Sonya Kitchell - Words came back to me

Sonya Kitchell- Words came back to me

Emarcy / Universal
VÖ: 04.05.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Drünter und druber

Ob man sich vertikal nach oben oder unten bewegt, an dampfender Gerätschaft quer über das Bügelbrett fegt, durch verschwitzte Heerscharen von Armen und Beinen stolpert oder aber in bequem horizontierte Traumlandschaften abdüst - es sollte eigentlich egal sein, wo und wozu man gute Musik hört. Dennoch trifft folgender Vorwurf stets hart, und Sonya Kitchell, neueste Nachzucht aus der amerikanischen Vocal-Jazz-Pop-Schmiede, wird ihn wohl schon bald zu hören bekommen: Zu ihren Kompositionen könne man bestenfalls staubsaugerreitende Putzkolonnen im Fahrstuhl zum Schafott schicken. Wenn man dann noch süße 18 ist und seine Platte unter anderem via Starbucks vertreiben lässt, so sind das zwei weitere Gründe, Kitchell endgültig in ihrer ganz persönlichen, von einer Café au lait schlürfenden Bill-Cosby-Brut bevölkerten Klischee-Hölle herzlich willkommen zu heißen.

Doch wie man es auch dreht und wendet: Egal ist immer noch 88 und nicht etwa 666. So braucht auch Kitchell nicht erst ganze Stile auf den Kopf zu stellen, um mit "Words came back to me" ein im Genre punktlandendes und, ja, durchaus beeindruckendes Debüt hinzulegen. Ähnlich wie zuletzt bei Norah Jones, besteht der Grundbau ihrer Lieder meist aus Folkcharaden, die ihren Jazz, Blues oder Soul im flüchtigen Detail eines Akkordwechsels, einer kurzen Betonung, eines Zwischentaktes oder schlicht der passenden Instrumentierung an- und ausdeuten. Dass die großen, wissenden Gesten dabei ausbleiben und die Songs auch stripped down sehr gut dastehen, ist ein großes Plus von "Words came back to me".

So gehört die Entwicklungskurve von "Too beautiful" zum zugleich Edelsten und Behutsamsten, was man gereicht bekommen kann. Wenn aus einem derart verhaltenen Beginn eine solch große Hymne wird, dann legt sich nämlich der Abwasch zur näheren Beschäftigung quasi von selbst aus der Hand. Ähnlich ergeht es "Words", bei dem tief pochende Percussions zum Schluss die Reste dessen aufkehren, was zuvor ein Coldplay-Tränenmeer zu eloquenter Coolness zerkrümelt hat. Auch "Jerry" brummt in bester Drama-meets-Cello-Manier. Und selbst die uplifting Trauerkloßmelodien von "No matter what", "Think of you" und "Cold day", die wohl das Singlerennen unter sich ausmachen werden, präsentieren genug Ablenkung und Dramaturgie, um sich stets noch mal zu sich selbst umzudrehen oder sich selbst über sich selbst zu stülpen. 88, Sie wissen schon.

Ansonsten pluckern die Standbässe, streichen die Besen über schiffsladeraumtiefe Snares, spielt das Piano Synkope über Synkope, fragt mal eine Orgel nach dem Entrée Billet und zeigt Kitchell ebenso selbstbewusst wie -sicher, dass sie mindestens ein Plektrum unter jedem Fingernagel und wenigstens 30 Jahre mehr auf den Stimmbändern hat, als in ihrem Reisepass stehen. All das ist in der Tat sehr viel besser als, sagen wir, die Sonntagsbeilage der New York Times zum Nachmittagstee. Darauf einen Doppelmokka in den Tank des Hoover, aufgesattelt, eingekuppelt und heidewitzka ab dafür. Denn: If you got a vacuum cleaner - ride it!

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Words
  • Think of you
  • Too beautiful

Tracklist

  1. Let me go
  2. Train
  3. Can't get you out of my mind
  4. Words
  5. Cold day
  6. No matter what
  7. Simple melody
  8. Think of you
  9. Too beautiful
  10. Tinted glass
  11. I'd love you
  12. Jerry

Gesamtspielzeit: 51:11 min.