Beatsteaks - Limbo messiah

Beatsteaks- Limbo messiah

Warner
VÖ: 30.03.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Loyal to none

MTV-Moderator Markus Kavka kommentierte die Premiere der späteren Hitsingle "Hand in hand" folgendermaßen: "Ich scheue mich nicht zu sagen, dass mit diesem Album die Beatsteaks endlich zu den verdienten Superstars werden, die sie schon lange hätten sein müssen." Wer hätte dem ollen Kavka derartige hellseherische Fähigkeiten zugetraut? Und konnte es jemand so wirklich fassen, was die Beatsteaks mit ihrem vierten Album für einen explosionsartigen Erfolg verbucht haben? Eine treue Fanschar hatten sie zwar schon immer, aber all diejenigen, die "Smack smash" für das Debütalbum hielten, kamen dann plötzlich noch dazu, und die Beatsteaks sorgten für ausverkaufte Hallen im gesamten deutschsprachigen Raum. Und nebenbei für tolle Videos zu ihren tollen Songs. Ob mit dem Clip zu "Hello Joe" mit Jürgen Vogel oder mit dem zum zurückgelehnten "I don't care as long as you sing", stets wussten sie zu begeistern. Und nebenbei erwies sich das anfangs etwas unterschätzte Album auch noch als echter Grower mit mehr als nur Hits, Hits, Hits. Man konnte sich auf sie einigen, gönnte ihnen den Erfolg und freute sich, dass man nun endlich doch ein wenig mit der hübschen Nachbarin über Musik quatschen konnte.

Und jetzt ist der Nachfolger da. Bedenken hatte mancher. Was machen die Beatsteaks? Abflachen? Dem Pop nun endgültig frönen? Endlich mal so richtig Geld verdienen? Denkste! "Limbo messiah" wird für staunende Gesichter sorgen. Überall. Denn, so viel Plakativität sei erlaubt, dieses Album ist ganz gewiss rauer, härter und unzugänglicher als der Vorgänger. Aber dennoch schaffen es die Songs, sich Stück für Stück in die Ohrmuscheln zu bohren, denn sie atmen ähnlichen unterschwelligen Pop wie die des Vorgängers. Durch eine verdammt schwarze Lunge. Da wäre zum Beispiel die erste Single "Jane became insane", ebenfalls mit gewohnt grandiosem Video versehen. Am Anfang vielleicht etwas sperrig, braucht man vier bis fünf Durchläufe, bis man merkt, wie gewagt die Band mit Melodie, Dynamik und Groove umgeht. Hat man sich in die Single erstmal so richtig verliebt, ist man scharf auf mehr. Auf "Sharp, cool & collected" zum Beispiel. Der Song knallt einem mit 120 Sachen mitten ins Hirn und hinterlässt dort ein Gitarrengewitter, das so schnell nicht vorüberzieht. Punk! Aber so was von.

Jedoch weiß "Limbo messiah" auch auf andere Art und Weise zu verblüffen. Dieses Album schöpft seine Stärke nicht nur aus dem Tatbestand heraus, dass es auf unglaublich interessante Weise die alte Kratzbürstigleit von der "Launched" mit der Hit-Affinität von "Smack smash" verbindet. Darüber hinaus wissen die Beatsteaks auch eine Weiterentwicklung gut in Szene zu setzen. Mit "Cut off the top", dem vielleicht besten Song des Albums, bekommt man den bösen kleinen Bruder von "I don't care as long as you sing" zu hören, und allein dieser Track legitimiert die Band eigentlich dazu, sämtliche großen Open Airs der Republik zu beschallen. Dann gibt es noch das nicht ganz zufällig so betitelte "Bad brain". Die Beatsteaks knüppeln einem ihre Energie nur so um die Ohren, dabei muss man sich eigentlich fragen, woher sie die nach derart verrückten zwei Jahren überhaupt noch schöpfen. Kann man sechzehnjährigen Mädchen denn Hardcore überhaupt zumuten? Macht aber auch nichts, denn "She was great" ist wieder so ein unglaublich entspannter Song, in welchem Arnim den Prince macht und mit sexy Falsett sämtliche Hüften zum Schwingen bringt. Nur um direkt danach mit "Soljanka", einer riesigen Portion Eighties und fast schon opernhafter Stimmgewalt auch die letzten Dämme einzureißen.

Ja, das ist schon was mit diesen Beatsteaks. Ringen und kämpfen drei Alben lang, rocken dann die gesamte Republik mit ihrem vierten und treten ihr mit dem fünften, wieder mächtig starken, wenn auch nicht mit allen Songs überragenden Album wieder gewaltig in sämtliche Hintern. "Limbo messiah" wird zurecht in allen Lagern seine Freunde finden. Ausverkaufvorwürfe sind ohnehin albern, denn was die Beatsteaks hier machen ist nichts anderes, als einem großem Publikum verdammt gute Musik zu liefern. Und allein dafür verdienen die unheimlich sympathischen Jungs größtmöglichen Respekt.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • Jane became insane
  • Cut off the top
  • She was great
  • Soljanka

Tracklist

  1. As I please
  2. Jane became insane
  3. Sharp, cool & collected
  4. Meantime
  5. Demons galore
  6. Cut off the top
  7. Bad brain
  8. She was great
  9. Soljanka
  10. Hail to the freaks
  11. E-G-O

Gesamtspielzeit: 31:23 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Limbo Limbo
2011-02-21 23:23:50 Uhr
Album des Jahrzehnts

2010-09-23 13:35:49 Uhr
push
Matteo
2009-03-08 22:14:34 Uhr
Nachdem ich sie 07 dreimal gesehen habe und damals auch jedes Mal begeistert war, ging mir die Dauerpräsenz dann doch ein wenig auf die Nerven.
08 auf dem Southside kurz gesehen, aber da war für mich dann einfach die Luft raus, das Ganze sprach mich nicht mehr an.

Nun höre ich seit Ewigkeiten mal wieder die Limbo und hey, sie macht ja wieder richtig Spaß =)

Ich glaube, ich bestelle mir jetzt endlich mal die Live-Vinyl-Box, die ich eigentlich damals sofort kaufen wollte. Immerhin war ich bei 9 der Aufnahmen dabei, von daher wäre es ein tolles Erinnerungsstück.
Mesa
2007-10-27 11:30:15 Uhr
28.06.08 abschlusskonzert in der wuhheide, karten ab november


das wird ein fest :-D
Twei
2007-10-05 14:20:01 Uhr
Hab die Tage meine alten Konzertkarten durchforstet.

meint ihr ein Hardticket von 1997 No Fun at all + Puffball + beatsteaks würde bei ebay Geld bringen?
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