Scut - This is how it feels when you stumble

Scut- This is how it feels when you stumble

Alison / Cargo
VÖ: 04.05.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Let go

Eine Popgruppe ist keine Fußballmannschaft. Mit einer Popgruppe geht man nicht durch dick und dünn. Naht der Abstieg, geht der Fußballfan eben mit unter. Der Popfan hingegen rümpft entrüstet die Nase. Ist allerdings ein Aufstieg in Sicht, ist der Fußballfan vorsichtig, der Plattenliebhaber voreilig. Und ruft (viel zu laut): "Ich hab's schon immer gewusst!". Das Quartett Scut legt mit dem Albumtitel seines Zweitwerks indes eine falsche Fährte. Es verscheucht die FC Bayern-Fans der deutschen Popmusik und setzt auf Treue, Freundschaft und Ehrlichkeit.

Doch braucht hier niemand mit falscher Bescheidenheit hausieren zu gehen. Es wäre nämlich gut möglich, dass Scut aus Amerika kommen. Aus New York. Wo sie die Bettenburg der Nachbarn von Nada Surf stützen und mit den Diggs um die Häuser ziehen. Scut könnten aber auch aus England kommen und mit den Bluetones im Sonnenuntergang schmusen. Stattdessen kommt der Vierer aus der hessischen Metropole Wiesbaden. Und steht damit geografisch ziemlich allein auf weiter Flur. Denn solch wunderbar perlender, eingängig schöner Indie-Pop hat in diesem Lande wahren Seltenheitswert.

Schon nach spätestens 37 Sekunden haben Scut alle Hörer zu Tränen gerührt, wenn ein zartes "Hello" über melancholisch schrammelnde Gitarrenakkorde weht und der Gesang von Markus Losert beginnt. Da macht sich der Kloß im Hals breit, da klopft das Herz gleich doppelt so schnell. Oder wenn die sehnsüchtige Stimme von Regine Schröter (Bass) in "Over and out" schwerelos über den vielleicht rührendsten Popsong der deutschen Musikgeschichte schwebt. Da bleiben alle Fragen zu Hause. Und der Kopf bettet sich in Wolken.

"This is how it feels when you stumble" ist Gitarren-Pop auf ganz hohem Niveau. Schnelle Schrammelsongs ("Summer's gone") und dezente Noise-Elemente ("Disconnect") treffen auf strahlende Pop-Oden und kleine Liebeslieder, die man allesamt nicht so schnell vergessen kann. Dies ist ein Soundtrack zum Erwachsenwerden, zum Kuscheln im Sonnenuntergang. Ein Suchtprogramm für die ganze Familie. Scut würde man am liebsten für sich behalten und die Erfolgsfans zum Teufel jagen. Lange geht das wohl nicht mehr gut. Doch mit Scut im Herzen fällt man weich. Egal, wer zuhört.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • This thinly veiled metaphor
  • Over and out

Tracklist

  1. This thinly veiled metaphor
  2. Maybe
  3. Drop down
  4. Over and out
  5. Stay awake
  6. Summer's gone
  7. K5
  8. Amelie is starting to happen
  9. The luxury of self pity
  10. Disconnect

Gesamtspielzeit: 40:37 min.

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