Poison The Well - Versions

Poison The Well- Versions

Ferret / Soulfood
VÖ: 05.04.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schneewehen

Zugegeben, den Höhepunkt ihrer Karriere haben Poison The Well bereits hinter sich. Der da heisst: "The opposite of december". Ein Referenzwerk, das bald auch schon wieder zehn Jahre her ist. Und das - unfassbar, aber wahr - von Bubis eingespielt wurde, die damals nicht mal zwanzig Jahre alt waren. Zugegeben, die Tiefpunkte ihrer Karriere haben Poison The Well ebenfalls bereits hinter sich. Das ständige Männlein-wechsel-Dich in der Besetzungsliste? Kinkerlitzchen. "Tear from the red", der hastig zusammengeflickschusterte Nachklapp zur Überplatte? War nur 'ne Fleischwunde. Die Querelen mit dem Majorlabel, das der Band nicht mehr die alleinige Entscheidungsgewalt zugestehen wollte, die man ihr bei Vertragsunterzeichnung noch versprach? Stinkefinger und "Tschüss, Leute!". Das Schlimmste an allem: Irgendwo dazwischen haben sie sage und schreibe vier Jahre für eine neue Platte gebraucht.

Ja, pfui! Aber man wird es ihnen verzeihen. Daran trägt auch "Versions" eine gewisse Mitschuld. Aufgenommen in Umeå, oben im Norden von Schweden, haben es Poison The Well. Mit Menschen, die auch schon hinter "The shape of punk to come" standen. Aber ebenso mit kaum mehr als fünf Stunden Tageslicht in vierundzwanzig Stunden. Frostig. Für Musiker aus Florida auch ein Trip, der sie schon mal an seine Grenzen treiben kann. Das passt jetzt alles so wunderbar. Weil auch die Platte, die dabei rumkam, Poison The Well wieder ganz anders zeigt, als je zuvor.

Poison The Well haben offenbar glühende Vereherer von Isis, Neurosis, Cave In und Cult Of Luna im aktuellen Line-Up. Und vollziehen auf "Versions" einen ähnlichen Schritt, wie ihn schon Thrice mit ihrem letzen Album vorgemacht hatten. Klar, zwischen beiden Bands lagen schon immer Welten. Weshalb Poison The Well am Ende ganz woanders rauskommen, als bei einem zweiten "Vheissu". Nämlich dort, wo zickige Monolithen namens "Nagaina" stehen. Wo verstärkt richtig gesungen werden darf. Wo das markante Brüllen von Sänger Jeffrey Morreira bloß noch ein Stilmittel von vielen ist. Wo die Leadgitarren auch mal nach Americana und Countryroads klingen. Und wo überhaupt verdammt viel passiert in ziemlich satten 42 Minuten.

Erbarmungslose Klopper der Marke "Composer meets corpse" stehen immer wieder zwischen diesen Stücken, die es auf einer Hardcore-Platte wagen, auch mal ein Banjo in die Hand zu nehmen. Das faustdick direkt vor den Latz geknallte "The nochtes that creat your headboard"? Trocken. Das definitive Über-Brett "Letter thing"? Ziemlich grandios. Doch gerade auch die andere, neue Seite von Poison The Well ist interessant. Etwa, wenn "Slow good morning" einen Flächenteppich aus Percussion, Orgel und Gezupftem auslegt. Wenn sich "Breathing's for the birds" am Ende immer weiter hochschaukelt. Und wenn in "Pleading post" mit Schlagzahlen im unteren Bereich eine Härte und Intensität demonstriert wird, die Grindcoresongs wie Bibi Blocksberg aussehen lassen. Dann kann man Poison The Well verzeihen.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Letter thing
  • Nagaina
  • Pleading post

Tracklist

  1. Letter thing
  2. Breathing's for the birds
  3. Nagaina
  4. The notches that create your headboard
  5. Pleading post
  6. Slow good morning
  7. Prematurito el baby
  8. Composer meet corpse
  9. You will not be welcomed
  10. Naive monarch
  11. Riverside
  12. The first day of my second life

Gesamtspielzeit: 42:02 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Arzelà-Ascoli
2008-03-17 17:06:50 Uhr
Yeah, da wird mich auch nichts von Essen fernhalten. Dillinger + PTW = Hammer!
dumbsick
2007-12-05 11:11:03 Uhr
habe ich auch schon gesehen, essen ich komme:)
Khanatist
2007-12-04 21:28:03 Uhr
Auf Tournee mit DEP:

03/06 Hamburg, Germany @ Logo
03/07 Berlin, Germany @ Kato
03/10 Munich, Germany @ Backstage
03/13 Vienna, Austria @ Arena
03/14 Erfurt, Germany @ Centrum
03/24 Wiesbad, Germay @ Schlachtorf
03/25 Essen, Germany @ Zeche Carl
Winnie
2007-09-16 04:21:32 Uhr
"slow good morning" finde ich komisch und morbide gleichermaßen.
"pleading post" ist da ähnlich. Die anderen Monster sind meistens immer ein Extrem. Also ich finde Versions ist ein panischer, oft schwermütiger, mal behaglicher intonierter Alptraum.
Außerdem ein typischer Fall von hässlicher Schönheit oder Schönheit in der Hässlichkeit? ;)



"You come before you" = Immer noch mein Liebling.

"The opposite of december" = siehe "YCBY"...wenn mir danach ist. *g*
Khanatist
2007-09-15 15:07:17 Uhr
*horch* Still geworden hier.
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