Jesu - Conqueror

Jesu- Conqueror

Hydra Head / Indigo
VÖ: 04.05.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Expedition Hoffnung

Jesu trauen sich langsam nach draußen. Raus aus ihrem dunklen, stickigen Kämmerlein mit diesem kleinen Fenster, durch das sie auf dem selbstbetitelten Debüt ab und an zaghaft lugten, sich aber letztendlich nicht wagten, einen Schritt in die helle Landschaft davor zu setzen. Eng, bedrohlich, beklemmend und zu tiefst dunkel waren diese Zeiten. Mit der EP "Silver" kam nicht nur namentlich etwas glänzend funkelnde Hoffnung in den Raum. Nein, es war auch der Blick durch das Loch in die weite Welt, welcher Horizonte öffnet. Menschlich und musikalisch.

Vorsichtig tapsen Jesu mit "Conqueror" nun in einer ihnen nicht gänzlich unbekannten, aber dennoch nicht sonderlich vertrauten Welt. Die Welt der Hoffnung, im Entferntesten auch die Welt des Pop und der Farben. Natürlich mag man das nicht auf den ersten Blick vernehmen, denn das Artwork, die Songs und die Texte sind immer noch von diesem melancholisch-traurigem Schleier überzogen. Doch die Schritte führen von der Depression in Richtung Leben. Graue Industrieanlagen und kilometerhohe Schornsteine erwecken zwar noch längst keine Partystimmung, aber symbolisieren immerhin menschliches Dasein.

Eine Existenz von Zuversicht und Glaube, die sich auch schon im ersten Song "Conqueror" wiederspiegelt. "All our colours will always be with us." Licht am Ende des Tunnels gänzlich ohne Weltuntergangsgitarren und Misanthropengesang. "Transfigure" setzt dem sogar noch einen drauf, wenn der Song beinahe in einer weihevollen Liebesbekundung gipfelt. Und der Beginn von "Mother Earth" erst, das zurückhaltend verspielt beginnt, sich zwar zuspitzt, aber trotz aller Schwerfälligkeit am Ende diese schleppend-schleichende herzige Melodie zulässt.

Es ist wie auf jeder Entdeckungsreise: Jesu betreten sachte neuen, fruchtbaren Boden, tasten sich vorsichtig hier und da heran und probieren unter Bedacht Frisches aus. Doch der eigentliche Gehalt jeder Exkursion ergibt sich erst aus den Erkenntnissen über Sackgassen, in die man gegangen ist, und die liegen bei Jesu in ihrer Gutgläubigkeit und Zaghaftigkeit. Man spürt zwar die Mischung aus ruhiger Freude und bedrückten Bedenken, vermisst aber in Songs wie "Old year" oder "Brighteyes" diese kindlich, naive Unbekümmertheit, auch einmal hinter der Absperrung zu spielen, da der eigene Bolzplatz mittlerweile langweilig geworden ist. Die Entdeckung der Welt ist längst nicht abgeschlossen. Eine Reise der Trippelschritte.

(Christoph Schwarze)

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Highlights

  • Transfigure
  • Mother Earth

Tracklist

  1. Conqueror
  2. Old year
  3. Transfigure
  4. Weightless & horizontal
  5. Medicine
  6. Brighteyes
  7. Mother Earth
  8. Stanlow

Gesamtspielzeit: 57:55 min.

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User Beitrag
stillill
2008-07-29 11:32:07 Uhr
neulich die japan version (mit sun down/sun rise auf cd 2) bestellt. müsste bald hier sein :)
Ocean
2008-07-29 10:51:00 Uhr
Überzuckert naja kann ich nicht so guet beurteilen weil ich bisher nur dieses Album kenne. Finde es aber von der Stimmung her eher depressiv.
Sheriff_Lobo
2008-07-29 10:23:42 Uhr
Die Zutaten sind im wesentlichen schon gleich. Dass Conqueror aber so überzuckert ist, dass man davon Zahnschmerzen bekommt, steht außer Frage.
stativision
2008-07-29 10:19:36 Uhr
also für mich gibt's da schon große unterschiede. "conqueror" ist doch deutlich süßlicher als jesu davo.
aber eigentlich habe ich keine ahnung
Sheriff_Lobo
2008-07-29 10:13:14 Uhr
So habe mich nun einen Monat mit Conqueror beschäftigt und muss sagen es ist eher ein durchwachsenes Album.

Es soll Leute geben, die weniger als einen Monat benötigt haben, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen ;-)

Ich hoffe die anderen sind im ähnlichem Stil oder noch etwas abwechslungsreicher.

Besorg dir die Vorgänger; insbesondere das Selbstbetitelte. Stilistisch gibt es da noch nicht mal so große Unterschiede. Das Zeug vor Conqueror ist schlicht und einfach um Längen besser.
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