Hobotalk - Homesick for nowhere

Hobotalk- Homesick for nowhere

Glitterhouse / Indigo
VÖ: 04.05.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Auferstanden aus Regenrinnen

Mit "Beauty in madness" waren Hobotalk einst Vorreiter des "New acoustic movement", das zur Jahrtausendwende für gefühlte drei Stunden aus aller Welt wie ein Fallwind über Europa strömte, um sich bald darauf zu einem "Quiet is the new loud" zu verwirbeln und in ungeahnte Stratosphären zu kondensieren. Hobotalk störte das wenig. In aller gebotenen Ruhe legten die Schotten mit "Notes on sunset" ein zu Recht selbstbewusstes Zweitwerk nach und regnen nun mit "Homesick for nowhere" aus den Schleierwolken herab, in denen ihr einstiger Minihype ausgedampft ist.

Das alte Credo von Mastermind Marc Pilley, er wolle seine Stimme direkt über die Schultern seiner Hörer in ihre Ohren und Seelen strecken, erfüllt "Homesick for nowhere" erneut aufs Vortrefflichste. "How it is", "Settin fire to flame" oder auch "People keep on" sind Paradebeispiele eines Stils, der mit zu großer Ruhe vorgetragen wird, um die Lauschlappen zum Erzittern zu bringen, gleichzeitig aber zu nahe heranrückt, um die Songs einfach kaum gehört verrauschen zu lassen. Da stets hinter dem Rücken vorgetragen, entfaltet sich Hobotalks Musik in diesen Momenten zu einer Art Jenseits der Unsichtbarkeit. Der Country, der Folk, die leichten Spitzen aus Blues und Soul werden zwar mit voller instrumentaler Kraft vorgetragen, sie verlieren sich aber auch in der zugleich luftigen und tief sitzenden Melancholie von Pilleys Kompositionen.

Auch die Gastmusiker, immerhin vom Schlage Chris & Carla oder Michael Weston King, wehen eher durchs geöffnete Studiofenster hinein und wieder heraus, als dass ihnen mit viel Bohei der Jubelflokati ausgerollt werden würde. Obwohl ihre Präsenz beständig zu fühlen ist, bleibt sie doch ungreifbar. Hat da im Refrain des wunderschönen "Don't say goodbye" oder auch bei "Dream on" tatsächlich jemand die Stimme erhoben oder doch nur kurz am Mikrofon vorbei gewunken? Ist das wirklich eine Mundharmonika oder doch wieder nur einmal der Wind, der auch die Schlagstöcke über Drumkit und Piano zugleich rollen lässt? Ist der spitze Schrei, der "These times sure could break your heart" unterlegt, in der Tat als geschmeidige Ironie gemeint oder schallt doch nur nachbarschaftliche Ekstase durch die Studiomauern? Meist ist das ebenso schwer zu sagen, wie es für die außerordentliche Ökonomie und Güte von "Homesick for nowhere" nichts zur Sache tut.

So ist auch das in fünf Teilen über das Album verstreute "Homesick" ein Sinnbild dieser Ökonomie. Dahin geworfene Tonfragmente ergeben für sich genommen zwar kein Ganzes, fassen aber doch zusammen, wie sich "Homesick for nowhere" übersetzen ließe. Als ebenso ungreifbares wie chancenreiches Sehnen, das, hier keine Missverständnisse bitte, in Hobotalks stets edel ausstaffierten und klar durchkomponierten Stücken trotz allem sein Zuhause findet. "You know the song / Just don't know where it's commin >from / It's singing life goes on", tuschelt Pilley mit einer auf die Regenschleier im wörtlichen Sinn pfeifenden Schwerelosigkeit. Und der Hörer fasst gar nicht mehr, wie viel Kraft und Licht eine kleine Zeile ins Dunkel bringen kann. The invisible is the new light.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Dream on
  • Settin fire to flame
  • Doesn't life go on
  • Don't say goodbye

Tracklist

  1. Homesick pt 1
  2. These times sure could break your heart
  3. How it is
  4. Dream on
  5. Homesick pt 2
  6. Settin fire to flame
  7. Fallin for you again
  8. People keep on
  9. Homesick pt 3
  10. Between the graveyard and your door
  11. Life looks better (Lookin at it through you)
  12. Doesn't life go on
  13. Homesick pt 4
  14. Me myself
  15. Today
  16. Homesick pt 5
  17. Don't say goodbye

Gesamtspielzeit: 47:32 min.

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