Wolf & Cub - Vessels

Wolf & Cub- Vessels

4AD / Beggars Banquet / Indigo
VÖ: 30.03.2007

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Kläffende Welpen

Vier Australier, die gemeinsam Rockmusik machen und den großen, bösen Wolf im Bandnamen tragen. Schon prinzipiell verdächtig. Man erinnert sich an Wolfmother. Und gefühlte vierhundert Bands mehr, die das berühmt-berüchtigte Rudeltier im Bandnamen führen. Wenn da mal nicht der Hundefänger auftaucht! "Vessels" jedenfalls ist nach zwei EPs das Debütalbum von Wolf & Cub. Schon der gute alte NME wusste ein paar Lorbeeren vorzuschießen, und die Fluggesellschaft Qantas verlieh einen Jugendmusikpreis. Man ist also dermaßen gespannt auf das, was einem bei diesen Aussichten erwartet, dass man sich nicht die Zeit nimmt, um das tolle Artwork mit den vielen coolen Leuten zu betrachten, sondern direkt volle Röhre losbrettert.

Aber halt! Mit Karacho ist da nicht viel. Gleich zu Anfang tauchen Wolf & Cub eher in psychedelische Gefilde ab. Aus verkraterten Landschaften steigt purpurner Rauch, die doppelt besetzten Drums dackeln statisch und ebenso dumpf nach vorne, und Joel Byrnes Gesang lässt auf hohe Punktzahlen bei Drogentests schließen. Das wird auch bei "This mess" nicht unbedingt besser. Manche mögen das als Hit bezeichnen; in Wahrheit ist das langweiligste Seventies-Brühe, die verdammt lauwarm aufgegossen ist und mindestens drei vier Schluck zuviel von Black Bettys Muttermilch abbekommen hat. Dass das Menschenmögliche in Sachen psychedelischem Hard Rock bereits in den Siebzigern vollbracht wurde, ist ja nun kein Geheimnis. Wieso es also Wolf & Cub braucht, sollte man sich gar nicht erst fragen. Das macht's auch nicht besser.

Hat man sich erstmal auf die langwierige Odyssee begeben und sich auf die Suche nach etwas Brauchbarem gemacht, stehen schon Kopfschmerzen als Belohnung bereit. Ein derber Kick oder wenigstens zünftiges Flower-Power-Feeling? Fehlanzeige. Was jetzt nicht falsch verstanden werden sollte. Natürlich weiß das Quartett, wie man einen Amp anschließt, und die vielen tollen Gitarreneffekte, bei denen sogar Papa aushalf sind auch Ehrensache. Mit der perkussiven Dauerbeschallung haben Wolf & Cub immerhin etwas eigenes. Wie ein Jodeldiplom, sozusagen. Das Keyboard hingegen verkriecht sich die meiste Zeit irgendwo ins Sound-Nirgendwo, simuliert penetrante Flächen oder macht auf bekifft. Dass die Australier damit alles andere als rocken, versteht sich ziemlich von selbst. Viel schlimmer ist jedoch, dass sie gleichzeitig auch ungemein langweilen.

Keine Energie, kein Rock'n Roll - da ist Byrnes Stimme und das immerhin gleichzeitige Bedienen der Instrumente. Das ist ja auch schon mal ein Erfolg. Was vielleicht als Song gedacht war, ist viel eher eine Entlarvung. Von vier ziemlich jungen Kerle aus der oberen Mittelschicht, die sich ab und an in eine Garage verkrochen, verdammt gutes Weed geraucht und massig Spaß gehabt haben. Dass Wolf & Cub außerhalb ihrer Garage schon vor dreißig Jahren nichts gerissen hätten, wissen sie vermutlich selbst. Nach der unerklärlichen Anerkennung können sie aber immerhin später ihren Enkeln etwas erzählen. Vom Studio in New York, von Konzerten überall und dem Jugendmusikpreis der staatlichen Fluggesellschaft. Vielleicht gründen die dann ja auch eine Band. Die darf sich dann bitte in der Garage einschließen. Und nie wieder herauskommen.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • This mess

Tracklist

  1. Vessels
  2. This mess
  3. Rozalia bizarre
  4. Hammond
  5. March of clouds
  6. Kingdom
  7. Seeds of doubt
  8. Conundrum
  9. Steal their gold
  10. Vultures

Gesamtspielzeit: 46:05 min.