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Soulsavers - It's not how far you fall, it's the way you land

Soulsavers- It's not how far you fall, it's the way you land

V2 / Rough Trade
VÖ: 30.03.2007

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Bridge over troubled water

Gott und Popmusik. Das sind zwei Paar Schuhe. Das kommt zwar immer mal wieder in Mode, doch will man als bekennender Qualitätshörer nicht viel davon wissen. Sicher - da sind die Beach Boys. Und auch Bob Dylan. Ach ja: Leonard Cohen. Und Marvin Gaye. Lou Reed? Nein. Und bei The Jesus & Mary Chain zum Glück nur im Bandnamen. Aber bei Jeff Buckley und Johnny Cash kommen wir wieder nicht drum herum. Auch wenn man es nur ungern zugeben mag: Das Plattenregal zeugt von Glaube, Religiosität und Gottesfurcht. Egal, wie lange der letzte eigene Kirchenbesuch zurückliegt.

Diesmal muss zwischen Sonic Youth und The Soundtrack Of Our Lives für ein Glaubensbekenntnis Platz geschaffen werden. Denn die Soulsavers, bisher nur durch das eher langatmige TripHop-Statement "Tough guys don't dance" (2004) aufgefallen, haben sich Verstärkung ins Boot geholt: Die allerbeste Seite von Mark Lanegan nämlich, die dunkel, rau, schmerzend und hypnotisierend auf acht der zehn Songs zu hören ist und immer wieder "Lord" oder "Jesus" besingt. Zudem eilen die alten Bekannten Will Oldham (Bonnie 'Prince' Billy) und Jimi Goodwin (Doves) zur Hilfe herbei. Und auch drei Coverversionen stehen zu Buche. Eine von Neil Young, eine von den Rolling Stones und eine gar von Lanegan selbst.

So ist es also auf den ersten Blick fraglich, ob sich das hinter dem Bandnamen Soulsavers verbergende Duo Rich Machin und Ian Glover ganz alleine für Gebet und Spiritualität verantwortlich zeigen müssen. Spricht "It's not how far you fall, it's the way you land" zwar keine klare Sprache, doch ist diese wohl am ehesten im düster-experimentellen Gospel zu finden, zwischen Cave und Cohen. Laute, elektrisierende, überlagernde Sphären treffen auf Lanegans Organ, das lange nicht mehr so erschütternd fesseln konnte, noch nie so nach dem alten Cash klang. Schwere Klavierklänge martern das Gemüt, ein kilometertiefer Bass rüstet zum letzten Gefecht. Man fragt sich, welche Tonspur das nun wieder ist, die man erst nach diversen Hördurchgängen entdeckt, oder wo dieser Chor plötzlich herkommt und was das schon wieder für ein neuartiges Gefühl in der Magengegend ist.

Höhepunkt dieses nervenaufreibenden Ereignisses ist ein Duett von Oldham und Lanegan namens "Through my sails", welches wiederum eine Interpretation von Neil Youngs todessehnender Folkballade ist, die einst mit Crosby, Stills und Nash eingespielt wurde. Fast fehlen die Worte zur Beschreibung, so intim, dramatisch, sphärisch und unglaublich schön inszenieren die Soulsavers diese dreieinhalbminütige Seelenwanderung. Und wer das anschließende Instrumental "Arizona bay" noch aushalten kann, ohne mindestens mit den Tränen kämpfen zu müssen, hat Hornhaut im Gehörorgan.

Doch auch die weiteren Songs müssen sich nicht hinter dieser Meistertat verstecken: Das eröffnende "Revival" etwa, das dezenten Optimismus beschreibt und Lanegans Stimme mit einem waschechten Gospelchor verstärkt. Oder das am Abgrund mäandernde "Paper money". Lanegans altes "Kingdoms of rain", das in einem knisternden, traurigen Gewand daherkommt. Der Rolling-Stones-Klassiker "No expectations" von der "Beggars banquet"-Platte ist eine weitere, großartige Überraschung, die mehr als würdig und traumwandlerisch dieses wunderbare Album abschließt.

Es ist vor allem die vom ersten bis zum letzten Ton kaum fassbare Atmosphäre, die den Hörer von einer Ecke in die nächste treibt. Die ihn wie einen Spielball formt, sich nie entscheidet. Und es ist auch der Verdienst Lanegans, dass dieses Album nachhaltig beschäftigen wird. Dass es als zeitlos und nahezu vollkommen betrachtet werden kann. Dass eine Ewigkeit nicht ausreichen wird, bis dieses engelsgleiche Gebet Geist und Seele verlässt. Es werden einsame Nächte kommen, die diese Musik verschlingen. Es werden laute Tage kommen, die diese Musik nach vorne treiben. Und es wird das Gefühl bleiben, dass "It's not how far you fall, it's the way you land" ein großes Album ist.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Revival
  • Through my sails
  • No expectations

Tracklist

  1. Revival
  2. Ghosts of you & me
  3. Paper money
  4. Ask the dust
  5. Spiritual
  6. Kingdoms of rain
  7. Through my sails
  8. Arizona bay
  9. Jesus of nothing
  10. No expectations

Gesamtspielzeit: 46:36 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

Dulle

Postings: 143

Registriert seit 29.10.2021

2022-03-18 11:01:38 Uhr
Der Song ist sicher nicht schlecht, klingt ein bisschen nach Sigur Ros, wenn man sich den Gesang wegdenkt. Allerdings ist dieses repetitive Jesus mir persönlich einfach zu viel.

VelvetCell

Postings: 4568

Registriert seit 14.06.2013

2022-03-18 10:54:22 Uhr
Was fuzzy sagt.

fuzzmyass

Postings: 8396

Registriert seit 21.08.2019

2022-03-18 10:47:20 Uhr
"Das Album hat mit "Spritual" für mich nur einen kleinen Schwachpunkt"

Finde den Song klasse, kannte vor Soulsavers nur die Johnny Cash Version... für mich kein Schwachpunkt - bin nicht religiös und mag Religion nicht, aber das ist so ein klassischer "verlorene Seele sucht Erlösung" Song, den ich sehr eindringlich finde und der von Lanegan grandios vorgetragen wird...

Dulle

Postings: 143

Registriert seit 29.10.2021

2022-03-18 10:33:13 Uhr
Sorry, offensichtlich ist meine Tastatur kaputt. Sollte aber trotzdem verständlich sein.

Dulle

Postings: 143

Registriert seit 29.10.2021

2022-03-18 10:31:04 Uhr
Auch mal weider gehört jetzt. Danke, dass der Thread hier hochgeholt wurde. Das Album hat mit "Spritual" für mich nur einen kleinen Schwachpunkt (weil ich hier das doch zu audringliche "Dschiiesuss" nicht ausbelenden kann) - aber sonst durchgängig genial.
Zum kompletten Thread

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