Patti Smith - Twelve

Patti Smith- Twelve

Columbia / Sony BMG
VÖ: 13.04.2007

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Tamed horses

Coverversionen waren immer schon ein entscheidender Teil von Patti Smiths Schaffen. Vor 31 spielte sie eine gewaltige Liveversion von The Whos "My generation" ein, das bei ihr plötzlich nur noch aus Rotze und Blut bestand und sicherlich in die engere Auswahl jener Musikmomente gehört, die von sich behaupten dürfen, den Startschuss für Punk gegeben zu haben. Später, auf einem Re-Release ihres Debüts "Horses", wurde das Stück als Bonustrack angehängt und gab dem Album so eine völlig neue Dynamik. Aber auch der Beginn dieser Platte, das von Smith ekstatisch ausgeweidete "Gloria", war bereits ein Cover gewesen. Es blieb nur derart wenig übrig von Van Morrisons Original - vor allem kam die alles entscheidende Zeile "Jesus died for somebody's sins, but not mine" hinzu -, dass der Song heute genauso untrennbar mit Smith verbunden ist wie etwa "All along the watchtower" mit Jimi Hendrix. Wahrscheinlich glaubt nicht mal mehr Morrison selbst, dass er ihm gehört.

Ein Coverablum von Smith, das könnte also durchaus hinhauen. Auch im 61. Jahr ihres Lebens, auch im ersten Jahr nach ihrer Aufnahme in die Rock'n'Roll-Hall-of-Fame. Die Auswahl der Stücke für "Twelve" zeugt zwischen Beatles, Stones, Dylan, Doors und Nirvana von standesgemäßer Unbescheidenheit. Oder von unmotivierter Einfallslosigkeit, das soll jeder sehen, wie er will. Das Umtopfen jedenfalls hat hier besser geklappt als neulich bei Bryan Ferrys Arschkriecher-Revue "Dylanesque". Smiths Stimme hat die Jahre ohnehin weit besser überstanden, als die vieler Kollegen, ist immer noch das dunkelblaue, gurgelnde, nörgelnde Etwas von früher. Und doch fehlt "Twelve" die alte Hochnäsigkeit, der Wille zum Zerlegen und Kaputthauen. Es ist leider eine sehr respektvolle Platte geworden.

Dass sich Jefferson Airplanes "White rabbit" nahe am Original entlang hangelt, kann man ihm natürlich nicht übel nehmen - es war ja quasi eh schon immer ein Song für Patti Smith. Dass "Gimme shelter" nicht groß angefasst, sondern einfach gesungen wurde, voller Leidenschaft, Verlangen und verlängerter Wörter, war ebenfalls eine gute Idee - es ist schließlich der eine defintive Jagger/Richards-Moment, über den selbst Uschi Obermaier nichts Neues mehr erzählen könnte. George Harrisons "Sgt. Pepper"-Beitrag "Within you without you" klingt indes ohne Sitar-Gezwitscher wie eine entspanntere Velvet-Underground-Nummer. Und Jimi Hendrix' "Are you experienced?" wird, erstaunlich aufgeräumt nachgespielt, beinahe zum Classic Rock. Wäre da nicht Smiths hinterhältig um sich beißendes Organ, versteht sich.

Schade bleibt trotzdem, dass "Twelve" die komplette Rockmusik der letzten 15 Jahre ignoriert und sich lieber an unaufgeregten Dylan- und Tears-For-Fears-Covers abarbeitet. "Smells like teen spirit" nämlich, tatsächlich der jüngste Song hier, wird in Smiths Händen mit Kontrabass, Banjo, Streichern und Handbremse zu einem staubtrockenen, schlichtweg fantastischen Präriefeger, der selbst Tori Amos' Version des Nirvana-Klassikers wider Willen ebenbürtig ist. Es ist das einzige Stück auf "Twelve", mit dem sie sich nie ganz wohl zu fühlen scheint, das sie wirklich bekämpfen muss. Es ist deshalb auch das einzige, das bleiben wird.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Gimme shelter
  • Smells like teen spirit

Tracklist

  1. Are you experienced?
  2. Everybody wants to rule the world
  3. Helpless
  4. Gimme shelter
  5. Within you without you
  6. White rabbit
  7. Changing of the guards
  8. The boy in the bubble
  9. Soul kitchen
  10. Smells like teen spirit
  11. Midnight rider
  12. Pastime paradise

Gesamtspielzeit: 56:48 min.

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User Beitrag
Armin
2007-03-12 20:46:53 Uhr


PATTI SMITH

Im April 2007 erscheint „Twelve“, das langerwartete neue Album der US-

amerikanischen Singer/Songwriter-Legende Patti Smith. Daruf interpretiert

sie klassische Rock- und Pop-Songs neu. 2007 wird Patti Smith, deren

Debütalbum „Horses“ 1975 erschien, außerdem in die renommierte „Rock

& Roll Hall Of Fame“ aufgenommen. „Twelve” ist der Follow-Up zu ihrem

letzten Studioalbum „trampin’” (2004) und ist das erste Patti-Smith-Al-

bum, das ausschließlich aus Neu-Interpretationen von Stücken anderer

Künstler besteht. Für „Twelve” nahmen Patti Smith und ihre Band – Len-

ny Kaye (Gitarre), Jay Dee Daugherty (Schlagzeug) und Tony Shanahan

(Bass, Keyboard) – eine Reihe bekannter und weniger bekannter Pop-

und Rock-Songs neu auf, etwa „Pastime Paradise“ von Stevie Wonder,

„Everybody Wants To Rule The World“ von Tears For Fears und „Help-

less“ von Neil Young. „Twelve” enthält außerdem Stücke von Jimi Hendrix,

den Doors, Nirvana, Jefferson Airplane, den Beatles, den Rolling Stones,

Bob Dylan, den Allman Brothers und Paul Simon. Eine Deutschlandtour

ist derzeit in Planung.

(Internet: www.pattismith.net )

Humpty Dumpty
2007-03-12 12:36:33 Uhr
Die letzte war flach, Gung Ho! zuvor war okay. Ich erwarte nichts.
hollow sky
2007-03-11 19:40:58 Uhr
Was sind denn das alles für postpubertäre Kommentare/Bemerkungen ?! ich glaube Herr "Apfelstrudel" hat doch echt ein Problem mit sich...
Platte/Cd abwarten und dann ...
logan
2007-01-27 00:58:00 Uhr
Die Frau ist gut. Schätze mal, dass sie immer noch Biss hat.
arnold apfelstrudel
2007-01-27 00:42:55 Uhr
nur weil man sich so filmchen anschaut ist man noch nicht schwull!!!
pubertärer wixxer
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