The Chariot - The fiancée

The Chariot- The fiancée

Solid State / Century Media / EMI
VÖ: 13.04.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Live, bunt und in Farbe

Das Belanglose - der Hintergrund:

Ja, The Chariot ist die Band des ehemaligen Norma-Jean-Sängers Josh Scogin. Ja, The Chariot sind auch eine dieser Christen-Bands von Solid State, die aus ihrer religiösen Gesinnung keinen Hehl machen. Und ja, The Chariot - oder besser: Josh Scogin persönlich - hat für "The fiancée" auch einmal wieder die komplette Mannschaft an den Instrumenten ausgetauscht. Angeblich waren das Debütalbum und die folgende EP (Achtung, witzige Songtitel!) noch nicht so ganz das Wahre. Aber die Storys haben alle schon Bart bis Bagdad.

Das Wesentliche - die Musik: Viel wichtiger ist, dass die Band jetzt angekommen ist: am Ziel, sowohl personell, wie auch musikalisch. Die wahre Definition von The Chariot. Das sagen sie zumindest selbst, und wir umrahmen es rot und setzen ein fettes Ausrufezeichen dahinter. Ende der Diskussion.

Viel anderes bleibt uns auch gar nicht übrig, denn "The fiancée" ist während seiner Laufzeit von gerade einmal 29 Minuten trotz allem derart vielfältig, dass der Scrollbalken explodieren würde, wenn wir alle Facetten ausführlich umschreiben würden. Ganz oben in der Liste müsste man dann allerdings die einzigartige, fesselnde Atmosphäre dieses Albums anbringen. Ein riesiger Topf feinster Gulasch aus allem, was dermaßen köstlich schmeckt, dass man sich am liebsten totfressen würde. Stampfender Metal, diffuser Krach per excellence, rotziger Punk, gegeneinander um die Wette quietschende Gitarren und abertausende Dinge mehr. Und über allem thront natürlich diese total angepisst-kranke Stimme von Sänger Josh Scogin, die schon in den ersten Sekunden von "Back to back" klar macht, dass es hier heftigst zur Sache gehen werden wird. Meine Herren!

Doch dabei ist das Rezept und Konzept dahinter eigentlich so dermaßen simpel, dass man sich fragt, warum es nicht viel mehr Alben dieses Kalibers gibt. The Chariot haben es einfach geschafft, ihre Spielfreude, ihre Emotionen und ihre Livequalitäten auf Platte zu transportieren. Mit all ihren kleinen charmanten Fehlern, die sich beim Liveeinspielen der Instrumente nun einmal einschleichen. Aber eben auch mit all ihrer Lebendigkeit. Und das Ergebnis klingt regelrecht nach dreckigem Keller, umgefallenen Bierflaschen und stinkendem Zigarettenqualm. Eine Menge Spaß quasi. Und genau das macht "The fiancée" auch aus.

Bei allem Faible für dissonantes Geschrammel und grundehrlichen, atmosphärischen Hardcore, der nicht selten in seiner Intensität an Poison The Well erinnert, legen The Chariot obendrein noch eine locker-flockige Experimentierfreudigkeit an den Tag, die ein Schmaus für die von Standard geschädigten Ohren ist. Oft nur vom Geschrei getragene Passagen mögen da erst der Anfang sein, doch wenn dieses dann zusätzlich langsam in mehrstimmige Chöre übergehen ("And shot each other"), wird es allemal hörenswert. In dem Abschlusssong "Forgive me nashville" gibt es sogar im zweiten Teil eine vollkommen unbehelligte Kirchenhommage. Und die ist sogar nicht einmal peinlich. Respekt!

Das Zusätzliche - die Randbemerkung:

Erst fällt es gar nicht so richtig auf, aber dann ertappt man sich doch dabei, wie man da sitzt und sich einen Kopf macht. Darüber, was in der aufpolierten Version von "Kenny Gibler (Play the piano like a disease)" von der "Unsung EP" gegenüber der jetzigen von "Then came to kill" anders ist, vielleicht eher noch weniger. Aber dafür über die Songtitel des Albums umso mehr. Hintereinander gelesen sind diese ein Auszug aus einem Kinderrätsel. Viel Spaß beim Philosophieren also. "If you don't believe this story's true / Ask the blind man, he saw it, too!" Und beim Rest zu "The fiancée" stimmt der Euch bestimmt auch zu.

