Gallery - S.M.I.L.E.

Gallery- S.M.I.L.E.

Virtual / TIS / Warner
VÖ: 19.03.2001

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mißglückter Bildersturm

Gallery - bei dem Namen klingeln sämtliche Alarmglocken. War das nicht die Band, die es gewagt hat, dem Sommer-Hit "Blue" von Eiffel 65 ein Punkkorsett umzuschnüren? Brachten sie es nicht fertig, einen Trash-Song aus den Untiefen der Charts so zu verwursten, daß man sich fast das Original zurückwünschte? Düstere Visionen über eine weitere Kaspertruppe zwischen Knorkator und J.B.O., die Heiterkeitserfolge durch die Verknüpfung von Charts-Pop und Gitarren zu erzielen versucht, quälen den Rezensenten, bevor er "S.M.I.L.E.", dem Full-length-Debüt der Schwaben, den Einzug in seinen CD-Player erlaubt.

Nach den ersten Hörgängen aber kann weitgehend Entwarnung gegeben werden: Gallery entpuppen sich als Verteter der Schublade Synthie-Rock, Unterabteilung Farmer Boys. Der Opener "Bong" lärmt zügig nach vorne und bemüht sich verzweifelt, wenn auch erfolglos, in die Fußstapfen von Größen wie Tool zu treten. "Puzzlemania" und "Fish" balancieren gekonnt zwischen Härte und Melodisität, vergessen dabei aber den Überraschungseffekt. Zu niedlich, um böse zu sein, zu angepaßt, um düster zu sein, und zu einfallslos, um spannend zu sein, verzichten Gallery auf markante Merkmale und verschwinden im Schatten allgegenwärtiger Vorbilder. Auch nette Einfälle wie das eingängige "Dream again" vermögen das Album nicht vor der Beliebigkeit zu retten. Als weitere Hürde stellt sich die ultraglatte Produktion heraus, die sämtliche Ecken und Kanten abschleift und durch ihre Sterilität den Druck aus der Scheibe nimmt.

Zwar haben unzählige gewonnene Talentausscheidungen und Auftritte bei Veranstaltungen wie "Top of the pops" der Band eine gewisse Routine angedeihen lassen, aber Talent alleine reicht eben nicht. Ohne jedes Image, eigenen Sound oder gar eigene Ideen ist der Weg Gallerys in den Orkus der Rockmusik bereits vorgezeichnet. Selbst das von der Plattenfirma verliehene Etikett "Erste Band aus dem Netz" kann keine Sympathiepunkte mehr einfahren: Gallery klingen wie frisch vom Reißbrett und enden beim Versuch, es allen rechtzumachen, zwischen allen Stühlen. Kaum jemand wird sich mehr im nächsten Jahr an "S.M.I.L.E." erinnern und selbst auf den Flohmärkten der Nation wird diese Scheibe neben ausrangierten Plüschhasen wohl einen schweren Stand haben. Nicht die Kunstgalerie, sondern das Panini-Heftchen für Abziehbildchen droht, wenn Gallery den eingeschlagenen Weg fortsetzen.

(Thorsten Thiel)

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Highlights

  • Dream again

Tracklist

  1. Bong
  2. Fish
  3. Smile
  4. Blue
  5. Dream again
  6. Syllogism
  7. Puzzlemania
  8. Ordinary picture
  9. Elevator music
  10. Soul machine
  11. Downhill livestock
  12. Yogi

Gesamtspielzeit: 55:04 min.

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