Maximo Park - Our Earthly pleasures

Maximo Park- Our Earthly pleasures

Warp / Rough Trade
VÖ: 30.03.2007

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Der gordische Knoten

Aus der Mode gekommen sind heutzutage nicht nur Flokati-Teppiche und Dauerwellen. Sondern auch Folianten mit alten Sprichwörtern. Bei Dauerwellen und Flokati-Teppichen hält sich das allgemeine Bedauern in engen Grenzen. In alten Sprüchesammlungen lässt sich jedoch manch schlauer Schatz ausgraben. "The brightest flame burns quickest", besagt zum Beispiel eine alte englische Weisheit, und sie bewahrheitet sich öfter, als einem lieb ist. Denn schnell erschlafft Begeisterung, wenn der Rausch verflogen ist. Wie schnell ist die Euphorie übersättigt, wird fett und träge, wenn sie immer wieder mit Gleichem und Ähnlichem überfüttert wird? Genau diese Gefahr drohte auch der neuen Welle aus Großbritannien, bei der nach den Pionierleistungen von Franz Ferdinand, Bloc Party oder Maximo Park die reizüberflutende Inflation ausbrach und eine immer größere, teils kaum noch auseinanderzuhaltende Fülle ähnlicher Bands hinterher stürmte.

Vieles davon hat sich inzwischen abgenutzt, ist schal geworden. Das aufregend Neue und Erfrischende ist zur Routine geworden und überrascht beim Hören kaum mehr als die Sendezeit der Tagesschau. Einige wenige Alben haben den Overkill allerdings schadlos überstanden, weil sie auch beim x-ten Hören noch wieder verblüffen können und selbst nach Jahren mit jedem Hören fast noch besser werden. "A certain trigger", der Geniestreich des famosen Quintetts aus Newcastle, gehört in diese Kategorie. Wie Sardinen in einer Büchse drängten sich unzählige Ohrwürmer und verspulte Ideen auf engstem Raum. "A certain trigger", die wilde Dreizehn, nahm waghalsige Überschläge mit spielender Leichtigkeit. Es bremste oder beschleunigte clever, schoss abrupt in völlig unerwartete Richtungen, ohne aus dem Ruder zu laufen, und forderte gleichzeitig Beine und Hirn heraus, war leidenschaftlich, fesselnd und gebildet zu gleich. Die kratzbürstigen Riffs und wuseligen Grooves schlugen Kapriolen, Orgeln und Synthies trieben den nervös den Puls nach oben, und zugleich gaben Paul Smiths Texte den Hirnwindungen Bilder zum Knacken.

Doch was sollte auf einen solchen Knaller folgen? Wer den gestreuten Gerüchten geglaubt hat, Maximo Park würden auf ihrem Zweitling weitaus härter zur Sache gehen und nun wie eine Mischung aus den Smashing Pumpkins und den Smiths klingen, rutscht mindestens zur Hälfte aufs Glatteis. Es stimmt teilweise und ist doch ganz anders. Vielmehr haben die Fünf aus Newcastle ihre dynamische Tollwiese ausgedehnt. Hier und da haben sie gestrafft, rocken klarer geradeaus wie im straighten Opener "Girls who play guitars". Auch im brodelnden Ideenwhirlpool "Our velocity" haben sie ihre Durchschlagskraft erhöht und beweisen zugleich einmal mehr ihr geniales Gespür für das clevere Verschränken verschiedenster Songideen. Dick aufgetürmte Gitarrenwände und pathetischer Pomp, wie man sie hätte vermuten können, finden sich indes nur sporadisch, beispielsweise im Refrain von "Karaoke plays", der zudem überraschende Ähnlichkeit zu "Plug in baby" von Muse entpuppt. Unscheinbarer und zugleich vielseitiger kommen die Songs daher, vor allem in der zweiten Albumhälfte. Sie öffnen sich erst allmählich und fahren ihre Krallen in den Gehörgängen nur zögernd aus, dann aber feste.

Über Orgel und Synthie hinaus zaubert Lukas Wooler seine Akkorde und Motive nun auch aus dem Klavier, Rhodes oder der Celesta, und auch Duncan Lloyd variiert weit mehr mit seinen Gitarrensounds. Mit dem Wechsel zu Gil Norton (Pixies, Foo Fighters, Jimmy Eat World) an den Reglern ist ein Hauch vom vorherigen Rotz einem klareren Sound gewichen. Nicht alles schwingt sich prompt zum Ohrwurm auf wie das herrliche, luftig leichte und beschwingt federnde "Books from boxes", wo Paul Smith und Konsorten stärker an die Smiths erinnern als je, oder die heiteren Tristesse von "By the monument" mit Handclaps und mehrstimmigen Chören. Mit "Sandblasted and set free" wagen sie sogar einen dezenten Ausflug in den Streicherpop, während sich "The unshockable" mit dissonant gedengelten Gitarren dem Ohr erst ein wenig sperrt und sich "A fortnight's time" mit seinen vertrackten Grooves und schwurbeligen Orgeln auch beinahe progrockig die Füße verknotet.

Maximo Park sind auf "Our Earthly pleasures" zugleich einfacher und komplexer geworden, härter und leiser, entspannter und drängender, schüchterner und selbstsicherer. Noch immer finden sich die großen Melodien, die bildreichen, klugen Texte, immer wieder biegen Songs um unerwartete Ecken und fügen sich doch perfekt zusammen. Und so viele Vergleiche im Vorfeld auch aufgekommen sein mögen: Maximo Park klingen noch immer vor allem nach sich selbst. "Our Earthly pleasures" birgt keine potenziellen zwölf Singles, doch es funktioniert als Album ganz hervorragend. Der Schritt vorwärts, die erste Häutung ist geglückt. Eine Platte, an der man lange Freude haben wird, von einer Band, auf die man sich - jenseits aller Moden - auch in Zukunft weiter freuen und verlassen kann. Es war kein Strohfeuer.

(Ole Cordsen)

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Highlights

  • Our velocity
  • Books from boxes
  • Russian literature
  • By the monument

Tracklist

  1. Girls who play guitars
  2. Our velocity
  3. Books from boxes
  4. Russian literature
  5. Karaoke plays
  6. Your urge
  7. The unshockable
  8. By the monument
  9. Nosebleed
  10. A fortnight's time
  11. Sandblasted and set free
  12. Parisian skies

Gesamtspielzeit: 41:50 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Dywany
2011-06-16 04:41:46 Uhr
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Kenner sagt:
2010-04-11 17:15:07 Uhr
A Certain Trigger 9/10
Our Earthly Pleasures 8/10
Quicken The Heart 7/10
mmmmhh
2010-04-11 16:36:39 Uhr
Unglaublich dröges Album!
Hyper hyper
2009-05-16 21:25:44 Uhr
Sagt alles Wikipedia.
Garp
2009-05-16 21:22:36 Uhr
OEP auf Platz 4?! Oder meinst Du Quicken the heart? Und warum habe ich in diesem Thread noch unter anderem Namen früher geschrieben? Fragen über Fragen...
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