CocoRosie - The adventures of Ghosthorse and Stillborn

CocoRosie- The adventures of Ghosthorse and Stillborn

Touch & Go / Soulfood
VÖ: 13.04.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

To mock a killing bird

Das Musikgeschäft hat sich im Laufe der letzten Wochen zu einem einzigen großen Ärgernis ausgewachsen. Also, nicht für uns Verrückte natürlich, die immer mehr Platten immer früher und immer umsonster hören können, weshalb Apple langsam mal einen iPod basteln sollte, der auf jedem Ohrstöpsel ein anderes Album abspielen kann. Die eigentlich Gefickten sind die Artisten selbst, die sich vor lauter Innovations- und Abdrehdrang zusehends häufiger in die Quere kommen. Dass Arcade Fire beispielsweise neulich ein Video veröffentlicht haben, in dem die ganze Band Fahrstuhlmusik macht und Richard Reed Parry das Schlagzeug dadurch simuliert, aus einer Illustrierten Seite um Seite rauszureißen, ist eigentlich eine Idee, die CocoRosie zugestanden hätte. So rein musikhistorisch betrachtet. Aber zum Glück wissen die Schwestern, wie man sich wehrt.

Ganz die Kinder von keiner Traurigkeit, die sie immer schon waren, haben Bianca und Sierra Casady gar nicht erst die passende Retourkutsche abfahrtfertig gemacht, sondern einfach der nächstbesten Kollegin ans Bein gepinkelt. In diesem Fall war das Björk, die sich ja schon seit Monaten in die kleinen Elfenfäustchen lacht, weil sie die crazy Idee hatte, als Quasi-alles-außer-HipHop-Künstlerin eine Quasi-alles-inklusive-HipHop-Platte aufzunehmen. Heißt "Volta", kommt Anfang Mai, wird bestimmt irre lustig. Bloß der "Nein, wie originell"-Effekt ist jetzt schon weg - CocoRosie haben schließlich das gleiche getan, nur schneller. "The adventures of Ghosthorse and Stillborn" ist ihr Beats- und Rhymes-Album, inklusive Zusatzspinnereien, versteht sich. Und wenn es irgendein Internetpirat als "Volta" geleakt hätte, wäre es auch keinem aufgefallen.

Freuen wir uns also gemeinsam auf die Battle-Raps oder Drive-By-Shootings der nahen Zukunft, und vertreiben uns die Zeit bis dahin mit dem dritten CocoRosie-Album. Eine Haushaltsgeräteplatte ist das nicht mehr, prinzipiell ist aber immer noch jeder erdenkliche Gegenstand ein potentielles Instrument, jede beiläufige Geste ein Statement und jeder Furz ein halbfertiger Song. Mobilées kreiseln auf eierförmigen Bahnen, Fahrradklingeln knabbern windige Beats an, und die Casadys durchmengen ihren ungelenken Säuselsingsang nun auch noch mit ungelenken Säuselraps. "I will bathe you in the crystal light / That sleeps between my thighs", das haben sie schnell gelernt. Von hier an wird das noch ein ziemlich großer Spaß.

Man sollte das vor allem auf die Flexibilität von "Ghosthorse and Stillborn" schieben, die zerfließende Goldfrapp-Stimmen zur mundgerecht zerkauten Beatbox und im tollpatschigen "Japan" ein eckiges Kirmesgerassel mit Opernmittelteil und Seemannschören zulässt. "Promise" hatte sich vorher schon zum Flackern und Flirren von irgendwas Undefinierbarem aufgeplustert, "Animals" wird später durch den schlimmsten Straßenverkehr geschleppt, und "Sunshine" kommt runter zum E-Piano und liebevollen Vollnarkosevocals. Die bizarren Auswüchse der Fauna stehen dazu übrigens im Mittelpunkt von Texten und Symbolik. Wer will kann sich das alles aber auch ummünzen auf Irak und Bush und was noch übrig bleibt von der frustrierenden Realität. Ein Happy-Hippo-Snack ist das also nicht. "Rainbowarriors ain't nothin' to fuck with."

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Promise
  • Japan
  • Werewolf
  • Animals

Tracklist

  1. Rainbowarriors
  2. Promise
  3. Bloody twins
  4. Japan
  5. Sunshine
  6. Black poppies
  7. Werewolf
  8. Animals
  9. Houses
  10. Raphael
  11. Girl & the geese
  12. Miracle

Gesamtspielzeit: 41:06 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Halbplemmi
2018-11-08 08:22:56 Uhr
Heisst doch "Zu Hopscotch...",isn't it?
Inhaltlich kann ich das aber unterschreiben.
Unicorn
2018-11-07 22:40:55 Uhr
Bei Hopscotch auf der Grey Oceans hab ich dann
doch wieder eine naheliegende Assoziation,
und zwar Itchy &Scratchy(The Simpsons).

MopedTobias

Postings: 10999

Registriert seit 10.09.2013

2018-11-07 18:13:09 Uhr
Das stimmt. Ich bevorzuge aber andere Alben von ihnen wie Grey Oceans oder das absolut überragende Debüt.
Unicorn
2018-11-07 15:15:10 Uhr
Hör gerade seit gefühlten Ewigkeiten wieder mal
die CD.Was mir als erstes dazu in den Sinn kommt,dass hier das beliebte "Klingt wie"-Spiel
einfach nicht funktioniert.Sehr originell.
xat
2007-07-15 19:16:52 Uhr
Bestes Album dieses jahr so far . Uebertrumpft auch fast die vorgaenger (nach etlichen durchgaengen komm ich zu dem schluss...)
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