Vague Angels - Truth loved

Vague Angels- Truth loved

Expect Candy / Hausmusik
VÖ: 20.04.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Whirlwind heat

"I've been waiting, anticipating / Sun comes up / The skies won't sink my soul / I've dreamt of this / But it never comes / But it never comes." So beendeten Pavement ihr Debütalbum "Slanted and enchanted" 1992 und sahen ihr unbedeutendes Ziel von bedingungsloser, unprätentiöser Authentizität schon vor allem Anfang in einer schmalzigen Soße aus Posern, Plastikpop und aufgezwungener Pseudoalternative untergehen. Heutzutage ist Authentizität ein geläufiges Schimpfwort, die bunt in Schale geworfenen Poser regieren den Musikzirkus. Und selbst die, die sich medienwirksam dazu anstellen, neue Bewegungen von fragwürdiger Aufrichtigkeit in die Welt zu setzen, haben Verträge mit diversen Teufeln abgeschlossen. Trauernden Nostalgikern, denen der kurze Frühling der wirklich-wahren Authentizität mit Malkmus & Co., Guided By Voices, Unrest, Sebadoh, etc. Anfang und Mitte der 90er noch in der Nase kitzelt, wird dummdreist vorgeworfen, sie hätten den Pop nicht verstanden.

Es gilt also nun, den immerwährenden Nullcheckern, die sich längst in den Untergrund verkrochen haben, zu vermitteln, dass sie nicht alleine sind. Chris Leo, genau, d-e-r Chris Leo (u.a. Bruder von Ted Leo) ist zurück und kann die nun offenstehenden Mäuler mit neuem musikalischen Input stopfen. Der frühere The-Van-Pelt- und The-Lapse-Chef, der die späten 90er mit vier grandiosen Alben und einem intelligenten Mischmasch aus Post-Hardcore, Lo-Fi-Frickeleien und anstrengendem Indierock, garniert mit folkig-bluesigen Zügen, versorgt hatte, gilt auch heute noch bei namhaften Musikern als oberster Einfluss. Allerdings ist der bekennende New Yorker wieder einmal viel zu spät dran in Europa, denn schon seit 2004 gibt es "Truth loved" zu kaufen. Allerdings zu damaliger Zeit nur in Verbindung mit seinem ersten Roman "White pigeon", denn, tatsächlich, Leo ist unter die (begabten) Autoren gegangen und veröffentlichte vor kurzem sein zweites seitenstarkes Werk. Der Clou des Erstlings: Dem siebten Kapitel, das die Geschichte einer Band namens The Breaks erzählt, war nur die hier beschriebene CD beigelegt. "Truth loved" bildet das Debüt der fiktiven Breaks, eingespielt von den Vague Angels, geleitet von Chris Leo. Klingt verwirrend, aber dank einer sondierten Neuveröffentlichung unter dem Namen Vague Angels, braucht der Hirnschmalz sich nicht wirklich in Arbeit zu stürzen.

Vorzuwerfen wäre Herrn Leo, dass er in der Vergangenheit lebt und seinen Stil nicht besonders erweitert hat. Aber wenn das Prädikat Zeitlosigkeit zu irgendwem passt, dann zu ihm und seinem heimischen Aufnahmestudio, das sich mit einem Arsch voll Desinteresse und einem erhobenen Mittelfinger vor solch ungerechtfertigen Anschuldigungen schützt. Die Geschichte der Breaks ist eine zynische, ein mit unnötigem Alkoholkonsum, idiotischen Exzessen, schlechtem Sex und dummen Witzen. Irgendwo in diesem Haufen Müll macht man sich auf leisen Sohlen auf die Suche nach einer blühenden Rose. Die Distanz muss der Hörer selbst aufbauen, der Weg ist das Ziel: Ein furioses, rhythmisches Durcheinander kotzt Leo gleich zu Anfang aus. Von einnehmender Larmoyanz steigert sich "A trinity of pairs" zu gleichförmiger Aggression. Ob nun "Where cherry blossoms breeze past lotus leaves" oder "Themepark Ashtray in Ashtray Themepark", man fühlt sich durchgängig getrieben, gehalten, geschubst und von den physikalischen Gesetzen des Musizierens verarscht, während einem der Schweiß die Tränen des Glückes in die Augen treibt. Kein Kopfkino, nichts ist kalkuliert oder bis zum Zerbersten einstudiert. Gitarren drehen sich ungeübt im Kreis, laufen plötzlich geradeaus, stolpern über ein Drumfeuerwerk, liegen geschlagen am Boden von den saitenstarken Kollegen. Leo fabuliert wild, assoziiert dreist und gnadenlos. Melancholisch, albern, bescheiden, verträumt. Poesie mit Inbrunst, Ehrlichkeit und Liebe. "Truth loved" pulsiert in Ganzheit.

Es darf geträumt werden, wenn auch nur für vierzig Minuten. Indierock hat wieder Halt gemacht im Underground: Im Hirn eines liebenswürdigen, eigenbrötlerischen Wahrhaftigen, der sich nicht zu schade ist, den Rest seiner ausformulierten Tagträume auf "Truth loved" durch die eckige und kantige Mangel zu drehen. Das ist keine Revolution, die Worte von Pavement sind immer noch Wahrheit genug. Kein Aufbruch zu alten Ufern. Nur eine phantastische Rückkehr eines verdammt großartigen Musikers.

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • Where cherry blossoms breeze past lotus leaves
  • Themepark Ashtray in Ashtray Themepark
  • The mega-hang is ALWAYS the heavy-hang
  • Hurry! Hurry! Before it happens again

Tracklist

  1. A trinity of pairs
  2. Where cherry blossoms breeze past lotus leaves
  3. The long, Coy Hue of steaming Emeralds
  4. Themepark Ashtry in Ashtry Themepark
  5. Secondhand smoke
  6. The difference between this, that or the other thing
  7. The mega-hang is ALWAYS the heavy-hang
  8. Let the Formula Forge itself fantastic
  9. A man needs a mirror
  10. Fightin' for the last pick
  11. ...and then I knew no one
  12. Hurry! Hurry! Before it happens again

Gesamtspielzeit: 43:12 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
vheissu1
2007-10-05 10:26:08 Uhr
Pflicht Termin!
30.11. in München Feierwerk!
niels
2007-10-05 10:23:02 Uhr
Vague Angels auf Tour im November/Dezember, Tourdaten auf www.selmatravels.de
vheissu1
2007-08-17 10:49:31 Uhr
So, man kann ja mal wieder an diese wirklich großartige Platte erinnern. Chris Leo hat mal wieder nach Van Pelt und The Lapse einen großartigen Wurf gelandet!
Robert
2007-05-13 12:36:32 Uhr
Weitere Infos zur Platte/Band plus MP3 auf der Labelwebsite (www.expectcandy.com) und auf www.myspace.com/vagueangels
mr.pink
2007-05-07 19:41:14 Uhr
hör lieber mal appleseed cast
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