Lady Sovereign - Public warning

Lady Sovereign- Public warning

Def Jam / Island / Universal
VÖ: 30.03.2007

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

The biggest midget in the game

Um Gottes Willen! Ein zu kurz geratener Melanie-C-Klon, der kaum aus der Pubertät raus ist und auf HipHop macht? Das kann ja nur in die Baggyhose gehen. So die Theorie. Richtig? Eben. Und dadurch völlig falsch. Zugegeben, zwar ist Lady Sovereign nach eigener Aussage "officially the biggest midget in the game" und man kann schon von ihrem Äußeren in die Irre geführt werden, denn so richtig "real" wirkt sie nun wirklich nicht, aber was macht das schon? Denn "Public warning" ist der Shit. Und wer es nicht glaubt, lege sich doch bitte selbst mit diesem englischen Energiebündel an. Wer sie auf der englischen Insel ausfindig machen will, sucht nach ihrem stockbürgerglichen Namen Louise Amanda Harman irgendwo in London. Und mache sich auf eine mächtige Tracht Prügel gefasst. Denn wer wie sie im Londoner Nirgendwo zwischen Tristesse, Drogen und dem Nachmittagsprogramm aufgewachsen ist, hat gelernt, mächtig einzustecken. Und auszuteilen. Außerdem gibt es im berüchtigten Chalkhill Estate, in etwa dem Pendant zu Reinickendorf, nur zwei Optionen. Entweder drin bleiben, oder raus gehen.

Diese junge Frau hat eindeutig die für sie und für uns bessere Option gewählt. Und steigt mal eben von ganz ganz unten ganz ganz oben ein. Ohne dabei jedoch sich, die alten Ideale und die Seele zu verkaufen. Denn "Public warning" ist kein reines Produkt, wie es regelmäßig aus den Pressen von einem P. Diddy oder Snoop Doog gequetscht wird, sondern das echte Machwerk eines kreativen Geistes. Was die machen, hat im Vergleich zu Lady Sovereign nämlich in etwa so viel mit mit HipHop zu tun, wie ihre Hautfarbe mit Bräunungscreme. Klar, wie bereits erwähnt ziemlich ungünstige Startkonditionen für Lady Sovereign, da gibt es keinen Zweifel. Sie ist weiß, sie ist blutjung und vor allem: sie kann sich nicht mal eben mit Verweis auf besondere männliche Leistungen in den Schritt fassen. Um so erstaunlicher also, dass "Public warning" ungefähr so flowt wie zehn Sidosbushidos zusammen. Dabei beginnt die Platte noch recht ausgeschlafen und entspannt. Frischer Piano-Beat, flüssige Reime, guter Flow. "9 to 5" handelt von einem bekannten Problem. Irgendwie ja doch schwierig, die vielen Parties, den Spaß, das Nachtleben und alles mit solchen Grundbedürfnissen wie Schlaf und Ruhe in Einklang zu bringen.

Es fühlt sich jemand an Mr. Mike Skinner alias The Streets erinnert? Unnötig, Lady Sovereign macht ihr eigenes Ding, und die gesamte Indiewelt braucht endlich neue Leitfiguren, was HipHop in Europa und vor allem auf der Insel betrifft. Der Titeltrack zum Beispiel ist nicht nur Highspeed-Dancefloor-Futter, sondern zeigt auch noch, dass man weder Twista noch Busta Rhymes heißen muss, um mit der Zunge die wahnwitzigsten Reimsalven im Kalaschnikow-Style rauszuhauen. Ist das jetzt Rave, wie er auf der Insel modisch ist? Ist das Grime? Oder ist das was ganz anderes, wofür sich noch jemand einen Namen einfallen muss? Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, aber man weiß schon bei Track 4: Dieser MC will dich brennen sehen. "Love me or hate me" bringt die Sache auf den Punkt. Der Beat? Killer. Der Flow? Man kann sich nicht satt hören. Mit welcher wahnwitzigen Selbstironie sich dieses erst 22-jährige Wunderkind zuerst selbst und dann sämtliche Kollegen und Kritiker zerfleischt, ist ungemein hohe Rapschule.

