Brüderchen von Leonard Cohens "Suzanne", und plötzlich rumpeln von den Beatles angewärmte VOX-Verstärkern durch den Song. "Side with the seeds" schwelgt sich das Herz wund, bis ein paar Gitarrentriolen dem Schmachtfetzen verblüffend schlüssige Postrockismen beibringen. "Walken" schlendert erst fröhlich durchs Nirgendwo und bekommt dann gleichzeitig Hitzewallungen und Rostflecken. Sogar Nels Clines Flitzefinger bekommen eine formidable Manege. Anderswo darf ein Gospel auch einfach mal ein Gospel sein oder ein Folkschunkler ein Folkschunkler. Und alles fügt sich puzzlegenau zusammen, als dürfte es gar nicht anders klingen.

"But this is what love is for / To be out of place / Gorgeous and alone", vertraut Tweedy in "Impossible Germany". Auf sich selbst, und vor allem auf die Liebe. Tweedy rückt immer näher an dieses große Gefühl herab, das er schon immer auf dem Herzen hatte, sich aber nie so schamlos auszuleben getraute. Mit dieser Mannschaft im Rücken jedoch gehen sogar die aufreizenden Soulanwandlungen von "Hate it here" in tüchtiger "Abbey road"-Raffinesse auf. Wenn man nur ein wenig an der Oberfläche kratzt, glitzert es in der Tiefe. Und als dann am Ende "On and on and on" den Kreis von "Either way" schliesst und in Schönheit stirbt, erübrigt sich jede Trauer. "Please don't cry / We're designed to die." Alles geht vorüber. Es ist ein Grund zur Freude.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • You are my face
  • Side with the seeds
  • Walken
  • On and on and on

Tracklist

  1. Either way
  2. You are my face
  3. Impossible Germany
  4. Sky blue sky
  5. Side with the seeds
  6. Shake it off
  7. Please be patient with me
  8. Hate it here
  9. Leave me (like you found me)
  10. Walken
  11. What light
  12. On and on and on

Gesamtspielzeit: 51:10 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

dreckskerl

Postings: 1077

Registriert seit 09.12.2014

2019-08-05 09:58:19 Uhr
@46
Wesentlich interessanter wäre dein Post, wenn du die WIRKLICH Großen aus deiner Sicht, mit ein paar Namen versehen hättest.

VelvetCell

Postings: 1428

Registriert seit 14.06.2013

2019-08-05 09:48:05 Uhr
Vor allem Pink Moon.
46
2019-08-05 04:44:10 Uhr
Jeff Tweedy ist schon ein ganz Großer.
Ne Beleidigung für die WIRKLICH Großen! ;-)

dreckskerl

Postings: 1077

Registriert seit 09.12.2014

2019-08-04 21:21:25 Uhr
Dann magst doch sicher auch die Nick Drake Alben.

VelvetCell

Postings: 1428

Registriert seit 14.06.2013

2019-08-04 20:54:10 Uhr
Richtig, dreckskerl. Mein Nick ist eine Gravenhurst-Referenz. Völlig unterschätzte Band bzw. Künstler mit leider tragischem Ende.
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