The Book Of Knots - Traineater

The Book Of Knots- Traineater

Arclight / Anti / Epitaph / SPV
VÖ: 20.04.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Kettenreaktionen

Die wie immer betriebsblinde Matrix kapiert erst Jahre später was los war, dem Terminator treibt's immerhin das Angstöl auf die Stirn, und die dreibeinigen Herrscher hüpfen jaulend auf allen Vieren davon - es herrscht Aufruhr im Maschinenpark. Denn The Book Of Knots erzählen auch auf ihrem zweiten Album nicht etwa die pathetische Science Fiction einer Revolution der Maschinen, sondern inszenieren die stoische Zerstörungskraft einer riesigen, außer Kontrolle geratenen Hurrikan-Apparatur, der es herzlich egal ist, ob sie Rosenfelder niedermäht oder irgendeinen Cyborg zum nächstbesten Bauernopfer zermatscht.

"Traineater" unerbittlich zu nennen, wäre eine glatte Untertreibung. Einmal angeworfen läuft diese Maschine vielmehr ohne Erbarmen voran, vollkommen gewissen- und bedingungslos. Ein Entkommen gibt es nicht - alles, was sich unvorsichtigerweise in der Nähe aufhält, wird in ihre Umlaufbahn gezogen, wo es eine Atmosphäre aus Rostpartikeln und Nietensplittern atmet. Selbst das emphatischste Brüllen, Leiern oder Brummeln der zahlreichen Gastsänger (unter anderem Tom Waits, Pere-Ubu-Mastermind David Thomas und Mike Watt) wird tief ins Getriebe geschleudert, wo es sich hörbar windet, nach Luft schnappt und Auswege sucht.

Doch, wie gesagt, eine Flucht ist unmöglich. So wird die unterschwellige Straigthness von "Midnight", "Third generation pink slip" und "Salina" ebenso wenig von ihrem einmal eingeschlagen Weg abgebracht wie die tonnenschweren Riffs von "Pedro to Cleveland" oder "Third generation". Wie ein haushoher Bulldozer fährt diese Musik über eine Gerölllandschaft aus Geigen, Klavieren, hektischen Feedbacks, schriller Percussion und Sirenenchorälen. All das verfängt sich in den Laufrollen, wird noch ein paar Meter mitgeschleift und dann doch einfach zwischen den Ketten zerdrückt. Oder aber kompromisslos durch die Songs gewirbelt und als ihr Schmieröl schnell wieder verbraucht. Bleichbläser ("Pray", "View from the watertower") schneiden sich an messerscharfen Mundstücken und bluten aus, und immer wieder bersten Soundscapes unter tonnenschwerer Last. Selbst einige Haltebuchten wie die unter Kontrabassstößen pulsierenden "Train eater" und "Red apple day" oder das tieftraurig schifferklavierende "Where'd mom go?" produzieren immer noch genug innere Unruhe, dass man ihnen nicht ganz trauen mag.

"Walker Percy Evans High School" ist dann das letzte, konsequente Magengrummeln einer Allesfresser-Maschine, in der Samples als ätzende Verdauungssäfte einschießen und sich Tape-Manipulationen zu einem in Endlosschleife fallenden Groschen verdichten. Denn natürlich ist ein Groschen, der nicht aufhört zu fallen, eine weitere Maschine ohne Bewusstsein und Erkenntnisgewinn. Ebenso ist "Traineater" ein energetisches, sich selbst entzündendes und antreibendes Monstrum, das allerdings hergestellt und wohl arrangiert werden muss. Und das genau diesen Widerspruch zwischen Phoenix und Fabrikation als Zündfunken nutzt. Ein Perpetuum Mobile, das aus der Lüge über seine Geburt die Gewalt entfacht, mit der es vonstatten geht. Nummus iacta est - und Robocop pees his shiny pants.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Pedro to Cleveland
  • Where'd mom go?
  • Midnight
  • Third generation pink slip

Tracklist

  1. View from the watertower
  2. Hands of production
  3. Traineater
  4. Pray
  5. Pedro to Cleveland
  6. Red apple boy
  7. Where'd mom go?
  8. The ballad of John Henry
  9. Midnight
  10. Boomtown
  11. Salina
  12. Third generation pink slip
  13. Hewitt-Smithson
  14. Walker Percy Evans High School

Gesamtspielzeit: 50:33 min.

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