Geist - Für alle Zeit

Geist- Für alle Zeit

Danse Macabre / Al!ve
VÖ: 30.03.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Mephistofeles

"Ich bin der Geist, der stets verneint." Es muß natürlich nicht gleich eine derart faustianische Verleumdungsabsicht dahinter stecken. Trotzdem hätte man sicherlich früher auf diese Musik kommen können: Zupackender Breitarschrock fürs gepflegte Querdenken hat ja schon seit den mittleren Neunzigern eine gewisse Zielgruppenbindung hinter sich. In deutscher Sprache jedoch hat man so etwas noch nicht so häufig - in Zahlen: null Mal - gehört. Und so mussten die Kölner Geist erst bei einem Gothic-Label unterkommen, um "Für alle Zeit" vorlegen zu können. Wenn da das Umfeld mal nicht für Vorurteile sorgt!

Doch obwohl Sänger Fares Rahmun seine gedehnten Verse gerne mit einem Pathos anreichert, das auch Schwarzkittel goutieren können, kommt dieser Eindruck frühestens an zweiter Stelle. Denn der erste Gedanke fokussiert das aufbrausende Rockgeschehen: derbes Schreddern, beseeltes Sägen, aufwühlende Grooves. Handliche Riffs geben raffiniert gestrickten Strukturen ordentlich Feuer. Und immer wieder scheucht Rahmuns Gesang die Vermutung, derlei doch sicher schon einmal gehört zu haben, beiseite. Doch es ist tatsächlich so: Wo sich das musikalische Innenleben irgendwo zwischen frühen Tool, mittleren Soundgarden und späten The Almighty einschummelt, setzen die deutschen Texte ein echtes Ausrufungszeichen.

So manche Neurose breitet sich im kantigen Moll aus. Manisch wie in "So viele wie Du". Faszinierend wie im Haken schlangenden "Leider", bei dem sich Rahmus auf die Spuren von Maynard James Keenan begibt. Salbungsvoll wie im achteinhalbminütigen Titelstück, das vor Leidenschaft um sich selbst kreist. Oder flehend wie bei "Wer, wenn nicht ich", dem sein rastloses Voodoovideo bestens steht. Zwischen Rahmuns Stürmen, Drängen und Verzweifeln bekommen Vokale ein Eigenleben und verlieren Reimschemata ihre Existenzberechtigung. "Du treibst mich aus meinem Wahnsinn", hallt es aus dem Gitarrendickicht.

Genau wie die Charaktere in den Texten zerreiben sich die Songs, zelebrieren ihre Höhen und Tiefen und loten die Extreme aus. Vor allem Lars Dittrichs Drums schubsen den Vierer immer wieder in neue Richtungen. Bei aller Vertracktheit bleiben seine Grooves stets leichtfüßig genug, um Platz für nackenschüttelnde Riffs und zerrende Breaks zu machen. Immer bereit zum nächsten Sprung. Immer zur Stelle, wenn die Gefühle überquellen und nach Nachdruck schreien. "Für alle Zeit" mag nicht die kunstvolle Abstraktion oder die klangliche Eleganz der großen Vorbilder besitzen. Aber die Intensität, mit der die Kölner ihr Debütalbum durchleben, zieht den Zuhörer in ihren Bann. Da darf man auch mal den Teufel an die Wand malen.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Wer, wenn nicht ich
  • Wahnsinn
  • Leider
  • Für alle Zeit

Tracklist

  1. Wer, wenn nicht ich
  2. Wahnsinn
  3. Wertvoll
  4. So viele wie du
  5. Leider
  6. Rhino
  7. Für alle Zeit
  8. Achtung
  9. Zauber
  10. Einssein

Gesamtspielzeit: 64:52 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Watchful_Eye
2012-01-16 14:30:31 Uhr
Wie ist eigentlich deren neue, "Feuerengel"? Hat die wer?
Armin
2007-12-20 20:27:07 Uhr
Und weil ihr alle so lieb gewesen seid, haben wir auch was im
weihnachtlichen GEIST-Sack für euch: Leise kommen die Geister zur
Weihnachtszeit um die Ecke mit 3 Nummern in anderem Gewand. Unplugged
(zumindest fast ;-) Also Gratisdownload von Musik und Cover, zack:
gebrannt, gedruckt und fertig der neue pysikalische Tonträger - nur für
euch und nur bei uns auf
www.geistreich.org. Ab morgen im Laufe des Tages online!
Lars Vegas
2007-05-12 15:48:32 Uhr
Der Vergleich mit anderen, bekannteren Bands dieser Sparte mag berechtigt sein. Trotz allem finde ich die Platte eigenständig und grundsolide. Es ist eine von denen, die wachsen..
Tschengis
2007-05-12 11:39:47 Uhr
Achso, natürlich würd ich sowas trotzdem auf jeden Fall elf Trilliarden mal lieber beim "Deutschen Tag" auf HR3 oder dergleich hören als Julirevolvernaidoomond oder auch Herbert Grönemeier. :)
Wie auch schon bei den mittlerweile leider verblichenen Jet Black: Auf jeden Fall eine Bereicherung, dass es auch deutschsprachige Musik in diesem Stil gibt.
Tschengis
2007-05-12 11:37:35 Uhr
Übelst Tool, find ich. Nich unbedingt schlecht jetzt, aber ich merke doch, dass ich einige Vorbehalte gegen deutschen Gesang hab.
Und vielleicht ist das nur mein Vorurteil, aber irgendwie versucht der Typ schon ein bisschen, zumindest in Richtung Maynard oder auch weniger grunzender Aaron Turner zu klingen, oder?
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