Bare Jr. - Brainwasher

Bare Jr.- Brainwasher

Immortal / Virgin / EMI
VÖ: 02.04.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Schneller als sein Schatten

Tennessee, im Süden der Vereinigten Staaten: Synonym für anständigen Whiskey, bodenständigen Country und mehr oder minder wilde Cowboys und -girls. Fokussiert man seinen musikalischen Blick auf die verschlafene Metropole Nashville und verdrängt dabei jegliche Assoziation mit den dort ansässigen Nashville Pussy, taucht jedoch rasch der Name Bobby Bare (Senior) auf, seines Zeichen Singer-Songwriter und Legende an der Western-Gitarre. Und wenn Präsidenten nach ihrer Pensionierung ihren Junior ins Rennen schicken können, schaffen dies Musik-Veteranen schon lange. Etwas irritierender als die Tatsache, daß auch Bare Jr. sein Glück im Musikgenre sucht, ist dann bereits die Tatsache, daß eben dieser beim Label Immortal (Korn, Incubus) beheimatet ist, erwartete man bei dieser Biographie doch eher einen potentiellen Nachfolger für Garth Brooks.

Doch bei Bare Jr. geht es weder um New Metal im Stile von Korn, noch um eine Renaissance des Country-Rock. "Brainwasher" schreibt vielmehr ein kleines, aber feines Kapitel amerikanischer Radio-Rock-Geschichte. Denn hat man sich einmal von den pompösen Streichern im schwülstigen Intro erholt (O-Ton Bobby Bare jr.: "I just wanted to get something perverted and stupid as an intro to show the ridiculousness of what's to follow"), legen Bare Jr. mit dem Titelsong gleich richtig los. Ein catchy Gitarren-Riff und eine eingängige Melodie erweisen sich hierbei schnell als einfaches Handwerkszeug der fünf Südstaatler, und es funktioniert. Ob nun am Folk-Rock angelehnt wie beim Seitenhieb auf alle Couch Potatoes "Why do I need a job" oder mit polternden Drums und Rockmusik der alten Schule ("Kiss me"), Bare Jr. ziehen sich beachtlich aus der Affäre. Manchmal hat es sogar für einen flüchtigen Augenblick den Anschein, der junge Steven Tyler höchstpersönlich habe sich in Studio verirrt. Trotz einiger schwächerer Momente - "Da dau da dog" hätte man sich doch bitte sparen können - schimmern auch gegen Ende immer wieder eingängige und melancholischen Songs hervor wie "Limpin'", dem wohl atmosphärischsten Stück der Platte.

Über Vergleiche mit den Wallflowers könnten Bare Jr. eigentlich, wenn denn nun die verdammten Verkaufszahlen ähnlich wären, nur müde lächeln, hat Bobby Bare doch einiges mehr an gesanglicher Klasse zu bieten als der gute Jakob. Und nicht zuletzt seiner Stimme ist es zu verdanken, daß "Brainwasher" sich ein kleines Stück weit von anderen Werken der Konkurrenz abhebt. Doch so sehr sich Bare Jr. mit ihrem im Southern-Rock verwurzeltem Cow-Punk auch anstrengen, die schmutzigen Gedanken aus unseren Köpfen zu vertreiben, spätestens beim Anblick des Covers während des Zurücklegens des Silberlings in seine Hülle ist jegliche Mühe dahin.

(Patrick Rodeck)

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Highlights

  • Brainwasher
  • Why do I need a job
  • Miss you the most
  • Limpin\'

Tracklist

  1. Overture (Love theme from 'Brainwasher')
  2. Brainwasher
  3. If you choose me
  4. Why do I need a job
  5. You never knew (I lied)
  6. Shine
  7. God
  8. Miss you the most
  9. Kiss me (Or I will cry)
  10. Dog
  11. Limpin'
  12. Devil doll
  13. Gasoline listerine

Gesamtspielzeit: 41:15 min.

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