Magicrays - Off the map

Magicrays- Off the map

Gentlemen / Al!ve
VÖ: 23.02.2007

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Leise Zweifel

Melancholie in Worte zu fassen, fällt jedem Poeten leicht, auch einem zweitklassigen. Ein paar Sätze zum November, tröpfelnder Regen dazu und noch etwas über vergangene Lieben. Das genügt meistens schon. Auch Maler können leicht die passenden Grautöne auf ihre Staffelei tupfen. Die Tänzer lassen ihren Körper durch etwas langsamere Bewegungen sprechen, und der Schauspieler lässt die Mundwinkel hängen. Aber der Musiker? Vielleicht zuerst einmal schwarze Kleidung, dann eines dieser dramatischen Piercings und zuletzt noch etwas düstere Schminke?

Nein, ist doch alles gar nicht nötig, wie Magicrays aus dem schweizerischen Lausanne beweisen. Zwar wurde mit PJ-Harvey-Prduzent John Parish ein erfahrener Mann für die dunkleren Töne an die Regler geholt, aber in erster Linie sollte doch einfach der Moll-Ton stimmen. Dieser tiefe, volle Klang, der all die plagenden Zweifel umschließt. Der einfach nie zufrieden sein kann. Aber der es ja eigentlich auch gar nicht sein will. Dieses Moll, das gerne mit seinem schiefen Stolz prahlt und schmerzende, dröhnende Schreie von sich geben kann, so wie es die Band im fabelhaften "Twillight descent" demonstriert. Es dann aber im kurzen "The map" auch nur endlos lang vor sich hintasten lässt.

Magicrays grübeln über das Leben. Das Alleinesein. Und die ständig gegenwärtige Traurigkeit. Zu dieser passt dann natürlich auch nicht jede Stimme. Keine, die freudig gluckst oder lasziv säuselt. Nein, eher diejenige, die brüchig und belegt ihre Zeilen vorträgt. Geisterhafte Klänge von sich gibt wie im schrägen Opener "The green river" und sich bis zur Spannung strecken will, nachdem sie wieder einmal die leisen Zugeständnisse an das Leben geflüstert hat. Dass dabei, gefüllt von soviel Emotion, auch mal die ein oder andere Textstelle etwas unrund daherkommt, sei dem leidenden Organ verziehen. Es ist eben einfach schon zur Genüge mit sich selbst beschäftigt.

Aber wenn dann Moll und Stimme fein harmonieren, dann darf auch etwas optimistischer Pop dazustoßen. Nicht unbedingt derart bliebig wie in "Turn insight into action", aber immer doch vorsichtig lächelnd und nach vorne treibend wie in "Dragon shield". Dass mit dem im Lied besungenen Schild ausgerechnet der Liebespartner gemeint ist, leuchtet zwar erst beim zweiten Überdenken ein, überrascht aber nicht. Um die Zwischenmenschlichkeiten geht's eben wieder, das Ur-Thema der Melancholie. Aber ob diese Melancholie dann auch wirklich, falls denn jeder solch ein Drachenschild im Spind hätte, verstummen mag? Die Kunst würde sicherlich darüber klagen.

(Tobias Wallusch)

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Highlights

  • Off
  • Marks
  • Twilight descent

Tracklist

  1. The green river
  2. Turn insight into action
  3. Marks
  4. Off
  5. The map
  6. 9:21
  7. Hold your horses
  8. Dragon shield
  9. Twillight descent
  10. Heart burn
  11. Rotten flowers

Gesamtspielzeit: 43:03 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Wolf
2008-11-18 10:45:10 Uhr
Hat sogar zwei Punkte mehr verdient...8/10. Wer es noch nicht kennt, sollte es nachholen. Das Wetter passt jedenfalls.
Beefy
2008-05-24 12:09:48 Uhr
Gestern mal wieder live gesehen und einmal mehr begeistert gewesen. \"Off the map\" hat definitiv einen Thread und einen Punkt mehr als 6/10 verdient. Amen.
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