The Divine Comedy - Regeneration

The Divine Comedy- Regeneration

Parlophone / EMI
VÖ: 26.03.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der König der Frösche

"Give me your love / And I'll give you the perfect lovesong." Trotz solch großer Worte tasteten sich Neil Hannons The Divine Comedy bislang nur vorsichtig auf dem Kontinent vorwärts. Daß die britische Presse den irischen Schöngeist schon als legitimen Nachfolger schwermütiger Exzentriker wie Scott Walker ansieht, interessierte jenseits des Kanals kaum jemanden. Den bisweilen theatralischen und überkandidelten Mini-Opern und ihrem Schöpfer klebte hierzulande eher das Etikett "wunderlich" an. Dank Streichern, Bläsern und anderem Klimbim gingen Hannons charmante Sticheleien zwar in die volle Breite des Arrangements, wirkten aber wohl trotz ihrer Subtilität manchmal zu hochnäsig. Auch "A secret history", eine wundervolle Kopplung alter Schätzchen, gab bestenfalls Eingeweihten die Lust am gepflegten Kitsch zurück. Zu unrecht, denn zu Hannons spöttischer Romantik kuschelt sich sogar der Intellektuelle gerne in den Plüschsessel.

Jetzt aber soll scheinbar alles anders werden. Die schon im Titel angekündigte Erneuerung findet man in der Tat auf "Regeneration". Mit neuem - selbstverständlich großem - Label zog die göttliche Komödie die stets geschmackvollen Anzüge aus und speckte mit Hilfe von Nigel Goodrich ihren Klang nicht nur hinter dem linken Ohrläppchen ab. Statt von Froschprinzessinnen und Schürzenjägern singt man jetzt von Verlust, Betrug und anderen Enttäuschungen. "There's not enough light on the stage / To capture the music I crave." Bald fragt man sich, ob lediglich irgendwer vergessen hat, die Stromrechnung zu bezahlen oder ob die Songs wirklich so düster geraten sind. Wenn der feingeistige Protagonist des thinking man's kitsch sarkastisch die endgültige Verdummung der Welt einfordert, stellt er gar das bisherige Selbstverständnis seines leichtfüßigen Kammerpops in Frage. Aus der unerträglichen Leichtigkeit wurde eine nicht wirklich leichte Unerträglichkeit des Seins.

Hannons scharfsinnige Texte haben glücklicherweise weiterhin das Seziermesser in der Hand. Dennoch tranchieren sie jetzt eher das eigene Gefühlsleben. "Tell me that I'm normal / Tell me that I'm sane." Hannon blickt ins sehnsuchtsvolle Herz der Dunkelheit und läßt den Existenzialisten in uns aufhorchen. "If you die, do so / At your own risk", heißt es in "Note to self". Verregnete Melodien fließen an den Fensterscheiben herunter, während wir uns noch einmal den ironischen Klageliedern von "Regeneration" hingeben. Hannon aber zieht lieber den Hut tiefer ins Gesicht und macht sich wieder auf den Weg. Da draußen im Sauwetter wartet schließlich noch immer der perfekte Popsong darauf, gefunden zu werden.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Note to self
  • Lost property
  • Regeneration

Tracklist

  1. Timestretched
  2. Bad ambassador
  3. Perfect lovesong
  4. Note to self
  5. Lost property
  6. Eye of the needle
  7. Love what you do
  8. Dumb it down
  9. Mastermind
  10. Regeneration
  11. The beauty regime

Gesamtspielzeit: 49:47 min.

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