31Knots - The days and nights of everything anywhere

31Knots- The days and nights of everything anywhere

Polyvinyl / Cargo
VÖ: 05.04.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Alphatierchen

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, Joe Haege sei sauer. So angepisst wie in "Beauty" (ausgerechnet!) hat der Vordenker von 31Knots schon lange nicht mehr gebrüllt. Warum eigentlich? Daran, dass die Eingeweihten seine Band anbeten und der Rest der Welt wahlweise taub, ignorant oder überfordert ist, wird doch auch "The days and nights of everything anywhere" nichts mehr ändern. Denn für klassisch aufmerksamkeitsschwache Hörerschichten - also für die breite Mehrheit - war schon der großartige Vorgänger "Talk like blood" nichts. Obwohl man dem Album nachträglich unterstellte, der Durchbruch von 31Knots gewesen zu sein. Für einen bestimmten Wert von "Durchbruch".

Eigentlich könnte 31Knots das ja egal sein. Um Nachvollziehbarkeit sollte es Kunstschaffenden ohnehin eher am Rande gehen. Den Gedanken hatte auch der Dreier aus Portland. Ihre sperrige "Polemics"-EP auf dem Vorjahr hatte bereits angedeutet, welchen Zickzack-Kurs die Kopfrocker für ihren nächsten Entwicklungsschritt wohl nehmen könnten. "The days and nights of everything anywhere" setzt sogar noch einen drauf. Freie Formen, gebogene Grooves und verzwickte Verästelungen gehören auch bei Geistesverwandten wie Portugal.The Man oder The Mars Volta zum guten Ton. 31Knots hingegen treiben den Synapsenstress jetzt mit Minimalismus auf die Spitze. Statt alle Knoten gleichzeitig festzuzurren, lassen sie die Zielgruppe jeder Schleife einzeln zuhören. Aus einem obskuren Wall Of Sound wird dadurch ein durchscheinender Vorhang. Der aber mit dem Blick auf die Details nur noch mehr Verwirrung stiftet.

Nach dem schroffen Opener "Beauty" taumeln alkoholisierte Trompeten und windschiefe Keyboardklänge durch "Sanctify". Der Beat scheppert scheinbar zusammenhanglos, und keine rettende Gitarre sorgt für Ordnung. Das ist nicht Rock, das ist nicht Jazz, und der entrückte Chor freut sich mittendrin über soviel Zuordnungsschwierigkeit. Wenn dann in "Savage boutique" plötzlich ein neckisches Spinett und satte Bläser immer noch weiter von der Erwartungshaltung wegdriften, ist man dem Verwirrspiel von 31Knots doch wieder auf den Leim gegangen.

Die komplexen Architekturen, die auf den Vorgängern immer mehr den Blick auf den strahlenden Popkern zuließen, lassen jetzt noch mehr Lücken. Doch das, was sie jetzt freilegen, fordert umso mehr heraus. In "Man become me" reibt sich Haeges Stimme an der Gitarrenunruhe blutig, welche dann doch noch existentialistische Ruhe zu zelebrieren weiß, bevor sie endgültig explodiert. "The salted tongue" lässt mehrere Handlungsstränge parallel ablaufen, die man als unbedarfter Zuhörer höchstens unterbewusst als voneinander unabhängig wahrnimmt. Und wenn man das Durcheinander erkennt, entdeckt man gleich auch die frappierende Logik. In der zweiten Hälfte des Albums lauern dann jene Songeinzelteile, aus denen 31Knots früher die nächste Hit-Quadratwurzel gezogen hätten. Handlich sortiert zum Selbstzusammenbauen. Und in dieser kompakten Form ergibt das Ganze sogar noch mehr Sinn. Ohne dass es aufgefallen wäre, liegen 31Knots bei der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft schon wieder verdammt weit vorne. Dieser Wahnsinn hat Methode.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Savage boutique
  • Man become me
  • The salted tongue
  • Pulse of a decimal

Tracklist

  1. Beauty
  2. Sanctify
  3. Savage boutique
  4. Man become me
  5. The salted tongue
  6. Hit list shakes (The inconvenience of you)
  7. Everything in letters
  8. The days and nights of lust and presumption
  9. Imitation flesh
  10. Pulse of a decimal
  11. Walk with caution

Gesamtspielzeit: 41:49 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
modestmarc
2007-12-27 13:22:45 Uhr
Ja diese tolle Band muß hier mehr Beachtung finden. Anhören, anhören...
Meiner Meinung nach immer noch eine der besten live Bands da draussen.
Dan
2007-12-27 12:43:35 Uhr

ja ist nicht besonders, stimmt
Kingdom
2007-12-27 12:42:36 Uhr
Aber der Pressetext da oben, ist ja mal das schlechteste was es je in diesem Bereich zu lesen gab.
Henrik
2007-12-27 12:32:32 Uhr
Hier versandet die Lobhudelei langsam aber sicher. Diese tolle Platte will ich also mal wieder ins Bewusstsein rücken.
Derart ausgeklügelte und kompromisslose Rockmusik findet man nur noch selten. So mitgerissen hat mich in diesem Jahr nur noch Minus the bear.
Thomas
2007-05-27 15:49:00 Uhr
Von denen kann man wirklich nicht genug bekommen. Höre gerade wieder die EP.
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