Götz Alsmann - Mein Geheimnis

Götz Alsmann- Mein Geheimnis

Blue Note / Capitol / EMI
VÖ: 04.05.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Pssst ...

"Ich höre den Baustellenlärm, aber ich sehe die Schilder nicht." So lautete der ebenso berühmte wie staubtrockene Kommentar des diplomierten Musikwissenschaftlers Dr. Götz Alsmann zum Phänomen Hip-Hop. Dass der nostalgieverbundene Herr mit der sorgsam modellierten Tolle wenig bis gar nichts für die modernen Auswüchse der Popularmusik übrig hat, ist nun wirklich kein Geheimnis. Auch der Umstand, dass freundliche Menschen regelmäßig lustige Preise erfinden (Brillenträger des Jahres 2000, Krawattenmann des Jahres 2004, Klavierspieler des Jahres 2007), um dem eleganten Münsteraner zu huldigen, ist mittlerweile ein weit verbreitetes Gerücht. Und Alsmanns Faible für Jazzschlager, die mindestens so alt sein müssen wie er selbst, dürfte ungefähr so geheim sein, wie eine Postwurfsendung an alle Haushalte.

"Mein Geheimnis" - auch das muss nicht mit vorgehaltener Hand geflüstert werden - ist die erste Platte eines deutschsprachigen Solokünstlers, die es zu einer Veröffentlichung auf dem amerikanischen Traditionslabel "Blue Note" gebracht hat. Warum diese Ehre aber nun ausgerechnet Alsmanns neuestem Album und nicht schon "Kuss" (2005), "Tabu" (2003) oder einem anderen seiner mittlerweile sieben muttersprachlichen Werke zuteil wurde, erweist sich als undurchschaubar - das erste richtige Geheimnis dieser Platte, wenn man so möchte. Denn: Geändert hat sich im Vergleich zu den Vorgängern auf "Mein Geheimnis" eigentlich nichts. Alles beim guten Alten.

Die Götz-Alsmann-Band ist - abgesehen davon, dass vor zwei Jahren Posaunist Ludwig Götz gegen den Schlegelschwinger Altfrid Maria Sicking (Vibraphon, Xylophon, Marimba) ausgetauscht wurde - seit einer halben Ewigkeit musikalisch miteinander verheiratet. Und trotzdem klingt aus keinem der siebzehn Stücke die graumelierte Routine einer langjährigen Beziehung heraus, man spürt nach all den Jahren erstaunlicherweise immer noch die funkensprühende Energie einer frischen Liaison. Und es ist ganz selbstverständlich, dass jeder der fünf Musiker die Freiheit eingeräumt bekommt, hier und da mal ein hübsches Solo zu spielen. Womöglich eins der Geheimnisse ihrer glücklichen Ehe - wenn auch ein sehr offenes.

Fünf der 17 Stücke auf "Mein Geheimnis" sind Eigenkompositionen, der Rest ein handverlesenes Jazzschlager-Potpourri. Los geht's mit der flotten Kater-Hymne "Der blaue Montag", die in das saxophonumschmeichelte "Wenn ich in Stimmung bin" mündet und schließlich zu "Kokettier' nicht mit mir" führt - einem süffisanten Duett mit Annett Louisan. Schon im Grundschulalter tanzte der kleine Götz immer mit Mutti zum Instrumental "Letkiss (Letkajenkka)" und hält "Bei Dir war es immer so schön" für die tollste Komposition, die der deutsche Schlager jemals hervorgebracht hat. "Ein Gläschen Wein und du" spendiert dem Cha-Cha-Cha einen edlen Tropfen und "Wie immer" erzählt zu Zirkusmusik vom Hochseilakt Alltag. Der Titeltrack erweist sich als besonders beschwingtes Filetstückchen und zum Schluss gibt's sogar noch eine Überraschung: eine amouröse Zufalls-Zusammenkunft im Zug, untermalt von zwei Hangs ("metallene, diatonische Trommeln aus der Schweiz"). Ob es sich dabei um eine wahre Geschichte handelt? Wird wohl auf ewig Alsmanns Geheimnis bleiben.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Wenn ich in Stimmung bin
  • Kokettier' nicht mit mir (mit Annett Louisan)
  • Du bist mein Geheimnis
  • Zugnovelle

Tracklist

  1. Der blaue Montag
  2. Wenn ich in Stimmung bin
  3. Kokettier' nicht mit mir (mit Annett Louisan)
  4. Indiskret
  5. Hey hey großes Mädchen
  6. Irgendwo, irgendwann
  7. Ein Traum
  8. Vorsicht, Vorsicht
  9. Letkiss (Letkajenkka)
  10. Bei Dir war es immer so schön
  11. Ein Gläschen Wein und Du
  12. Ausgerechnet Du
  13. Weißt Du es noch
  14. Wie immer
  15. Wenn es Frühling wird
  16. Du bist mein Geheimnis
  17. Zugnovelle

Gesamtspielzeit: 55:43 min.

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