Garish - Parade

Garish- Parade

Tapete / Indigo
VÖ: 04.05.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Circus minimus

Zirkus. Und Garish. Wie passt das zusammen? Da haben die Österreicher in ihrer bisherigen Karriere drei wundervolle Langspieler produziert, die sicherlich zu den Perlen deutschsprachiger Popkultur zählen dürfen, und irritieren nun mit solch einem hässlichen Cover für ihr neustes Werk. Ein Litfaßsäulen-Plakat, die Ankündigung eines Zirkus, der die Stadt besucht. Und sich zu allem Überfluss auch noch als "Parade" ankündigt. Denkfehler? Fuß auf dem Schlauch? Garish kommen plakativ und waren dennoch nie so ideenreich.

Da sind zum einen Thomas Jarmers Texte - wundervoll verschroben, lyrisch versiert - die den Hörer warm und zärtlich einlullen, mit Atmosphäre statt Verklärung dienen. Da sind die prächtig arrangierten Songs von Christoph Jarmer und Julian Schneeberger, die mal mit einem Xylophon ihr Glück versuchen, mal einer Trompete viel Luft zum Atmen geben. Die Gitarren bleiben immer im Hintergrund, bilden einen bedachten Rahmen. Scheu und vorsichtig schleichen sich die Melodien von hinten heran, locken zum Baden in Selbstreflexion.

Da sind aber auch Momente, die den Hörer ein wenig verwundert auf die Boxen schauen lassen. War da eben wirklich ein kleines Knacken zwischen Oboe und Chor, war da eben noch eine ganz andere Harmonie zwischen Bass und Gitarre? Zurückspulen, noch mal hören. "Parade" lebt von einer Unzahl kleiner Feinheiten, vorsichtigen Harmonien, süßem Lufthauch. Und langsam schwant es, weshalb die Gruppe ihr viertes Album ausgerechnet "Parade" nennt.

Keine Frage: Dies ist das anspruchvollste Werk des Quintetts, es ist ein ausgereifter Prozess. Und genau deshalb auch in großem Maße angreifbar. Einige Umdrehungen muss man warten, bis der Vorhang fällt. Viel Geduld erzwingen, um den Element-Of-Crime-Verschnitt "Im Ärmel meiner linken Hand" lieben zu lernen. Für diese "Parade" ernten die in Österreich als musikalische Heilsbringer verehrten Musiker Applaus. Den stürmischen Beifall gab es jedoch bei den beiden Vorgängern.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Nach Dir benannt
  • Keiner außer Dir
  • Im Ärmel meiner linken Hand

Tracklist

  1. Duell
  2. Wie wahr
  3. Du bist wo?
  4. Sagst Du auch nein
  5. Nach Dir benannt
  6. Was kein Wort je erklärt
  7. Zufall
  8. Keiner ausser Dir
  9. Im Ärmel meiner linken Hand
  10. Rekord
  11. Aller Welt

Gesamtspielzeit: 48:27 min.

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