Electrelane - No shouts, no calls

Electrelane- No shouts, no calls

Too Pure / Beggars / Indigo
VÖ: 27.04.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Fotogen

Worte lassen sich immer reichlich über Musik verlieren, so ungenügend die Beschreibungen letztendlich auch bleiben. Schwieriger gestaltet sich die Aufgabe aber, wenn man den Sound bildlich darstellen möchte. Ein Foto pro Band. Avril Lavigne bekäme dann wohl ein gepierctes Stoffhäschen, Slipknot gespaltene Schädel und Michael Jackson eine behandschuhte Hand im Gemächt. Gelobt seien doch die einfach vermarktbaren Stereotype. Sobald aber der Blick auf komplizierter gestrickte Bands fällt, beginnt das große Grübeln.

Electrelane würden eher mit trüben Farben dargestellt. Denn auch wenn Album Nummer vier "No shout, no calls" den schwer zugänglichen Noise-Pfad etwas verlässt, ist es zur Eindeutigkeit noch ein weiter Schritt. Milchiger Schleier legt sich über die Sehnsucht im Opener "The greater times" oder über das zögernde "After the call". Es ist das Gefühl einer rastlosen Suche, angetrieben von der Gewissheit, nie an ihr Ende zu gelangen, aber sie doch auch nie aufgeben zu können.

Die Motivwahl fiele sicherlich ebenso schwer. Große Gebäudeklotze wären denkbar, nostalgisch und schweigend an Vergangenes erinnernd, wie beispielsweise beim klassikbesprenkelten "In Berlin". Die Stadt kommt übrigens zur Ehre des Liedtitels, weil "No shouts, no calls" ebendort geschrieben wurde. Aber auch Menschenteile könnten ins Bild ragen. Nicht zentral, denn in der Musik spielt der Gesang weiterhin nur eine Nebenrolle. Vier der elf Stücke sind instrumental, und wenn sie dann aufblitzen, stellen die meditationsartigen Frauenstimmen wie im treibenden "Between the wolf and the dog" meist nur eine Tonspur mehr neben den monotonen Gitarren dar.

Vielleicht würde ja auch eine verwackelte Serie mit der kleinen Lomo-Kamera der Band am ehesten gerecht werden. Momentaufnahmen, wie der Fußballchor eines Spartak-Moskau-Gastspiels im Berliner Olympiastadion. Aber eben auch verschmitzter Witz, der nicht nur versteckt in den weichen Orgeltönen oder dem Space-Surf-Vibe von "Tram 21" hervorscheint, sondern in "Cut and run" gar ein von der Ukulele getragenes Teenager-Liebeslied hervorzaubert. Electrelane sind wie die Lomo-Cam höchstpersönlich: Man weiß nie, was einen erwartet.

(Tobias Wallusch)

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Highlights

  • The greater times
  • To the east
  • At sea

Tracklist

  1. The greater times
  2. To the east
  3. After the call
  4. Tram 21
  5. In Berlin
  6. At sea
  7. Between the wolf and the dog
  8. Saturday
  9. Five
  10. Cut and run
  11. The lighthouse

Gesamtspielzeit: 47:24 min.

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