Tangerine Dream - Madcap's flaming duty

Tangerine Dream- Madcap's flaming duty

Eastgate / Voiceprint / Rough Trade
VÖ: 13.04.2007

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Dichtung und Wahrheit

Was haben Tangerine Dream in ihrer mittlerweile 40 Jahre dauernden Geschichte nicht schon alles gemacht: Krautrock, Soundtracks (unter anderem für "Near Dark" oder die Stephen-King-Schändung "Firestarter"), New-Age-Geblubber. Unter anderem aber auch ein Album namens "Tyger", auf dem unter anderem Gedichte von William Blake vertont wurden. Eines der Alben im umfangreichen Backkatalog, für das Tangerine Dream in Grund und Boden gehämmert wurden. Diesmal also konsequent: zwölf Gedichte von amerikanischen Dichtern des 17. und 18. Jahrhunderts wurden von der Künstlerin und Rezitatorin Bianca Acquaye ausgewählt und behutsam adaptiert. Das bedeutet natürlich auch, dass Tangerine Dream tatsächlich mal ein Album ohne ein einziges Instrumentalstück auf den Markt werfen.

Was ist nun eigentlich das Problem dabei, Gedichte zu vertonen, mag man nun fragen. Ist doch eigentlich so ähnlich wie normales Songwriting. Die Kunst dabei ist allerdings, dass Gedichte alle Stimmungen, jede Aussage allein über die Kraft der Worte transportieren müssen und nicht die Musik als unterstützendes Vehikel nutzen können. Bei einer Vertonung muss der Musiker also zunächst das Gedicht erfassen und dann versuchen, diese Stimmungen nach Möglichkeit kongenial umzusetzen. Wenn das so ist, dann haben Tangerine Dream und Acquaye zwölf nahezu identische Gedichte ausgewählt.

Denn obwohl in vielen Stücken gute Ansätze vorhanden sind, schaffen es Urgestein Edgar Froese und Thorsten Quaeschnig nicht, die sicherlich vorhandenen Unterschiede zwischen den Gedichten in entsprechende Musik umzusetzen. Allzu oft pluckern die Synthesizer sedierende Teppiche unter den Gesang, bei gleich bleibendem Tempo und identischer Dynamik. Bei diesen Vorgaben kann Chris Hausl leider nur selten genug als Sänger glänzen. Was schade ist, denn in seiner Akzentuierung erinnert er angenehm an Brendan Perry (Dead Can Dance). Wunderbar beispielsweise, wie er bei "Lake on Pontchartrain" die ewige irische Melancholie herüberbringt. Überhaupt ist dieses irische Traditional ein seltenes Highlight des Albums, zeigt es doch, wie man diese Art Songs auch ohne bier- und rauchgeschwängertes Gefiedel der Marke Dubliners interpretieren kann.

Es sind wenige Dinge, die "Madcap's flaming duty" vor dem Absturz in die Belanglosigkeit bewahren. So sind dies viel zu selten eingestreute Elemente wie die Steel Drum bei "Mad song", die aufhorchen lassen. Ausnahmen wie das dramatische "A dream of death" oder das überragende "One hour of madness" mit seinen modernen, fast schon tanzbaren Rhythmen zeigen zwar die große musikalische Klasse der Band, bestätigen eigentlich nur die Regel. So bleibt "Madcap's flaming duty" ein Album mit ein paar Highlights, jedoch deutlich zu vielen Füllern. Ach, und eines noch: Was diese Platte, die dem letztes Jahr verstorbenen Pink-Floyd-Mitgründer Syd Barrett gewidmet ist, außer dem Albumtitel mit dem "Crazy Diamond" zu tun hat, weiß wohl nur Edgar Froese selbst.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • A dream of death
  • Lake of Pontchartrain
  • One hour of madness

Tracklist

  1. Astrophel and Stella
  2. Shape my sin
  3. The blessed Damozel
  4. The divorce
  5. A dream of death
  6. Hear the voice
  7. Lake of Pontchartrain
  8. Mad song
  9. One hour of madness
  10. Man
  11. Hymn to intellectual beauty
  12. Solution of all problems

Gesamtspielzeit: 73:42 min.

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