(Christoph Schwarze)

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Highlights

  • And shot each other
  • The deaf policeman
  • Then came to kill (feat. Hayley Williams)

Tracklist

  1. Back to back
  2. They faced each other
  3. They drew their swords
  4. And shot each other
  5. The deaf policeman
  6. Heard this noise
  7. Then came to kill (feat. Hayley Williams)
  8. The two dead boys
  9. Forgive me Nashville

Gesamtspielzeit: 29:41 min.

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User Beitrag

Affengitarre

Postings: 5608

Registriert seit 23.07.2014

2016-06-08 18:08:31 Uhr
Oh busy busy bees
walking to and from
what if we close eyes?
What if we can't wake up?

The MACHINA of God

Postings: 17784

Registriert seit 07.06.2013

2016-06-08 14:45:08 Uhr
So, kommt heute auch mal wieder rein.
Dumbsick
2016-06-01 22:30:02 Uhr
Norma Jean haben ihren Sound auf redeemer gefunden.

The chariot gefielen mir auf dem Nachfolger (wars and...) am besten. Schmälert die Qualität dieses Albums in keinem maße.

Mein Favorit ist hier der opener back to back

Affengitarre

Postings: 5608

Registriert seit 23.07.2014

2016-06-01 19:34:38 Uhr
Oh ja, wahnsinnig gute Platte. Kann nicht verstehen, wie das teilweise als Standardmetalcore angeschrieben wird. Josh Scogin hat auch eine der geilsten Stimme des Genres, so herrlich hasserfüllt und energiegeladen und dann immer diese Feedbackeskapaden und der rohe Sound.

Naja, zumindest die O God, the Aftermath ist ähnlich geil wie das Debut und auch Redeemer hat seine Momente.

"O God.." habe ich zugegebenermaßen nicht gehört, sollte ich vielleicht mal nachholen. "Redeemer" ist wirklich nicht schlecht, aber kommt für mich auch nicht wirklich an The Chariot ran. "Meridional" ist noch ein Stückchen geiler als "Redeemer", find ich. Hat auch ein sehr cooles Cover und Artwork.

Gerade eben zufälligerweise noch "The Fox and the Wolf" von Bring Me The Horizon gehört, auf dem Josh auch randarf. Interessanterweise klingt Oli Sykes von BMTH auf dem Album dann noch, mehr als auf den anderen, deutlich nach Josh Scogin. Man muss schon ein wenig genauer hinhören, um die beiden auseinanderzuhalten.

boneless

Postings: 2476

Registriert seit 13.05.2014

2016-06-01 19:24:28 Uhr
Herrliche Platte. Großartiges Artwork und der Chaoscore dahinter hat sich erstaunlich gut gehalten (hab die seit Jahren nicht gehört). Then came to kill dürfte wohl jeden Paramore-Fan verstören, denn deren Frontgöre Hayley Williams darf im zweiten Teil des Songs schön abwesend herumnölen, während Scogin im Hintergrund weiter wütet. Nicht unbedingt das, was man von Williams erwarten würde, die sich bei Paramore ja aalglatt hält. Ansonsten gibts gut auf die 12 in unter 30 Minuten, jede Menge Riffs zwischen dem ganzen Noise und die ein oder andere klasse Spielerei, die ich gar nicht mehr im Gedächtnis hatte.
Live 2012 leider nicht so wahnsinnig wie erhofft, aber da waren ihre wirklich wilden Jahre wohl schon vorbei.

Ich dachte eigentlich eher an die nachfolgenden Alben mit dem neuen Sänger.

Naja, zumindest die O God, the Aftermath ist ähnlich geil wie das Debut und auch Redeemer hat seine Momente.
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