Bowling For Soup - The great burrito extortion case

Bowling For Soup- The great burrito extortion case

A&G / Zomba / Rough Trade
VÖ: 27.04.2007

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Lauwarmer Aufguss

Es ist wie im richtigen Leben. Solange jemand da ist, wird er belächelt, nicht für voll genommen oder bekommt schlicht und ergreifend nicht die Aufmerksamkeit, die er vielleicht verdient hätte. Ist derjenige erstmal weg und von der Bildfläche verschwunden, merkt man erstmal, dass man ihn doch recht gut leiden konnte und dass das alles durchaus okay war, was er da so abgeliefert hat. Wie ein alter, unterschätzter Weggefährte. Erst jetzt weiß man, was man an ihm hatte.

In diesem Fall schwirren einem gleich drei alte Weggefährten namens Tome DeLonge, Mark Hoppus und Travis Barker durch den Kopf. Als erster und wohl auch bekanntester Vertreter der unzähligen Zahlenbands versüßten sie einem als Blink 182 ein gutes Jahrzehnt die Sommermonate mit ihrer (zumindest am Anfang) vollkommen infantilen, aber Laune machenden Auffassung unbeschwerten Poppunks. Von Medien und Szenepolizisten stets belächelt sorgten sie allerdings regelmäßig für partytaugliche Gassenhauer.

Daran versuchen sich seit nunmehr neun Alben - inklusive des nun vorliegenden Tonträgers - auch Bowling For Soup. Vergeblich. Zugegeben, mit Songs wie "1985" oder "Girl all the bad guys want" ließ das US-Quartett um Jaret Reddick mal kurz aufhorchen, aber das war es dann auch schon. "High school never ends" lautet der Titel ihrer aktuellen Single, in der Promis wie Katie Holmes, Tom Cruise, Reese Witherspoon oder Mary Kate Olsen ihr belangloses Fett abbekommen. Dabei steht der Song wohl doch eher sinnbildlich für den ganzen musikalischen Humbug, den die Texaner bisher selbst verzapft haben. Mit Ende Dreißig immer noch die Teenage-dirtbag-Nummer abzuziehen, ist weder glaubwürdig noch ansatzweise komisch. Warum sagt das denen denn niemand mal?

Vielmehr wirkt das Ganze wie ein quälender "American Pie"-Effekt: Der erste Teil war ja noch ganz amüsant, aber alles andere ist nicht mal kalter Kaffee. "Epiphany" quillt fast über vor zuckersüßer Belanglosigkeit, "I'm gay" klingt wie Ringelpietz ohne Anfassen und endet im grenzdebilen Lalala-Singsang. "Why don't I miss you", "When we die" und "If you came back to me" nehmen die Parts der obligatorisch vertretenen und zum Erbrechen schmalzigen Pseudoballaden ein. Worte wie berechenbar, langweilig und belanglos stoßen in neue Bedeutungsdimensionen vor. "Who needs friends like you?" trällern die Texaner. "Who needs bands like you?" schüttelt sich der Zuhörer, entfernt den Silberling aus der Anlage und begibt sich auf die Suche nach "Enema of the state" in der heimischen CD-Sammlung. Dieser Einlauf ist nach "The great burrito extortion case" aber mal so was von nötig. Wer hätte das gedacht?

(Jochen Gedwien)

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Highlights

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Tracklist

  1. Epiphany
  2. High school never ends
  3. Val Kilmer
  4. I'm gay
  5. Why don't I miss you?
  6. A friendly goodbye
  7. Luckiest loser
  8. Love sick stomach ache (sugar coated accident)
  9. Much more beautiful person
  10. Friends like you
  11. When we die
  12. 99 biker friends
  13. Don't let it be love
  14. If you came back to me
  15. Everyday's a Saturday
  16. No opinion (Acoustic)

Gesamtspielzeit: 59:49 min.

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