Direkt darauf folgt das ähnlich unglaubliche "My England", in welchem mit einer innigen Liebesbekundung die gesamte Insel samt Tony Blair, der Queen, Posh Spice, Oliver Twist und Bridget Jones in die Luft gejagt wird. Wie soll man sich in diese junge Frau nicht auf der Stelle verlieben? "This is my cheesy intro." So kommentiert sie leicht verlegen ihren Gute-Laune-Radio-Track "Those were the days" für die Morgenmuffel. Zauberhaft. Und zwischendurch hört man immer wieder mal durch, wie sehr sie der echten und ehrlichen Gitarrenmusik verbunden ist. The Clash und Public Enemy. The Smiths und NWA. Immer wieder mal Gitarren, immer wieder mal ein Bass. Immer wieder tolle Songs, wenn auch leider nicht durchweg. Jetzt kommt der Erfolg, die Kohle und eine Tournee mit Gwen Stefani. Def Jam wusste, was zu tun ist. Missy Elliott konnte sich jetzt schon eine Kollaboration nicht verkneifen. Trotzdem: ein starkes Stück, das Debüt. Dieser Zwerg ist riesig.

(Konstantin Kasakov)

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Highlights

  • Public warning
  • Love me or hate me
  • My England
  • Those were the days

Tracklist

  1. 9 to 5
  2. Gatheration
  3. Random
  4. Public warning
  5. Love me or hate me
  6. My England
  7. Tango
  8. A little bit of shhh
  9. Hoodie
  10. Those were the days
  11. Blah blah
  12. Fiddle with the volume
  13. Love me or hate me remix (feat. Missy Elliott)

Gesamtspielzeit: 47:47 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
uczen
2008-01-20 22:44:40 Uhr
ich mag sie :)
gt
2007-07-29 01:20:09 Uhr
wann wird die tour nachgeholt ?
Armin
2007-04-18 22:48:30 Uhr
PRESSEMITTEILUNG | ct creative talent gmbh | Berlin 18.04.2007


LADY SOVEREIGN
| Muss auch Rest der Europatournee aus Krankheitsgründen absagen




Nach dem Lady Sovereign in der vergangenen Woche gezwungen war Shows in England aufgrund von akuten Erschöpfungszuständen abzusagen, trifft es jetzt unglücklicherweise auch den Rest ihrer Europatournee. Lady Sovereign hatte nach einer ersten mehrtägigen Pause zwar noch eine Show in Leeds gespielt, danach verschlechterte sich ihre Kondition abermals, so dass sie auf Weisung ihrer Ärzte den Rest ihrer Europatournee absagen muss, um zu gesunden.


Lady Sovereign ist sehr enttäuscht, dass sie die anstehenden Shows nicht spielen kann, aber infolge von 18 Monaten intensiven Tourens und Promotion ist ihr jetzt eine längere Bettruhe verordnet worden, um sich zu erholen und behandeln zu lassen.


Aufgrund des auch in den nächsten Monaten engen Zeitplans von Lady Sovereign können derzeitig keine Nachholtermine avisiert werden. Daher können Karten an den Vorverkaufsstellen, bei denen sie erworben wurden, zurück gegeben werden.

Die abgesagten Daten der “Public Warning” Tour 2007 in Deutschland:

20.04. Köln
21.04. Berlin
22.04. Hamburg
hans
2007-04-04 14:58:41 Uhr
"hab ich hier gefunden" ... "kann jemand den Artikel bestätigen" hahahaha
Tschengis
2007-04-04 14:57:12 Uhr
Warum meint das Sally's jetzt eigentlich auf einmal, hier Promoärsche reinschicken zu müssen?

Pusht lieber weiter Itchy Pupskind
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