Dimmu Borgir - In sorte diaboli

Dimmu Borgir- In sorte diaboli

Nuclear Blast / Warner
VÖ: 27.04.2007

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

By the numbers of the beast

In den Media Control Charts hat man sie zum ersten Mal schon vor zehn Jahren gesichtet. Mit Orchestern aus Fleisch und Blut haben sie ebenfalls schon zusammengearbeitet. Und von gebrauchten Vierspurgeräten kommt Dimmur Borgir keine Platte in den Kasten. Nein, TRUE sind Dimmu Borgir ganz sicherlich nicht, Ihr bösen Nasen! Aber neben Cradle Of Filth wohl die einzigen, die so was wie wirkliche Global Player im Namen Satans sind. Obwohl sie zuallermindest mal soundverwandt sind mit dem Extremsound, der sich vor allem über Skandinavien Ende der 80er, Anfang der 90er seinen Weg bahnte und der für viele auch heute mehr als bloß Musik, sondern Lebenseinstellung ist.

"In sorte diaboli" ist in mehrerlei Hinsicht nicht gerade das, was man eine Steigerung seines Vorgängers "Death cult Armageddon" nennt. Zum einen: der Bombast, der Pomp, die Theatralik. Ja, ganz untrue, ganz ruhig da hinten, wir haben das selbst zur Kenntnis genommen. Jedenfalls, da hatten Dimmu Borgir über die Jahre sukzessive ein- und vor allem angebaut. Erst waren es Keyboards. Zuletzt ein vielköpfiges Synmphonieorchester. Diesem Trend folgt "In sorte diaboli" nicht, Intros ("The serpentine offering") und Zwischenspielchen ("The fallen arises") zum Trotz. Denn freilich sind sie immer noch, sagen wir: ziemlich freizügig für so eine Black-Metal-Ba... Ist ja gut, ist ja gut!

Aber die Handarbeit am Sechssaiter rückt wieder etwas mehr in den Vordergrund. Ausflüge in die Klassik sind nicht mehr Grundkorsett, sondern werden dann eingesetzt, wenn es passt. Manchmal auch, wenn es nicht passt. Vor allem aber genau dann, wenn man es erwartet. Dann kommen schon mal ein wenig aufgesetzt wirkende cleane Vocals zum Einsatz, und Streicher machen auf Atmosphäre, die der Song ohne diese Effekthascherei oft sonst eh nicht hergegeben hätte. Und das ist der andere Haken an der Geschichte. Wie oft kann man eigentlich die gleichen Riffs aneinanderstöpseln, die gleichen bösen Mienen ziehen und die gleiche Show abziehen, bis sich selbst die hartnäckigsten Feierabend-Satanisten abwenden? Wenn Dimmu Borgir nicht schon längst so ein Selbstläufer wären, hätte es mit diesem Release spannend werden können.

Man kann ihnen technisch nichts vorwerfen. Trotz Besetzungswechsel an den Drums (Mayhems Hellhammer): Dimmu Borgir sind mittlerweile eine eingespielte Maschine. Gut geklopfte Blastbeats - ein Muss. Die Gitarren, die meist wieder rasend schnell und Tremolo gespielt sind - hey. Die Verquickung von Klassik und Metal - geht klar. Und hier kommt's dann. Man erinnere sich. An das Majestätische von Dissections "Storm of the light's bane", unserethalben auch noch an Immortals "Battles in the North". Über Grenzüberschreitendes, wie es zur ihrer Zeit Emperor betrieben, wollen wir hier gar nicht reden. Die spielten sowieso in ihrer eigenen Liga. Man erinnere sich nicht zuletzt an die Catchiness von Dimmu Borgirs "Enthrone darkness thriumphant", oder überhaupt an jede Platte, die irgendwie mal irgendwie gerockt hat.

Und stellt fest: Davon auf "In sorte diaboli" vorhanden: nix. Dimmu Borgir zitieren sich selbst, andere Klassiker der schwarzen Zunft und machen hier und jetzt Musik, die so mechanisch und steril ist, als wäre sie von Robotern eingespielt. Double-Bass, Gekeife, Klischee-Symbolik und blanke Hupen auf dem Plattencover: Radikal und aufwühlend ist daran sowieso schon lange überhaupt nichts mehr. Viel blöder ist aber, dass höchstens einzelne Riffs, einzelne Passagen aus diesem Wir-sind-derbe-böse-Schmierentheater hängen bleiben. Etwa dann, wenn "The fundamental alienation" immer mal wieder in pure Raserei verfällt, das übliche B-Movie-Geklimper sowas wie Kontrastprogramm bildet und Reizpunkte setzt, die es auf der Platte so eher selten gibt. Oder die erste Single "The serpentine offering", die durchaus was von "Mourning palace" hat.

Ansonsten: wirklich echt nicht allzu viel. Außer einer Geschichte um den Glaubenskonflikt eines christlichen Kirchendieners im Mittelalter, die sowas wie ein Konzept bilden soll. Zu viel Karikatur einer Karikatur einer Karikatur. Hochprofessionell gestricktem Überwiegend-Baukasten-(Black-)Meta... (ist ja gut!), der vor allem so konstruiert ist, dass man in den Videoclips dazu auch schön posen kann. An den richtigen Stellen. Dem man in den Arsch treten möchte, damit er endlich mal wieder ein Lebenszeichen von sich gibt. Auch an den richtigen Stellen. Kann auch Göteborg-Papi Fredrik Nordström nicht viel dran machen. Und der ist echt mal total true.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • The sinister awakening

Tracklist

  1. The serpentine offering
  2. The chosen legacy
  3. The conspiracy unfolds
  4. The sacrilegious scorn
  5. The fallen arises
  6. The sinister awakening
  7. The fundamental alienation
  8. The invaluable darkness
  9. The foreshadowing furnace

Gesamtspielzeit: 42:49 min.

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